Hamburg
Erst der Einkauf, dann ins Brauhaus
Hell, Weizen und Schwarzbier: Die Privatbrauerei Harburger Engelbräu spricht vor allem weibliche Gäste an
HAMBURG. Der Niedergang kam schleichend: „Brauhaus der Hanse“ wurde Hamburg einst genannt. Im16. Jahrhundert gab es in der Hansestadt rund 600 Brauereien. Heute sind es nur noch vier Braustätten, von denen drei Gasthausbrauereien sind.
Anleihe beim Malzkaffee
Die jüngste Brauerei befindet sich im Stadtteil Harburg am Lüneburger Tor. Günther Fügert braut in der Privatbrauerei Harburger Engelbräu regelmäßig drei Sorten Bier: Hell, Weizen und Schwarzbier. „Pils gibt es überall“, sagt der Braumeister, der früher20 Jahre lang bei der Bavaria Brauerei in Lohn und Brot stand.
Etwa 2000 Hektoliter Bier braut Fügert pro Jahr, von denen der größte Teil in dem Gasthaus mit 150 Plätzen ausgeschenkt wird. Im Sommerhalbjahr steht ein Biergarten mit 80 Sitzplätzen zur Verfügung. Für Bockbiere gibt es nach Angaben des Braumeisters in Harburg zu wenig Bedarf.1000 Liter beträgt ein Sud. Nur im Oktober braut Fügert ein besonderes Oktoberfestbier. Etwa 50 Prozent der Gäste in der Gasthausbrauerei sind Frauen. Beim weiblichen Geschlecht sei besonders das Schwarzbier gefragt. Fügert verwendet für seine Spezialität das gleiche Röstmalz, das früher für Malzkaffee verwendet wurde. „Viele Frauen haben vorher noch nie Bier getrunken“, fügt der Braumeister hinzu.
Der Name Harburger Engelbräu ist älter als das Brauhaus. Gastronom Konstantinos Englezos besaß Anfang der 1990er Jahre in der Schlossstraße das Lokal Goldener Engel mit einer Gasthausbrauerei. Der ehemalige Tischler arbeitet schon seit 40 Jahren in der Gastronomie und betreibt mit der Gasthausbrauerei sein 25. Lokal.
Vor der Privatbrauerei befand sich in dem Gebäude am Lüneburger Tor eine Gaststätte mit Bowlingbahn. Für den Umzug seiner Brauerei in die neue Location sei die Lage direkt an der Harburger Fußgängerzone entscheidend gewesen. Außerdem befindet sich gegenüber das Panorama Hotel Hamburg-Harburg. „Nach dem Besuch eines Musicals kommen viele Hotelgäste noch zu uns“, sagt Fügert.
Die Privatbrauerei versteht sich als Erlebnisgastronomie. „Bei uns wird nicht nur leise geredet“, sagt Fügert. Vor allem bei Feiern von Firmen und Vereinen fließe Bier in Strömen. Zu Veranstaltungen stellt Fügert den Gästen Partyfässer in Größen von 10 bis 20 Litern auf den Tisch: „Bis zu sechs Fässer gehen da manchmal weg.“
Passend ist das Speisenangebot aus Schlachtplatten, Leberkäs’ und Haxen. „Deftiges geht besonders gut“, sagt Fügert. Hauptgerichte kosten zwischen8 und 13,50 Euro. Für Gruppen gebe es Pauschalangebote. An sechs Tagen in der Woche bietet er auch einen Mittagstisch für 5,90 Euro an. Frühstück wird von montags bis freitags ab 8 Uhr angeboten. Sonntags gibt es von 10 bis 15 Uhr Brunch.
Das Lokal besteht aus zwei Ebenen, von denen der obere Teil der Nichtraucherbereich ist. An besonderen Tagen wie dem Tanz in den Mai legt ein Discjockey die passenden Platten auf. Fügert: „Bei uns feiern Jung und Alt zusammen.“ Helmut Heigert
