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Anziehend: Der Markt vor dem Freiburger Münster (Foto: TMBW)

Tourismus

Freiburg spürt die Krise kaum

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/6 vom 6. Februar 2010
von

. Stuttgart hat es erwischt, Heidelberg steht auch nicht viel besser da. Und auch in Baden-Baden gingen im vorigen Jahr die Gästeankünfte zurück. Von den Städten in Baden-Württemberg scheint Freiburg im Breisgau zu den wenigen zu gehören, die im vorigen Krisenjahr noch mit einem blauen Auge davongekommen sind. So zumindest die offizielle Leseart.

Der Anstieg bei den betrug im vergangenen Jahr mehr als 2 Prozent – das klingt nicht viel, sei aber, so Bernd Dallmann, Geschäftsführer von Freiburgs Wirtschaftsförderungs-, Tourismus- und Messegesellschaft (FWTM), „besonders bemerkenswert“. Denn landesweit sind die Gästezahlen 2009 im Schnitt um 4 Prozent zurückgegangen. „Stuttgart musste 9 Prozent, Heidelberg sogar 11 Prozent Rückgang verkraften, wohingegen Freiburg mit 1,2 Mio. Übernachtungen den Vorjahresrekord knackte,“ so Dallmann. Auch in Sachen Kongresse war das vorige Jahr aus seiner Sicht „überdurchschnittlich gut“.

Während anderswo das Kongresswesen dramatische Einbrüche verkraften musste, verzeichnete Freiburg ein dickes Plus: Statt 104 Veranstaltungen fanden allein im stadteigenen Konzerthaus 168 Kongresse statt. Die Stadt profitiere in Krisenzeiten von ihrem Profil als Wissenschafts- und Dienstleistungsstandort, sagt Dallmann: „Anders als Industriebetriebe sind Dienstleistungsunternehmen und Forschungseinrichtungen nicht im gleichen Maße von der Konjunktur abhängig.“

Großes Glück

Ähnlich sehen das auch Freiburger Hoteliers: „Freiburg hat großes Glück, dass es von dieser Krise nicht viel mitbekommen hat“, sagt Roland Burtsche, Eigentümer und Betreiber des Colombi Hotels. Obwohl sein Haus entgegen dem Trend einen leichten Rückgang der Übernachtungszahlen verbuchte, zeigt sich Burtsche zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr: Der boomende Freiburg-Tourismus habe den Hotels Einbrüche wie in anderen Städten erspart.

Und dort, wo ausbleibende Geschäftskunden dennoch für einen Einbruch gesorgt haben wie etwa im Hotel Victoria, hat man die Zeit für umfassende Sanierungen genutzt, wie Eigentümerin Astrid Späth betont, und sieht sich jetzt gut aufgestellt: Künftig wolle man sich zudem mehr auf Städtereisende konzentrieren und das Geschäft mit den Firmenkunden im Verhältnis dazu etwas zurückschrauben. „Das vergangene Jahr war für unsere Verhältnisse ein Debakel. Auch andere Hotels hatten einen Rückgang von 4 bis 8 Prozent“, sagt Späth. Allerdings, so schränkt sie ein: „Hier läuft es tatsächlich gut im Vergleich zu anderen Großstädten. Doch darauf darf man sich nicht ausruhen.“

Während Freiburgs Wirtschafts- und Tourismusförderer Dallmann die Stadt gut aufgestellt sieht, findet auch Hotelier Burtsche: „Wir müssen mehr tun, um den Markt zu halten und ihn auszubauen.“ Jetzt gehe es der Stadt vielleicht noch gut, aber langfristig müsse man sich schon Gedanken um den Standort machen. Insbesondere beim Kongressgeschäft könnten sich die Freiburger Kapazitäten langfristig als zu klein erweisen – trotz des nur wenige Jahre zurückliegenden Ausbaus der Neuen Messe. Burtsche verweist auf den Europa-Park in Rust, der gerade einmal 30 Kilometer von Freiburg entfernt liegt: „Wir können hier keine großen Kongresse mit 2500 Teilnehmern durchziehen, wie es der Europa-Park kann.“ Freiburg müsse sich darauf konzentrieren, Kongresse mit einer überschaubaren Anzahl von Gästen anzulocken.

Mehr als 1000 Kongresse finden pro Jahr im Europa-Park statt. Die zum Deutschlands größtem Freizeitpark gehörenden vier Hotels konnten im vorigen Jahr 500.000 Übernachtungen verzeichnen und damit knapp halb so viel wie alle 65 Freiburger Hotels zusammen. Kürzlich konnte man in der Freiburger Presse nachlesen, dass Freiburgs Hoteliers darüber klagen würden, der Europa-Park jage ihnen Kongresse und damit Gäste ab. Das stimmt nur bedingt: Im touristischen Sektor profitiere Freiburg sogar vom Europa-Park, sagt Astrid Späth, die auch stellvertretende Vorsitzende des örtlichen DEHOGA-Kreisverbandes ist. „Wir haben viele Gäste, die hierher kommen, weil sie nach Rust wollen und weil sie nach Freiburg wollen. Der Europa-Park ist ein Publikumsmagnet, der auch uns Übernachtungen beschert.“ Allerdings sei Rust ein sehr ernster Mitbewerber auf dem Tagungsmarkt. Die Stadt Freiburg habe es „leider verschlafen, etwas Anständiges anzubieten.“ Eine professionelle Tagungsbetreuung wie in Rust gebe es in Freiburg nicht.

FWTM-Chef Dallmann betont hingegen, dass den Freiburger Hoteliers die Einrichtungen für Kongresse von der Stadt erstellt wurden und nicht, wie vom Europa-Park, von ihnen selbst erbaut werden mussten. „Wir haben ein hervorragendes Verhältnis mit den Hotels in Freiburg, nur durch engagierte Hoteliers kriegt man diese überragenden Übernachtungszahlen hin. Aber man muss auch mal fragen, wie weit die Unterstützung der öffentlichen Hand für das Hotelgewerbe noch gehen soll.“

Marketingabgabe denkbar

„So viele Städte haben tolle Konzepte“, sagt Astrid Späth. „Nur in Freiburg fehlt ein großer Wurf.“ Das könnte etwa ein kostenloses Busticket für Gäste sein. Hoteliers in Freiburg hätten unter dem Dach des DEHOGA inzwischen eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich um eine bessere Vermarktung kümmern will, „weil es sonst keiner mehr macht.“

Das Ziel: „Wir wollen mehr Kongresse und Messen nach Freiburg bekommen.“ Um ein besseres Marketing zu finanzieren, sei eine Marketingabgabe pro Übernachtung denkbar, so Späth. Ähnliche Überlegungen stellt übrigens auch Bernd Dallmann an: „In Freiburg gibt es keine Kurtaxe, keine Fremdenverkehrsabgabe und keine sonstige Beteiligung der Hoteliers am Marketing. Wenn wir einen Euro pro Übernachtung bekommen würden, dann wäre das schon eine ganz große Sache.“

www.fwtm.freiburg.de

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