Hamburg
Christian Rach schließt „Darling Harbour“
„Gastronomisches Konzept wurde an diesem Standort nicht angenommen“ / Wettbewerb zunehmend härter
HAMBURG (od). Das gastronomische Konzept ist an diesem Standort nicht angenommen worden“, erklärt ein wortkarger Christian Rach. Der Sterne-Koch möchte am liebsten gar nicht über die Schließung seines Lokals „Darling Harbour“ an der Hamburger Hafenmeile sprechen. Letzte Woche ließ er über die Bild-Zeitung verbreiten, dass er zum Monatsende die Türen absperren müsse.
Nur 28 Monate ist das ambitionierte 110-Plätze-Lokal alt geworden. Dabei markierte es einen neuen Typ Restaurant entlang der Elbe: jung, design-orientiert und innovativ. Es half mit, das rund zwei Kilometer lange Revier zu einer der schicksten Ausgehmeilen der Hansestadt zu machen.
Klassische Charles-Eames-Stühle, holzverkleidene Wände, eine große Glasfassade und „der romantischste Blick auf den Fluß“ (Szene Hamburg) gaben dem „Darling Harbour“ metropolitanes Flair. Der Gault Millau bescheinigte dem Designer-Restaurant mit einer Mischung aus perfekten Klassikern wie etwa gegartem Steinbutt und schrägem Fun-Food eine „kauzige Karte“. Als Spezialität des Hauses galt die toskanische Brotzeit, die mit einem Liter offenen Wein serviert wurde. Und die Lokalpresse witzelte, dass man dort für rund zehn Euro die teuerste Currywurst der Stadt essen konnte. Doch die war hausgemacht. Am Herd standen mit Tom Roßner und Gerald Zogbaum ehemalige langjährige Köche des „Tafelhauses“.
Umso mehr verwundert die Ankündigung der Schließung: Denn Christian Rach betreibt mit dem „Tafelhaus“ seit etlichen Jahren eines der mittlerweile zehn Sterne-Lokale der Hansestadt mit zunehmendem Erfolg. In diesem Jahr bescheinigten dem Tafelhaus alle Restaurantführer weiter steigende Tendenz.
Wurde beim „Darling Harbour“ etwa der Standort überschätzt? Rund 2.400 Plätze sind seit der Eröffnung hinzugekommen, berichten Mitarbeiter. So ist das Lokal heute mit seinem Konzept nicht mehr allein: Hinzu kamen beispielsweise das stets volle „Henssler und Henssler“, eine „Niederlassung“ der Nobelkette „Indochine“, die eine Mischung aus Dinner und Dance anbietet, das „Elba“, das „La Vela“ und das „Au Quai“. Allesamt angesagte Adressen. Und natürlich sind die Klassiker wie etwa Rüdiger Kowalkes „Fischereihafen-Restaurant“ oder das „Rive“ am Anleger der Englandfähre nicht verschwunden.
Der Wettbewerb wurde immer härter. Und trotzdem scheint die Konkurrenz wesentlich besser damit klarzukommen: „Wir sind zufrieden“, meint etwa Claudio Spinsanti, Chef des „La Vela“. Ein starker Sommer habe viel gebracht. Die 180 Terrassenplätze waren gut ausgebucht. Doch auch der Dezember sei ganz gut gewesen.
Auch beim Sorgenkind des Hafens, dem „Au Quai“, das anfangs eher durch die ständigen Abgänge der Chefköche von sich reden machte, habe sich die Situation mittlerweile stabilisiert. Das „Henssler & Henssler“ in direkter Nachbarschaft zählt ohnehin zu den am stärksten frequentierten Restaurants der Hafenmeile. Das „Indochine“ ist mit seinem Nachtclub einer der beliebtesten Treffpunkte der Stadt.
Ajnur Kamljen, Inhaber des Restaurants „Elba“ mit rund 100 Plätzen, meint, dass sich jedes Restaurant im Hafengebiet eben positionieren müsse. Er selbst freut sich über etliche Veranstaltungen, die in diesem Jahr für volles Haus sorgen. Das persönliche Engagement sei wichtig.
Daran habe es im „Darling Harbour“ wohl etwas gefehlt, meinten immer wieder Kritiker. „Linkische Amateure“ lokalisierte der Gault Millau etwa im Service. Vier Betriebsleiter verschliss das Lokal in den knapp zweieinhalb Jahren. Das Restaurant litt wie die meisten Betriebe unter chronischer Unterkapitalisierung. Hinzu kam, so erklären Mitarbeiter, dass Chrisitian Rach zu viele Verpflichtungen habe und sich zu wenig um seine Neugründung am Hafen habe kümmern können. Einige Mitarbeiter sprechen gar von Missmanagement.
Denn was für viele überraschend kam, war schon vorher beschlossene Sache. So eröffnete Rach einigen Mitarbeitern bereits vor Weihnachten, dass er schließen wolle. „Am Standort liegt es nicht“, meint Rach heute. Und viele Mitarbeiter stimmen zu: Das Potenzial sei da - und die Gäste, meint einer der ehemalilgen Küchenchefs. Mit gewissen Abstrichen habe man ein gutes Geschäft gemacht.
Die Krise war also vermutlich hausgemacht, ein Gastro-Sterben entlang Hamburgs Hafenmeile steht wohl nicht zu befürchten.

thomas fischer,saig-lenzkirsch,schwarzwald
11.02.2010 um 08:55
Betreff: palimpalim
ich würde die ganzen Gastrokritiker eh rausschmeissen...der Einzige der mich beurteilen kann sind meine Gäste und, wie es im Leben so ist, meine Oma....