Nordrhein-Westfalen
Flotter Dreier mit Hüftgold veredelt
Sommerzeit ist Eiszeit: Torsten Rasche von der Diele experimentiert gern im Eislabor / Neues wie Klassiker gefragt
DÜSSELDORF. Sie heißen „Saure Schärfe“, „Schwarzes Gold“, „Kalte Schnauze“ oder „Flotter Dreier“. Sie schmecken nach Müsli, Chili, Lakritz oder grünem Tee. Sie sind in der Vitrine übersichtlich ausgebreitet und können für 50 Cent mit „Streugut“ (Smarties, Krokant), für 60 Cent mit „Hüftgold“ (ordentlich Sahne) veredelt werden. Das alles hat sich Torsten Rasche ausgedacht. Seine Eis-Kreationen kommen im unkomplizierten Düsseldorfer Stadtteil Unterbilk hervorragend an – bei Studenten, jungen Paaren, Müttern mit Kindern und älteren Menschen.
Eiswetter im Mai
Das winzige, originell konzipierte Eis-Paradies hat drinnen nur vier Sitzplätze. Draußen sind es gerade mal zwölf. Weiter ausbreiten kann sich der junge Unternehmer nicht, der seine „Diele – Die Eismacher“ im Juni 2008 eröffnete. „Mitten im schlechten Sommer“, sagt er, „ich hatte mir das leichter vorgestellt.“ In den Wintermonaten pausierte er. „Auch das war nicht einfach. Optimal wäre ein ganzjähriger Betrieb, was bei der Größe des Ladens aber problematisch ist.“ Die kurze Zeit reichte immerhin, um Torsten Rasche in seinem Viertel – und darüber hinaus – bekannt zu machen. Der Neustart im Frühjahr 2009 verlief vielversprechend, weil im April und Mai freundliches Eiswetter herrschte. „Und jetzt bin ich neugierig auf die erste komplette Saison.“
Rasche ist ein Quereinsteiger, der nach seinem BWL-Studium zunächst in der Modebranche arbeitete. „Die Affinität zur Gastronomie war früher schon da“, erzählt Torsten Rasche, „und weil jeder BWL-Student irgendwann von der Selbstständigkeit träumt, kam ich eines Tages auf die Idee mit der Eisdiele. Warum genau, kann ich gar nicht sagen.“ Das Internet, Bücher, Messebesuche, der Austausch mit renommierten Eismachern – alles trug dazu bei, ihm die nötigen Kenntnisse zu verschaffen.
Sein Konzept fällt aus dem Rahmen: Torsten Rasche hat zwar 60 Sorten Eis in petto, bietet aber immer nur bis zu 15 pro Tag an. „Es passiert nie, dass jemand enttäuscht von dannen zieht“, hat er beobachtet, „fast jeder probiert gern etwas Neues aus.“ Morgens werkelt Torsten Rasche in seinem Eislabor hinter dem Laden. „Ein Vorteil meines Konzeptes liegt in seiner Flexibilität. Ich kaufe frische Früchte nach Marktlage, reagiere kurzfristig auf das Wetter. Bei Hitze mache ich mehr Sorbets. Bei mir gibt es auch immer eine Sorte für Diabetiker oder Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit.“ Eine Brücke zur Mode lässt sich an der Wandtafel erkennen. Becher und Hörnchen sind in Größen eingeteilt, die man von der Bekleidung kennt, angefangen bei XS für 1 Euro bis XXL für 4 Euro.
Wenn sein Geschäft, das Torsten Rasche momentan mit einer Aushilfe betreibt, sich gut entwickelt, will er ein zweites oder drittes in Düsseldorf eröffnen: „Die Kapazität gäbe das her.“ Langfristig träumt er von einem Franchise-Plan. Darum hat er seine Schlemmer-Oase auch zielgerichtet im Plural „Diele – Die Eismacher“ genannt. Bei allem Variantenreichtum: Der Geschmack der Eis-Esser bleibt eher traditionell. „Die reichhaltigen Sorten mit Müsli, Schokolade oder Käsekuchen-Erdbeere laufen sehr gut“, sagt Rasche. „Ebenso mein Vanille-Eis. Es wird aus echten Schoten gemacht und schmeckt nach Kindheit.“
Madagaskar bis Brasil
Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch Franco Moscetti vom Eiscafé Panciera. Seit 25 Jahren ist er in Köln-Brück, weit weg von der Innenstadt, Garant für feines Speiseeis. „Schokolade, Vanille und Erdbeere gehen am besten, im Hochsommer auch Apfel und Zitrone“, sagt er. „Ich bin ein traditioneller italienischer Eismann und so verhalten sich auch meine Kunden. Wenn ich meine 25 Sorten nicht beibehalte, sind sie mir böse.“
Der Sarde Christian Fanni vom Aachener Del Negro offeriert außer Klassikern wie Schokolade, Vanille oder Straciatella immer wieder neue Sorten. Die Kunden ziehen mit, bestellen Cookies-Eis, das ist Schokolade mit Keksgeschmack, und lassen sich gern von Eiskreationen wie Madagaskar oder Brasil verführen. Dahinter verstecken sich Kombinationen aus Vanille-Maracuja und Vanille-Pistazie-Kekse.
(Seite 27)
