Landgasthöfe – Was uns bewegt
Der Dienstag gehört der Familie
AUGUSTENDORF. Landgasthöfe sind dem Untergang geweiht? Wer diese Meinung vertritt, sollte nicht Familie Schöning in Augustendorf besuchen. Hier ist es gelungen, ein Traditionshaus FITfür Full Independent Tour, , Bezeichnung für Freizeitreisenden, der nicht in einer Gruppe reist.
weiter mit Mausklick... für Gegenwart und Zukunft zu machen – dank einer Mischung aus Mut, Verzicht und Weitsicht sowie einer gesunden Einstellung.
Der Mut zeigt sich überall im Haus. „Wir renovieren seit sieben Jahren ständig, Sie finden hier nicht eine Schmuddelecke“, sagt Lukas Schöning, der den Betrieb seit 1986 in zweiter Generation mit Frau Annelies und Mutter Klara führt. Ob die Gasträume mit insgesamt 100 Plätzen, der Saal mit 190 Plätzen, die 20 behaglichen Hotelzimmer mit 40 Betten, ja selbst der Keller mit Sauna, Billard oder Tischtennisplatte – alles picobello! So entsteht eine modern-rustikale Atmosphäre im Waldgasthof Schöning: Der Gast spürt die Tradition, sieht aber keine Alterserscheinungen.
Zimmer immer wichtiger
Wer viel investiert, muss vorher Geld verdient haben. Das gelingt den Schönings vor allem dank vieler Stammgäste (Radgruppen, Freundeskreise) aus der Region. Doch sie verzichten auch auf kurzfristigen Gewinn, um langfristig erfolgreich zu bleiben. „Zum Beispiel wird es immer schwieriger, für unseren Silvesterball genügend gutes PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
weiter mit Mausklick... zu finden“, erzählt der Chef. Daher werde er ihn – obwohl der Saal stets bis zum letzten Platz gefüllt ist – in Zukunft kleiner aufziehen.
Womit wir bei der Weitsicht wären: Die bewies schon Betriebsgründer Otto Schöning, der nach dem Start 1956 schnellstmöglich Zimmer baute und somit aufs Übernachtungsgeschäft setzte – heute der wichtigste Geschäftsbereich. Zudem schuf er 1972 einen modernen Saal, in dem bis zu drei Hochzeiten pro Woche stattfanden. Lukas Schöning wiederum erkannte, dass Feiern verstärkt in Vereinsheime abwandern würden und fuhr den Geschäftszweig Gesellschaften bewusst zurück. „Da die Urlauber für unsere BilanzGegenüberstellung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten eines Unternehmens, mit dem Ziel, das Eigenkapital als Restgröße zu ermitteln.
weiter mit Mausklick... wichtiger sind, richten wir maximal eine Hochzeit pro Woche aus“, erklärt er. Denn der Verdienst an einer weiteren Feier könne nie den Schaden aufwiegen, wenn Urlauber sich durch Partys bis morgens um 5 Uhr an aufeinanderfolgenden Tagen gestört fühlen. Weitsicht auch beim Thema Nachfolge: Sohn Lars (22) lernt aktuell in einem 2-Sterne-Restaurant Koch, wird den GasthofBeherbergungsbetrieb, der einem Schank- oder Speisebetrieb angeschlossen ist.
weiter mit Mausklick... in acht, neun Jahren übernehmen.
Alles auf den Kopf stellen will der Sohn nicht: Sicher, er werde der Küche ein paar neue Impulse verleihen, sagt sein Vater – so gutbürgerlich wie heute soll es aber weiter auf den Tellern zugehen: mit Hirschkalbsbraten, Wildschweinroulade oder gespickter Hasenkeule. „Die Gäste möchten auf dem Land nicht Schickimicki, sondern traditionelle Gerichte“, sagt Lukas Schöning, selbst gelernter Koch. Wie den Spießbraten vom Grill, den es in einer Blockhütte gibt, in der Gesellschaften bis 25 Personen auf den Putz hauen können. „Die Hütte ist ein absoluter Magnet“, sagt Schöning.
Klaren Kopf behalten
Negatives kennen sie in Augustendorf auch. „Mittags müsste ich die Tür eigentlich zulassen, da zahlen wir fast drauf“, berichtet der 48-Jährige. Zudem macht er sich Sorgen um den Aushilfen-Nachschub und ist mit dem Internet nie richtig warm geworden: „Bewertungsportale, Facebook – da hat unser Sohn sicher einmal weniger Berührungsängste.“
Über die Belastung wird indes explizit nicht geklagt. Natürlich arbeiten die Schönings hart, doch vor dem Burnout schützt eine gesunde Einstellung zum Beruf, die gewissermaßen Mut, Verzicht und Weitsicht vereint. Die Besten zu sein, ist für die Familie keine Kategorie, in der gedacht wird: „Wir müssen niemandem etwas beweisen und setzen uns nicht permanent unter Druck.“ Unter Druck mache man Fehler und habe den Kopf nicht frei für kluge Entscheidungen.
Das Ehepaar Schöning gönnt sich daher drei Urlaube im Jahr, und dienstags bleibt nicht nur der Gasthof geschlossen, sondern auch das Handy aus. „Pausen sind wichtig“, sagt Lukas Schöning, „ohne sie bekommt man irgendwann einen Herzinfarkt oder wird Alkoholiker.“ Alexander Schmolke

