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Die Halbe bedroht die Maß

In Münchner Biergärten bestellen Gäste häufiger Bier in 0,5-Liter-Gläsern / Viele Wirte passen ihr Angebot an

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/25 vom 21. Juni 2008
 Alexandra Leibfried

München. Waschechte Bayern bezeichnen das Heben des Maßkruges als Training für den Bizeps. Die Hochphase dieser Sportart setzt mit der Biergartensaison ein. An lauen Sommerabenden stählen die Bayern – wie es Tradition ist – ihre Oberarme um die Wette.

Ein Großteil der Münchner Bevölkerung verliert jedoch den Respekt vor diesem Ritual und verlangt im Biergarten nach der Halben. Die Wirte fügen sich und bieten immer häufiger auch abends Bier und Radler in kleinen Krügen an. Manche wie Paulaner im Tal verzichten sogar ganz auf den Literkrug. „Ein Stück Tradition bleibt so auf der Strecke“, bedauert Siegfried Gallus, Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) diese Entwicklung.

Die Schuld scheint bei den Zugezogenen und Touristen zu liegen. Christl Hochreiter vom Biergarten am Viktualienmarkt: „Wir schenken nur Halbe aus. Die wenigsten vertragen eine ganze Maß.“ Die Kollegen machen es nach, weil „mehr Fremde herziehen und das Alkoholbewusstsein zunimmt“. Kaum ein Münchner trinke in der Mittagspause im Biergarten noch eine Maß, bestätigt Ludwig Högenauer, Inhaber des Augstinerbiergartens. Im Aumeister, im Seehaus und am Chinesischen Turm ist es nicht anders. Dennoch ist im Augustiner um 17 Uhr Schluss damit. „Der gestandene Münchner trinkt zwei Maß“, so der Wirt. Am Abend gehe die Tradition vor.

Manfred Newrzella, traditionsbewusster Chef des Vereins Münchner Brauereien, stimmt zu: „Nur Touristen, Zugezogene und die Damenwelt können mit den Maßkrügen nicht umgehen.“ Er ärgert sich über die „allgemeine Fitnesswelle“. „Alkoholbewusstsein ist löblich, aber bitte nicht übertreiben. Eine Radler-Maß ist schließlich nur ein Liter eines leicht alkoholhaltigen Erfrischungsgetränks.“

Nur schlechte Seiten hat die Entwicklung nicht. Einige Wirte verkaufen die Halbe teurer als das Bier im Literkrug und machen Gewinn. Um besonders viele Halbe verkaufen zu können, hat der Biergarten-Leiter vom Chinesischen Turm einen Mitarbeiter zusätzlich eingestellt. Alexandra Lindinger


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