Bayern
Die Wiesn läuft mit hoher Drehzahl
Das Münchner Oktoberfest erwartet wieder mehr als 6 Millionen Besucher / Rauchen ist kein Thema, dafür aber Öko-Strom
MÜNCHEN. Schlachtruf mit Tradition: Nach dem „O’zapft ’is“ von Oberbürgermeister Ude schenken die Festwirte auf der Münchner Theresienwiese nun 16 Tage lang das eigens gebraute Wiesnbier aus. Das größte Volksfest der Welt dauert in diesem Jahr bis zum 7. Oktober und soll, so hoffen Stadt und die 624 zugelassenen Betriebe, erneut etwa 6,5 Mio. Besucher in seinen Bann ziehen. Die Zeichen dafür stehen gut: „Die optimistische Stimmung, die derzeit in der Wirtschaft zu spüren ist, wird sich erfahrungsgemäß auch auf der Wiesn niederschlagen“, sagt Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl. Und Günter Steinberg, Wirt des Hofbräu-Festzelts, bestätigt, dass die Reservierungen heuer „so gut wie noch nie“ gelaufen sind: „Ich bin überzeugt, es wird für alle ein Erfolg.“
Hoteliers feiern mit
Ein Erfolg, der nach Berechnungen des Münchner Tourismusamtes einen Wirtschaftswert in Höhe von knapp 954 Mio. Euro darstellt: Laut einer repräsentativen Umfrage geben von den erfahrungsgemäß rund 6,5 Mio. Festbesuchern rund 6,1 Mio. Personen pro Kopf durchschnittlich 74 Euro (insgesamt etwa 449 Mio. Euro) auf dem Oktoberfest aus. Die restlichen 400.000 Wiesnfans genießen ohne Konsum. Zudem lassen auswärtige Besucher für Verpflegung und Einkäufe weitere rund 205 Mio. Euro und noch einmal zirka 301 Mio. Euro allein für Übernachtungen in der Stadt.
Neu für die Wiesn 2007 ist ein explizites Verbot seitens der Stadt für Werbe-Events. Die 14 Wiesnwirte haben damit kein Problem. „Die Wiesn ist so bekannt und beliebt, da braucht’s keine zusätzlichen Events“, bestätigt Wirte-Sprecher Toni Roiderer der AHGZ.
Beruhigt hat sich die Diskussion um Rauch oder Nicht-Rauch. Alle sind froh, dass dieser Kelch an ihnen vorüber ging. Speziell bei den kleineren Wiesnwirten – Hühner- und Wurstbratereien und Wiesn-Cafés – gibt es allerdings Nichtraucherzonen. Damit soll letztlich auch Familienfreundlichkeit gezeigt werden, die zudem speziell noch am „Familienplatzl“ und den günstigen Dienstagen deutlich wird.
Beachtlich für ein Volksfest ist darüber hinaus das große Umweltengagement mit Abfallreduzierung oder Wasser-Recycling. Schon seit 2000 lässt die Festleitung alle öffentlichen Bereiche mit Öko-Strom versorgen, mehr als die Hälfte der Schausteller und viele Festwirte unterstützen dies, indem sie sich ebenfalls für „M Natur“ entschieden haben. „Umweltbewusstsein ist mittlerweile Standard“ sagt Roiderer, der im Hacker-Festzelt jetzt sogar noch Energiesparlampen einsetzt. Der Gastronom, der seit 1989 auf der Wiesn und seit 2001 Wirte-Sprecher ist, darf seinen Einzug auf die Wiesn am Eröffnungstag übrigens als etwas ganz Besonderes empfinden: Roiderer feiert Geburtstag (und Hochzeitstag): „Wenn man zur Wiesn Geburtstag hat und gleichzeitig Wiesnwirt sein darf, ist das eine hohe Auszeichnung – da braucht man kein anderes Geschenk!“ Karin Gabler

