Landgasthöfe – Was uns bewegt
Familie Rüsch schlägt sich tapfer
IHLIENWORTH. In der Elbe-Weserregion ist der Winter für Gastronomen eine harte Zeit. Die Touristen haben sich verabschiedet, und die einheimische Bevölkerung macht sich rar. Die Folge: Zahlreiche Gastronomen schließen ihre Betriebe. Geöffnet ist allenfalls an Fest- und Feiertagen.
„Da muss man sich schon etwas einfallen lassen“, sagte sich der engagierte Gastronom Peter Wilhelm Rüsch, Eigentümer des Landgasthofes Rüsch’s Sommergarten, der seit mehr als 100 Jahren in Familienbesitz ist. Und so begeistert er die Gäste aus Ihlienworth und Umgebung unter anderem mit kulinarischen Aktionen, wie „Fischbuffet“, Grünkohlessen, Wildgerichten und anderen regionalen Gaumenfreuden – sodann mit Lotto-Nachmittagen, Wettkegeln auf der hauseigenen Bundeskegelbahn. Auch plattdeutsche Theateraufführungen im großen Saal (bis 300 Personen) sind öfter angesagt und stets gut besucht. Dankbar ist der Gastwirt den Vereinen und der Feuerwehr, die ihm die Treue halten.
Familienfeste bringen Umsatz
Als gelernter Koch weiß Peter Wilhelm Rüsch, wie man seine Gäste verwöhnt. Das hat er in den Kurhausbetrieben in Bad Salzuflen und im Klosterkrug in Neukloster gelernt. Mit ihrer langjährigen Erfahrung als Köchin steht ihm Ehefrau Bettina zur Seite. Kurz über lang soll auch Tochter Stefaníe – die jüngste von zwei Töchtern – dazu kommen und vielleicht später den Sommergarten übernehmen. Ihre Kochalehre hat sie im Hotel Bösehof (Bad Bederkesa) mit Erfolg absolviert.
Alles in allem überzeugt Rüsch’s Sommergarten vor allem den Freund leckerer Gaumenfreuden. Auf der Karte findet der Gast Kreationen wie Schweinesteak im „Mandelrock“, Currygeschnetzeltes „Sansibar“ oder „Pute im Backteig“ – daneben Limandesfilet „Roter Sand“ (in Eihülle gewendete und in Butter gebratene Limandesfilets mit Tomatenscheiben und Sauce Bearnaise...) Empfehlenswert vor allem auch die geschmorte Rehkeule sowie der Wildteller „Waidmanns Art“ (Hirschmedaillons mit Nusskruste und Fasanenbrust im Speckmantel).
Durch kontinuierliche Modernisierung des Hauses sowohl innen als auch im Außenbereich hat Peter Wilhelm Rüsch seinen Sommergarten zu einem attraktiven und sich harmonisch in das Ortsbild Ihlienworths einfügenden Landgasthof erweitert. Neben der gemütlichen Gaststube mit seinem langen Tresen, punktet das Haus mit seiner hübschen Terrasse, einem Clubzimmer und vor allem mit dem großen Saal. In der warmen Jahreszeit immer heiß begehrt: ein schattiger Platz im großen, gepflegten Garten.
Das Ambiente des Gasthofes ist ländlich-urig und strahlt eine angenehme Atmosphäre aus. Es passt in die Region. Den Gästen gefällt es. Und darauf kommt es dem Gastwirt an.
Durchaus rentiert hat sich der Bau von vier kleinen Ferienappartements auf der anderen Straßenseite – gegenüber dem Gasthaus. „Vor allem Touristen und Kurzurlauber übernachten hier gern, ebenso Vertreter und Monteure, die in der Umgebung arbeiten“, sagt Peter Wilhelm Rüsch der AHGZ.
Offen gibt Rüsch zu, dass er jüngere Leute in seinem Haus vermisst. Auch Stammgäste sind selten geworden und damit auch Stammtische, die früher üblich waren und an denen geklönt oder auch Skat gespielt wurde. Selbst gekegelt wird im Sommergarten nicht mehr so häufig wie früher. Dafür haben aber Familienfeste zugenommen. Das reicht von Geburtstagspartys über Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten. „Gerade diese Familienfeiern sind meine wichtigste Einnahmequelle“, gesteht Peter Wilhelm Rüsch, der trotz aller wirtschaftlichen Engpässe seinen Familienbetrieb nicht aufgeben möchte und inzwischen sogar noch einen Außer-Haus-Service anbietet.
Schließlich noch eine ganz besondere Attraktion: Die Familie Rüsch besitzt ein Fahrgastschiff, das von Ostern bis Anfang Oktober auf dem nahegelegenen Flüsschen Medem zwischen Otterndorf und Ihlienworth hin und her schippert und den Gästen ein Erlebnis bietet. Zwei Stunden dauert die Fahrt durch eine zauberhafte Landschaft. 54 Plätze unter Deck und zwölf Freiplätze bietet das 17 Meter lange Schiff, das den Namen „Onkel Heinz“ führt.
Ausflugsfahrten gefallen
In Ihlienworth angekommen, wartet schon eine weitere Attraktion auf die Fahrgäste: der „Fliegende Sietländer“, ein ausgedienter Straßenbahnwagen, der mit Gummirädern ausgestattet wurde und von einem Traktor gezogen wird. Er bringt die Gäste vom Anleger Ihlienworth zu Rüsch’s Sommergarten, wo sie bereits erwartet werden. Nachmittags ist die Rückfahrt möglich – oder der Gast entscheidet sich für einen längeren Aufenthalt. Das ist schon eine tolle Werbung für „Rüsch’s Sommergarten“, die den Bekanntheitsgrad des Gasthofes steigert und sein Image aufpoliert, weiß der findige Gastronom sehr wohl. Heinz-Joachim Zinke

