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Bekannt für ungewöhnliche Gerichte: Cristiano Rienzner Foto: Apelt

Berlin

Experimentierfreudige Küche

Molekular-Koch Rienzner serviert Magic Balloons und Fishermen‘s Friend-Kirsch im „Goldrot“ am Kurfürstendamm

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/23 vom 10. Juni 2006

BERLIN Mit einem gefühlten Plopp zerreißt der kleine Geleebeutel im Mund. Über die Zunge ergießt sich dezentes Earl-Grey-Aroma – der Magic Balloon ist Auftakt zu einem Menü der ganz anderen Sorte: gewagt, ausgefallen, flippig, delikat und vor allem molekular.

Zubereitet hat es der Berliner Nachwuchskoch 2006, Cristiano Rienzner. Seit kurzem experimentiert er nun an neuer Stelle: im „Goldrot“ am Kurfürstendamm 63-64. Das Restaurant liegt auf halbem Weg zwischen Holger Zurbrüggens „Balthazar“ und Tim Raues „44“. „Hier entsteht ein neuer Gourmet-Boulevard“, sagt der 35-jährige Rienzner, der stolz den Namen seines ehemaligen Lehrers, Ferran Adrià, auf dem Ärmel seiner Kochjacke trägt.

Eine Tradition in der Spitzengastronomie muss Rienzner dem Goldrot indes erst noch einhauchen. Seine Betreiber, die Brüder Volkmar und Harald Thieme (Gasthausbrauerei Zum Alten Fritz, Landhaus Villago im brandenburgischen Eggersdorf, Partylocation Wasserwerk, Kula Karma), hatten bereits im vergangenen Herbst durch einen Konzeptwechsel versucht, das große Restaurant im ehemaligen „Hollywood“-Kino zu beleben.

„Ich musste hier erst mal die Kühlschränke rausschmeißen und einiges in der Küche erneuern“, sagt der aus Südtirol stammende Rienzner. Denn bislang wurde im „Goldrot“ auf Fingerfood-Niveau gekocht.

Gemeinsam mit seinen Koch-Kollegen aus dem „Remake“ und einem Neuzugang bringt Rienzner jetzt nicht nur frischen Wind in Küche und Karte. Das Personal wurde ebenfalls weitgehend ausgetauscht. Außerdem hat Rienzner weitergehende Pläne.

Künftig sollen ähnlich wie im ehemaligen „Cookys Cream“ befreundete Techno-DJs Rienzners kulinarische Kreationen akustisch untermalen. Zuweilen wolle er auch selbst auflegen, so Rienzner, der Jahre lang als DJ auftrat. Außerdem solle nicht nur die Karte den Jahreszeiten angepasst, sondern auch das Restaurant je nach Saison optisch verändert werden. Darüber hinaus sollen Designer aus Berlin-Mitte passende Kellner-Outfits entwerfen. „Ich bin mit Mitte engverbunden und lebe dort“, sagt Rienzner. Er wünsche sich, dass das Remake zu einem Schaufenster, einer Art Außendependance des szenigen Ostberliner Stadtteils werde.

Kulinarisch knüpft Rienzner nicht nur an seinen Remake-Stil an, er will nun auch noch kreativer und experimenteller werden als bisher. Angekündigt ist ein Eis, das Stromschläge auf der Zunge erzeugt. Probierbar bereits: der flüssige Kuchen, der in flüssigem Stickstoff (rund minus 160 Grad) am Tisch angefroren und sofort gegessen werden muss, damit der „Knackeffekt“ der gefrorenen Hülle funktioniert. Experimentelles High-Light zum Abschluss ist die Creme Anglaise von Ingwer mit Fishermen's Friend, Lychee-Sorbet und Ananas-Krokant. Woher diese Idee kam? Dazu Rienzner: „Wir essen Fishermen's Friend-Kirsch immer in der Küche, um zwischen dem Abschmecken mal etwas anderes auf der Zunge zu haben.“

Katja Apelt

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