Nordrhein-Westfalen
Es regnet Sterne und hagelt Kritik
Einige Aufsteiger sehen in NRWdie beiden wichtigsten Gastro-Führer / Rüffel für Dieter Müller / Lob für Oberkellnerin
DÜSSELDORF. Die deutsche Gastronomie entwickelt sich dynamisch. Einige Bewegung belegen die Bewertungen der jetzt erschienenen Restaurantführer Guide Michelin und Gault Millau auch für Nordrhein-Westfalen. Gleich zwei Kölner sind aufgestiegen: Eric Menchon bekam den zweiten und Jens Dannenfeld seinen ersten Stern im Michelin. Herbert Brockel aus Erftstadt, Christian Penzhorn aus Düsseldorf, Frank Rosin aus Dorsten und Erhard Schäfer aus Köln kochen im neuen Gault Millau groß auf. Annekatrin Simon aus Paderborn wurde „Oberkellner des Jahres“ auf Bundesebene, während Starkoch Dieter Müller sich einen Rüffel holte.
Menüfolge geadelt
Zwei von neun 3-Sterne-Tempel befinden sich weiterhin im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach. Fünf der 15 2-Sterne-Adressen sind ebenfalls in NRW anzutreffen. Einer, der gleich Grund zur Freude hat, ist Eric Menchon. Der Küchenchef im Jugendstil-Bistro Le Moissonnier, geführt von Patron Vincent Moissonnier, bekam nicht nur den zweiten Stern verliehen. Mit sieben Gängen überzeugte der Franzose auch die Tester des Gault Millau, die die Speisenfolge in der aktuellen Ausgabe als „Menü des Jahres“ adeln. Herbert Brockel beeindruckte etwa durch „einen in Langostinotatar eingebackenen Kapernapfel auf Gurkenscheiben und Vanillecreme“. Christian Penzhorn präsentierte „gebratenes Tatar von der Langustine mit Pfeffermelone und Pata-negra-Schinken sowie Perlhuhn auf Rübstiel mit Portweinbutter und dreierlei Gemüseravioli“. Frank Rosin bot „verblüffend harmonierende Kombinationen wie getrüffeltes Sauerkrauteis mit getrocknetem Tiroler Bachsaibling“. Erhard Schäfer „adelte in Kölns letztem klassisch-französischem Nobelrestaurant gebratene Langustinen in leicht zitrussäuerlicher Pinienkernbutter durch höchste Qualität und perfekte Behandlung“. Das Quartett bekam vom Gault Millau 17 von 20 möglichen Punkten. Eine höhere Note verdienen laut dem Führer nur sieben Köche in NRW und weitere 30 im Rest der Republik.
Während die beiden Top-Häuser im Guide Michelin gleichermaßen mit drei Sternen ausgezeichnet wurden, führt die kulinarischen Hitparade des Gault Millau in NRW mit 19,5 Punkten Joachim Wissler vom Restaurant Vendôme im Grand Hotel Schloss Bensberg ganz allein an. Seine Bergisch Gladbacher Nachbarn Dieter Müller und Nils Henkel vom Hotel Schloss Lerbach wurden abgewertet. Neben „wahren Geschmackswundern und überragenden Leistungen (...) bot das Team auch „verhunzte warme Meeresfrüchtesülze in Form eines mikroskopisch kleinen, schwabbelig-schwärzlichen Etwas mit vagem Pulpogeschmack oder noch blutiges Lamm, das nach altem Hammel roch“. Müllers Dessert-Créateur Frédéric Guillon dagegen, wurde zum „Pâtissier des Jahres“ gekürt.
Überzeugende Authentizität
„In Deutschland gibt es zu wenig Kochkünstler, die einen eigenen Stil entwickeln und sich in einer Welt, die immer mehr ins Uniforme und Banale verfällt, von ihren Kollegen unterscheiden (…)“, stellte der Gault Millau der Meinung des Michelin entgegen.
Dass Authentizität überzeugt und als erfrischend anders empfunden wird, demonstriert die Ehrung der Paderbornerin Annekatrin Simon vom Restaurant Balthasar als „Oberkellner des Jahres“. Sie begrüße die Gäste herzlich, und unkompliziert wie Freunde des Hauses und präge einen Service, der nie distanziert, devot oder anbiedernd sei. Bianca Killmann
www.viamichelin.de
www.gaultmillau.de
