Berlin
Familie Richter – eine Institution
Unternehmerische Erfolgsstory: Das Spandauer Restaurant Kolk feiert das 20-jährige Bestehen / Regionale Küche
BERLIN. Vor 20 Jahren erwachte im ältesten Teil Spandaus das 1873 erbaute Spritzenhaus zu gastronomischen Leben. Klaus-Dieter Richter und seine Familie verwandelten das zuvor bereits als Gemüseladen, Fahrrad- und Radiogeschäft genutzte Gebäude in ein gemütlich eingerichtete Lokal.
Statt Gourmet-Ambitionen zelebriert der gelernte Koch aus Ostberlin am historischen Standort sehr erfolgreich deutsche Regionalküche. Die Basisrezepturen dafür stammen von den Hugenotten, Schlesiern und Ostpreußen. Neben dem Klassiker, gepökeltes Eisbein mit Sauerkraut, Erbsenpüree und Senf, punktet Richter mit Gerichten wie Himmelreich, Kutschergulasch und Königsberger Klopsen sowie Mohnpielen als Süßspeise, einer Mischung aus Milch, Mohn und eingeweichtem Brötchen. Saisonale Spezialitäten, knackige Salate und vegetarische Gerichte vervollständigen das vielfältige Angebot.
Flucht im Kofferraum
Begonnen hat Richter seine Unternehmerkarriere bereits drei Jahre zuvor mit der Eröffnung des Bistros Bonaparte. Danach übernahm er das Restaurant Kolk und machte es zum ersten Haus am Platz, mit einem beachtlichen Stammkundenanteil von 30 Prozent. Zum runden Geburtstag kamen fast 100 Gratulanten, um dem fest in Familienregie geführten Betrieb ihre Aufwartung zu machen. Im letzten Jahr gewann das Restaurant den Wettbewerb „The sunny side of berlin“ und wurde somit zur Location mit der schönsten Open-Air-Gastronomie der Hauptstadt gekürt.
„20 Jahre Mauerfall sind für uns auch 20 Jahre Kolk. Doch unser persönlicher Jahrestag ist nicht der 9. November 1989, sondern der 16. September 1976“, sagte Klaus-Dieter Richter. An diesem Tag gelangen ihm, seiner Frau Gaby und den Eltern die riskante Flucht über die Grenze im Kofferraum eines Diplomatenautos. Die Gastronomie liegt den Richters im Blut. Vater Hans-Jürgen war in der Markthalle am Alexanderplatz für die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch – so der offizielle Jargon – verantwortlich und hatte zudem den „Befähigungsnachweis zur Leitung einer sozialistischen Großgaststätte“. Materiell ging es ihm bestens. Er war clever und ließ keine Gelegenheit aus, um durch geschäftstüchtige Ideen an zugegebenermaßen viel Geld zu kommen. „Doch Freiheit war für mich immer das höchste Gut“, betonte der heute 68-Jährige.
Gute Ausbildung
Sohn Klaus-Dieter lernte im Ermeler-Haus, zu DDR-Zeiten ein Vorzeigerestaurant, den Kochberuf. Das sei eine solide Ausbildung gewesen. Vieles habe er dort gelernt, was ihm im jugendlichen Alter die Integration in das westliche System erleichtert habe, sagt er rückblickend. Auch Ehefrau Gaby kommt aus der Branche. Sie hat sich im nicht minder renommierten Ganymed ihre kulinarischen Kenntnisse angeeignet. Bis heute hält die Familie fest zusammen und managt gemeinsam das inzwischen eigene Lokal in der Oranienburger Vorstadt.
Vizepräsident im DEHOGA
Diese Unterstützung verschafft dem Lokalbetreiber den notwendigen Freiraum für seine zahlreichen Aktivitäten. Seit acht Jahren zeichnet Klaus-Dieter Richter als Vizepräsident des DEHOGA Berlin verantwortlich. Eigentlich ein unbezahlter Vollzeit-Job, denn die Branche muss an vielen Fronten kämpfen. Überbordende Bürokratieauflagen in Sachen Hygiene, Umweltschutz und Gestaltung der gastronomischen Außenbereiche stehen ebenso auf der Tagesordnung wie die Motivation der Verbandsmitglieder für werbewirksame Aktionen. Etwa den Wettbewerb um die schönsten Schankvorgärten und den alljährlichen Besuch der Deutschen Weinkönigin in Berlin sowie die Beteiligung am Kulinarischen Winterzauber.
Netzwerk aufgebaut
Auch im Stadtbezirk Spandau rührt Richter unverdrossen die Werbetrommel und initiierte eine Netzwerk von Geschäftsleuten, die sich die bessere touristische Vermarktung des Bezirkes auf ihre Fahnen geschrieben haben. Für publicityträchtige Öffentlichkeitsarbeit hat Klaus-Dieter Richter generell ein gutes Gespür. Das zeigt auch die gepflegte Homepage des Restaurants mit vielen Links zu Partnern.
Im Jubiläumsjahr profitieren die Nutzer der Webseite nicht nur von den tagesaktuellen Angeboten und Aktionen, sondern können sich an einem Gewinnspiel beteiligen. Jeden Monat wird ein Verzehrgutschein von 15 Euro verlost, was dem Lokal letztendlich erneut Gäste in Zeiten, die nicht unbedingt zum Geldausgeben verlocken, ins Haus bringt.
