Bremen
Ein fest vertäutes Angebot
Auf dem „Pannekoekschip Admiral Nelson“ gibt es ausschließlich Pfannkuchen – aber dafür in allen nur denkbaren Variationen
BREMEN. Sarah Bull ist weder eine penible Germanistin noch eine nervige Besserwisserin. Aber die Geschäftsführerin des „Pannekoekschips Admiral Nelson“ legt schon Wert auf Genauigkeit: „Wir bieten hier nicht nur Pfannkuchen an“, sagt sie mit einem charmanten Lächeln, „wir bieten ausschließlich Pfannkuchen an.“
Die 28-Jährige ist im Recht, auf diese Sprachgenauigkeit Wert zu legen. Denn die Pfannkuchen mit einem abwertenden „nur“ zu belegen, wäre schlicht falsch. Zu groß kommen sie daher. Zum Beispiel der „Gefüllte Pfannkuchen mit Hühnergeschnetzeltem, Paprika, Champignons, Zwiebeln, Ananas und Käsesauce“ für 11,50 Euro. „Alleine schaffe ich den nicht“, sagt Bull. Und so mancher Gast auch nicht.
Wegen schlechten Geschmacks bleiben dagegen keine Reste auf dem Teller. „Zumindest sind uns bislang keinerlei Klagen zu Ohren gekommen“, so Bull. Das war lange Zeit anders: Denn nachdem das umgebaute ehemalige Fischerei- und Museumsschiff im Jahr 2001 von Liverpool nach Bremen gebracht worden war, lief der Betrieb anfangs alles andere als rund. Immer wieder wechselten die Geschäftsführer, die Pfannkuchen genossen nicht den besten Ruf. „Ich sage nur: Dosen-Champignons“, gibt Bull leicht angewidert zu Protokoll. Dennoch schlugen sie und ihr Geschäftspartner Guido Meinke (32) Anfang des Jahres ein, als der Besitzer – die holländische Smit-HoldingDachgesellschaft rechtlich selbstständiger Unternehmen, die nicht an deren operativem Geschäft beteiligt ist.
weiter mit Mausklick... – einen neuen Pächter suchte. „Wir sehen ein riesiges Potenzial für dieses Restaurant“, sagt Meinke, „deshalb haben wir uns einfach reingestürzt.“ Und Bull ergänzt: „Wir sind noch jung. Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Das Risiko des Geschäftsführerduos scheint sich auszuzahlen: Bereits nach wenigen Monaten des gemeinsamen Wirkens ist das Ansehen des „Pannekoekschips“ deutlich gestiegen. „Die ersten Gäste kommen jetzt auf Empfehlung, das Mittagsgeschäft ist an schönen Tagen bombastisch“, berichtet Meinke. Die Fähigkeiten des umtriebigen Duos – er Hotelfachmann, sie Bankkauffrau – ergänzen sich ganz offensichtlich gut.
Und dann ist da ja noch das augenscheinlichste Pfund, mit dem Meinke und Bull wuchern können: das Schiff selber. Der stattliche Dreimaster, der in der Weser am Anfang der Gastronomie-Promenade „Schlachte“ liegt, zieht viele Blicke auf sich. „Wir sind schon eine optische Attraktion“, findet Bull. Viele Spaziergänger schauen sich das Schiff zunächst ausgiebig an und entscheiden dann spontan, über die eiserne Planke an Bord zu gehen.
Dort erwartet sie eine stilechte Einrichtung: Taue an der Decke, Schiffslampen über den Tischen, den Weg zu den Toiletten weist eine Galionsfigur. „All das sorgt für die gemütliche, familiäre Atmosphäre“, findet Bull. Ihren Beitrag zur Stimmung leisten auch die wie Piraten oder Seemannsbräute gekleideten Kellner, die gerne mal zum Klönschnack am Tisch stehen bleiben – unkompliziertes Duzen inklusive. „Wir sind eben kein 5-Sterne-, sondern ein Familienrestaurant“, erklärt Sarah Bull die Philosophie des Hauses. Familiengerecht ist die Karte ausgerichtet. Neben den Riesen-Pfannkuchen gibt es auch kleinere Versionen. Besonders auffällig: Süße Varianten werden eher wenig bestellt. Deftiges brummt: Pfannkuchen mit Chili con Carne, mit Speck, mit Meeresfrüchten, mit Salami.
Gratis gibt es übrigens ein wenig Geschichtsunterricht. Denn das Schiff – so steht es auf der Karte – wurde nach Plänen jenes Schiffs gebaut, das Admiral Nelson bei der Schlacht von Trafalgar befehligt hat. Im Jahr 1805 besiegte er mit seinen Briten die Franzosen und Spanier und sicherte so die englische Vorherrschaft zur See für ein weiteres Jahrhundert. Wenn nomen gleich omen ist, dürfte das „Pannekoekschip“ der Bremer Gastronomie also noch lange Zeit erhalten bleiben.
Alexander Schmolke

