Gastronomie
Frischer Wind im Geberts
MAINZ. Fast 30 Jahre trennen den Alten vom Jungen, Wolfgang von Frank Gebert. Geberts Weinstuben ist das Restaurant, in dem die beiden Köche arbeiten. Vater und Sohn, der den Betrieb in der Mainzer Frauenlobstraße inzwischen übernommen hat. Statt des 61-jährigen Seniors hat jetzt der
32-jährige Junior die Zügel in der Hand. „Vom Kochen her“, erzählt Frank, „waren wir uns eigentlich immer einig. Auch mein Vater war und ist Profi.“
Wolfgang Gebert hatte sein Handwerk im Mainzer Hof gelernt, einst eine der ersten Mainzer Gastro-Adressen. Sohn Frank absolvierte seine Lehrzeit im Mainzer Hotel-Restaurant Favorite, mehrte sein Wissen im Schwarzwald-Hotel Bareiss, im Mainzer Hyatt, im Deidesheimer Hof in der Pfalz und im Londoner Gastro-Tempel 1 Lombart Street. Seine praktischen Erfahrungen krönte er schließlich in Koblenz mit der Ausbildung zum Gastronomie-Betriebswirt.
Zwei Denkweisen
Unterschiedliche Biografien sind das, die auch unterschiedliche Einstellungen deutlich machen. Vater Wolfgang fühlt sich bis heute in der Küche am wohlsten, Sohn Frank dagegen begreift sich als kundenorientierter Allrounder – als Gastronom, der den Kontakt zum Gast nicht scheut. Als Frank Gebert nach seinen gastronomischen Wanderjahren 2004 in den elterlichen Betrieb zurückkehrte, signalisierten ihm die Eltern, daß er den Betrieb übernehmen könnte. Damit war das Ziel klar, nur noch nicht der Termin.
„Existenzübergaben muß man als Strecke begreifen“, erläutert Frank den Prozess. „Da darf man an der ersten Kurve auf keinen Fall verzweifeln!“ Auch bei den Geberts war die Betriebsübergabe nicht einfach. Sohn Frank war klar, dass der elterliche Betrieb im Wettbewerb nur mit einem Facelifting überleben konnte. Die Speisekarte wurde neu geschrieben, die Öffnungszeiten geändert und die Möbel ausgewechselt. Vater Wolfgang waren die Butzenscheiben der alten Weinstube, die jeden Blick nach drinnen verstellten, ans Herz gewachsen. Sohn Frank dagegen wollte das Haus nach außen öffnen. Zwei Denkweisen prallten da aufeinander, die eine Innenarchitektin schließlich zusammenführte.
Heute fühlen sich beide im neuen Haus wohl. Sohn Frank haben die Meinungsunterschiede aber klar gemacht, dass es oft nur Nuancen sind, die Alt und Jung streiten lassen. Das aber darf Neugründer nicht entmutigen. „Ausgetretene Pfade“, gibt er allen Existenzgründern mit auf den Weg, „sind selten erfolgreich“. „Der hat frischen Wind in den Betrieb gebracht“, umschreibt der Vater die Neuerungen, die sein Sohn inzwischen eingeführt hat – etwa die Veranstaltungsreihe „Wein & Wunder“, bei der einmal monatlich die Gäste ein „Fest für Körper und Geist“ genießen können.
Zu viel Bürokratie, klagen die Geberts, sei inzwischen mit Betriebsübergaben verbunden. So mußte der Sohn alle Geschäftskonten des Vaters auflösen und neue anlegen: bei Banken, Ämtern und allen Kunden. „Nur die Fleischerinnung hat einfach Wolfgang durchgestrichen und dafür Frank hingeschrieben!“ Da Vater Wolfgang erst einmal noch weiter im Betrieb mitwirkt, musste Sohn Frank betriebswirtschaftlich eine neue Stelle schaffen. „Das geht nur mit mehr Umsatz.“
Auslastung gesteigert
So wurde das Sitzplatzangebot um insgesamt zwölf Plätze erweitert, neue Tische angeschafft und damit die Auslastung gesteigert. Und auch für Tochter und Schwester wurde im Service eine neue Stelle geschaffen. Hinzu kommen zwei Auszubildende, die das Team um Mutter Marianne vervollständigen. Dieser Tage wird die gar Oma. Sohn Frank, plaudert Vater Wolfgang stolz aus dem Nähkästchen, wird Vater. Zumindest theoretisch ist damit die nächste Betriebsübergabe garantiert.
www.geberts-weinstuben.de
