Bayern
Garantie für Gastlichkeit
Neues Zertifikat soll Qualität bayerischer Betriebe bestätigen / Gallus: „Politik muss mehr tun“
MÜNCHEN. Betriebe des Gastgewerbes können sich nun offiziell bestätigen lassen, dass sie ihren Gästen Qualität bieten. Am Tag des bayerischen Gastgewerbes hat der Bayerische Hotel und Gaststättenverband (BHG) die neue Marke ServiceQualität Bayern vorgestellt. Das Siegel soll künftig an Türen bayerischer Betriebe hängen. „Als Tourismusland Nummer eins in Deutschland will und muss Bayern die Qualität ausbauen, appellierte BHG-Präsident Siegfried Gallus an 1200 Zuhörer aus dem Gastgewerbe, die zur Veranstaltung im ICM der Neuen Messe München gekommen waren.
Neutrale Prüfstelle
Das Qualitätssiegel soll das Gegenteil von dem beweisen, was eine Studie bayerischen Betrieben zur Last legt: Qualitätsmangel in Hotels und Pensionen aufgrund eines jahrelangen Investitionsstaus (AHGZ vom 12. Januar 2008). Die Zertifizierung können Hotels und Gasthöfe, Pensionen, Kur- und Bäderbetriebe, Tourismus- und Freizeiteinrichtungen sowie touristische Dienstleistungsunternehmen beantragen. Ein „neutrale Prüfstelle“ checkt die Qualitätsentwicklung eines Betriebs und dessen Service. Voraussetzung für die Teilnahme: Ein Mitarbeiter muss sich in einem Seminar (1,5 Tage) zum Qualitätscoach ausbilden lassen. Die Bayerische Regierung hat mit 500.000 Euro zur Realisierung beigetragen.
Um den Investitionsstau nachhaltig beheben, muss laut Siegfried Gallus der reduzierte Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie „endlich kommen“. 1,42 Mrd. Euro könne die Branche dann reinvestieren. Steigende Energiekosten, Gebühren und Wettbewerbsnachteile gebenüber Österreich und Schweiz belasteten stark genug.
Wirtschafts- und Tourismusministerin Emilia Müller und Ministerpräsident Günther Beckstein (beide CSU) zeigten sich gesprächsbereit. Sie verdeutlichten jedoch, dass sich „allzuschnell nichts bewegen kann“. Erst müsse klar sein, wie die verlorenen Steuereinnahmem kompensiert würden. Die Politiker würdigten das Gastgewerbe jedoch als „wichtigen Jobmotor“ mit seinen 320.000 Beschäftigten und 16.200 Auszubildenden. Beckstein wies auf das Förderprogramm der Regierung hin: „Die Branche kann 2008 auf Fördergelder von 300 Mio. Euro zurückgreifen. Sie sind noch nicht ausgeschöpft.“ In Sachen Jugendarbeitsschutz signalisierte Beckstein Bewegung. Seiner Meinung nach ist das Gesetz „überholt und nicht mehr zeitgemäß“. Er hält es für überflüssig, eine auf zwei Jahre angesetzte Studie abzuwarten. Im Gegenteil: „Hier kann man sofort rangehen.“
Beim Rauchverbot will Beckstein keine Zugeständnisse machen. Er betonte in seiner Rede: In keinem Land Europas werde soviel Wirbel um das Gesetz gemacht wie in Deutschland. Für eine Neuregelung der GEZ-Gebühren sieht er „bis 2009 wenig Chancen“. Die Forderung nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz und weitere branchenpolitische Brennpunkte waren Thema der Podiumsdiskussion mit Joachim Hunold (Air Berlin), Andre Witschi (Steigenberger), Ministerin Emilia Müller und Siegfried Gallus (Seite 4). Alexandra Lindinger

