Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Im ehemaligen Ganovenviertel von Berlin betreiben Susann Grubba und Sven Albrecht das Altberliner Ecklokal Gormann mit steigendem Erfolg. Foto: Blumenthal

Berlin

Einkehr im Ganovenviertel der Zwanziger

Eckkneipe Gormann glänzt mit guter Küche / Mit positiven Erwartungen ins neue Jahr gestartet

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2005/2 vom 15. Januar 2005

BERLIN Ausgerechnet in der einst verrufensten Ecke Berlins, dem so genannten Scheunenviertel in Mitte, hat sich Susann Grubba mit dem Lokal Gormann, Kneipe, Bar, Restaurant zugleich, im Mai 2001 selbstständig gemacht. Die gebürtige Berlinerin besaß bereits die „Assel“ in der Oranienburger Straße, wo sie schon mit 17 Jahren gejobbt hatte. Nach einem abgebrochenen Studium der Kulturwissenschaften stieg die junge Frau ganz und gar in die Gastronomie ein und setzte dort quasi ihr Studium am lebenden Objekt fort. Weil ihr Mietvertrag in der „Assel“ abgelaufen war, zog sie mit dem Großteil des Mobiliars im Altberliner Kneipenstil ein paar Straßen weiter in das 1889 erbaute Eckhaus Gormann-/Ecke Mulackstraße. Waschechte Berliner wissen gleich, dass es dort die legendäre Mulackritze, eine Ganovenkneipe, gab. Eine Gegend, die man in den zwanziger Jahren besser nicht aufsuchte! Heute hat sich nicht nur der Kiez gewandelt, sondern jetzt wird sogar mit seiner Vergangenheit geworben. Susann Grubba macht da keine Ausnahme, zumal auch das Kulturbüro Berlin zwei thematische Stadtführungen anbietet, die unmittelbar an ihrem Lokal mit 55 Innen- und 14 Außenplätzen vorbeiführen. Die eine nennt sich „Vom Scheunenviertel zum Prenzlauer Berg“, die andere „Vom Scheunenviertel zu den Hackeschen Höfen“. Obwohl jedoch Letztere fußläufig nur 10 Minuten vom „Gormann“ entfernt liegen, bekommt die Wirtin von dem „Touristen-Kuchen“ so gut wie nichts ab, denn nur selten verirren sich Fremde in die stillen Seitenstraßen. Die aber sind mit ihren prachtvoll restaurierten Häusern der Grund, dass sich Neu-Berliner, so beispielsweise Akademiker, hier ansiedeln. Das Publikum, das nun im Gormann verkehrt, ist eine Mischung aus „kleinem Mann“ und gut situiertem Bürger, weil sich die Küche herumgesprochen hat. Seit März 2003 wird sie geleitet von Sven Albrecht. Und der ist kein ganz Unbekannter. Als Sohn des Gastwirtsehepaars Roland und Heidrun Albrecht, die am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg das „Zander“ betreiben und emsige Verfechter der Slow-Food-Bewegung sind, hat er den „Gastronomie-Virus“ im Blut. 1989 hatte er in Ostberlin eine Kochlehre begonnen. Sein Ausbildungsbetrieb wurde „abgewickelt“; das ABZ Kurfürstendamm übernahm den Lehrling wie so viele andere auch. Ein Glücksfall für Sven Albrecht! In der Folgezeit erkochte sich der junge Mann 1 F vom Feinschmecker, eineinhalb Bestecke vom Schlemmeratlas sowie 14 Punkte im Gault Millau. Das waren die Jahre, als er mit Mutter Heidrun im Landkreis Dahme-Spree das Haus am Dolgensee Ende der Neunziger bis 2001 betrieb. Im Büchlein „Gut essen rund um Berlin“ heißt es „Nirgendwo in Brandenburg wird feine regionale Küche so virtuos und vielfältig zelebriert wie in diesem kleinen Familienbetrieb ...“. Das mag ein sehr subjektiv gefärbter Eindruck sein, indes Sven Albrecht ist diesem, seinem Stil treu geblieben und offeriert den Gästen heute wie damals das, was aus der Region kommt, wo er die Lieferanten persönlich kennt. Im Gormann steht zwar auch ein „Hungerturm“ mit Berliner Spezialitäten wie Soleier, Rollmöpse, saure Gurken, Schmalzstulle, aber die Tageskarte bietet zum Beispiel eingemachtes Gänseklein mit frischen Bandnudeln und Raukepesto oder Gulasch vom Brandenburger Hirschkalb, Welsfilet vom Dolgensee und auch Rücken und Leber vom Müritz-Lamm. Das mögen die Gäste, deren Zahl von Monat zu Monat zunimmt, so dass Susann Grubba und Sven Albrecht, privat auch ein Paar, sehr optimistisch ins Jahr 2005 gegangen sind.


Kommentieren Drucken
Auch interessant

Jubiläum unter der Zugspitze

GRAINAU Das Gasthaus am Zierwald im Zugspitzdorf Grainau feiert sein 30-jähriges Bestehen. mehr...

Weitere Artikel aus Regional und Lokal vom 15.01.2005 :

Bayern: Jubiläum unter der Zugspitze (15.01.2005)
Bayern: Neue Aktivitäten kreieren (15.01.2005)
Nordrhein-Westfalen: Von Lippe nach Australien (15.01.2005)
Bayern: Bar und Pizzeria in einem (15.01.2005)
Nordrhein-Westfalen: Am Jakobustag gibt‘s „Hundertjährigen“ (15.01.2005)
Mecklenburg-Vorpommern: Gäste von morgen im Blickfeld (15.01.2005)
Brandenburg: Grenznahe Zusammenarbeit (15.01.2005)
Baden-Württemberg: Jürgen Köhler ausgezeichnet (15.01.2005)
Baden-Württemberg: Dank mit Seeteufel (15.01.2005)
Brandenburg: „Fläming-Königin“ wirbt für die Region (15.01.2005)

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel