Anzeige

Drangvolle Enge: Beim närrische Treiben rund um den Bodensee setzen sich alte Masken und Kostüme trefflich in Szene

© Aurelia Scherrer

Gastronomie

Fastnacht hält Region fest im Griff

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2011/9 vom 26. Februar 2011
von

KONSTANZ/ÜBERLINGEN/STOCKACH. Wenn die „Mäschgerle“ – so heißen im südbadischen Konstanz die Kostümierten – während der tollen Tage durch die Straßen ziehen, gibt’s nur zwei Möglichkeiten: Mitmachen oder das Feld räumen. Während Geschäfte, Firmen und Ämter teils ganztags geschlossen bleiben, öffnen viele Lokale schon frühmorgens. Hinzu kommen die Straßenstände von Vereinen und Zünften. Brauchtum als Plattform für Komatrinker?

„Hartgesottene Komatrinker wird man nicht ändern, aber wir haben keinerlei Probleme mit unseren Gästen“, sagt Manfred Hölzl, der Betreiber der Konstanzer Konzilgaststätten. Bei reinen Kinder- und Jugendveranstaltungen gibt’s grundsätzlich keinen Alkohol. Er richtet insgesamt 14 Veranstaltungen mit bis zu 1500 Personen pro EventInszenierte Veranstaltung in meist außergewöhnlicher Umgebung , die Gäste durch ihre emotionale Ansprache aktivieren soll.
weiter mit Mausklick...
im alten Konzilgebäude am Konstanzer Hafen aus. Das Flaggschiff der Veranstaltungen ist der Konstanzer Narrenspiegel, der live im Fernsehen übertragen wird. Hölzl nutzt die fünfte Jahreszeit, um wichtige Umsätze zu generieren. (Siehe auch Seite 28)

Innereien in schräger Optik

BL2# Wenn das Angebot stimme, bekomme man auch das Haus voll, sagt Hölzl. So stimmt er seine Karte auf das jeweilige Motto der Bühnenfasnacht ab. Heuer lautet das Motto „Der Dschungel tobt“ und die für Baden typischen Innereien-Gerichte werden im Konzil auch mal in schräger Optik serviert und aus Garnelen wird „Meeresgewürm“.

Dieter Wäschle, Eigentümer des Konstanzer Hotel Petershof und Vizepräsident vom DEHOGA
weiter mit Mausklick...
-Baden-Württemberg, war selbst 16 Jahre lang Narrenpräsident in Konstanz. Für ihn ist die schwäbisch-alemannische Fastnacht ein Publikumsmagnet und ein wichtiges Marketing-Instrument für die Bodensee-Region.

„Das ist Kultur und Brauchtum und hat mit Massenbesäufnis nichts zu tun“, so Wäschle. Gläser gehen bei ihm nicht außer Haus. Alkoholisierte kommen gar nicht erst rein. Er wünscht sich, dass Gastronomen und Vereine nicht wegschauen, sondern Verantwortung übernehmen und auf den einen oder anderen Euro verzichten, wenn das X-te alkoholhaltige Getränk dem Gast nicht mehr gut tut. „Wir haben viele Stammgäste, die extra wegen der Fastnacht nach Konstanz kommen“, verrät Wäschle. Zimmer und Tische im Petershof sind schon lange quasi ausgebucht. Und sein persönliches Highlight? „Wir haben am Schmotzige Dunschtig zwischen sechs Uhr früh und zwölf Uhr mittags rund 300 Gäste von Fanfarenzügen, Zünften und Vereinen hier“, freut er sich. Verpflegt werden sie auf KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
weiter mit Mausklick...
des Hauses.

Security im Einsatz

In Überlingen zählt Michael Jeckel zu den gastronomischen Urgesteinen. Von Heiterkeit auf Kommando, Kampfsaufen und Zerstörungswut kann er ein Lied singen. Als Betreiber der Krone und der angrenzenden Kultkneipe Galgenhölzle mitten in Überlingen, setzt er während der Fastnacht Security-Leute ein. „Wir haben hier gut 1200 Leute pro Tag, da geht schon einiges kaputt“, weiß Jeckel zu berichten. Darunter würden die engagierten Narren auch erheblich leiden. „Weil dann halt alle über einen Kamm geschoren werden“, ärgert er sich.

Bei der Para-Gastronomie sieht Jeckel Probleme, die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. Das sei rein logistisch gar nicht möglich. Wie wolle man Hygiene oder Brandschutz garantieren, wenn Hunderte Leute dicht gedrängt um einen kleinen Stand herumstünden? Von den Organisatoren wünscht er sich gleiche Regeln für alle. „Dann gibt’s auch keinen Stress“, sagt Jeckel.

In Stockach im Hegau ist der „Schmotzige Dunschtig“ der Tag der Tage. Vor dem „Hohen Grobgünstigen Narrengericht“ muss sich dann ein Politik-Promi verantworten. In diesem Jahr wird der Fraktions-Vorsitzende der SPD im Bundestag und ehemalige Außenminister Frank Walter Steinmeier vor die Schranken des Gerichts gezerrt. Gespeist wird nach der Veranstaltung bei Philipp Gassner im Goldenen Ochsen. „Früher haben wir immer Bälle veranstaltet“, erinnert sich der Patron. Heute seien gepflegte Abendessen bei den Gästen beliebter. „Wir haben immer nette Gäste und es ist immer ein lustiger Abend“, so Gassner. Alkohol-Exzesse hat es bei ihm noch nie gegeben. „Mit dem Angebot kann ich ja das Publikum steuern und so selbst bestimmen, wen ich als Gast haben möchte und wen nicht“, resümiert er. Und dies gelte für das ganze Jahr, nicht nur an Fastnacht.


ThemenalarmKommentierenDrucken

Weitere Artikel aus Regional und Lokal vom :

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige