Bayern
Gebetsraum und arabische Gerichte
Münchens Hotellerie profitiert im Sommer von zahlungskräftigen Gästen aus Fernost / Sie erwarten exklusiven Service
MÜNCHEN. Im ersten Halbjahr 2008 kamen 17.981 Gäste aus den arabischen Golfstaaten Katar, Dubai, Bahrain, Oman und Saudi-Arabien nach München – das sind 10,5 Prozent mehr als im Vorjahr zu dieser Zeit. Die Gründe für die Beliebtheit sind laut Fremdenverkehrschefin Gabriele Weishäupl vielfältig: „Deutschland und vor allem München gelten als sehr sicher.“
Zahlungskräftige Araber schätzen in München zudem die Dichte der Uni- und Spezial-Kliniken, um sich behandeln zu lassen. Und nicht zuletzt die Luxus-Einkaufsmöglichkeiten. In der Hauptreisezeit im Juli und August kommen fast zwei Drittel der München-Besucher aus den arabischen Ländern. Rund 253.000 Übernachtungen aus arabischen Staaten werden pro Jahr gezählt, davon etwa 170.000 im Juli und August. Etwa 1250 Euro pro Tag beträgt das Budget eines arabischen Touristen: 45 Prozent davon gibt er für Shopping aus, der Rest kommt Hoteliers und Gastronomen zugute.
4- und 5-Sterne-Hotels sind auf die Bedürfnisse dieser Gäste bestens vorbereitet: Denn bis zu 25 Prozent ihrer Sommergäste kommen bereits aus Fernost. „Arabische Gäste wollen Sicherheit und hilfsbereiten Service“, weiß Milan Arandelovic, neuer General Manager der Münchner Hilton-Hotels. „Room-Service und Housekeeping werden auch spät abends oder nachts benötigt. Wir haben unsere Servicezeiten angepasst. Häufig reisen große Familien an, so dass Zimmer mit Verbindungstüren gebraucht werden. Als besonderen Service gibt es bei Hilton ein Shisha-Café. Dort werden arabische Speisen und Wasserpfeifen angeboten.
Außerdem gibt es in den Sommermonaten im Hilton Munich Park einen Arabic Guest Relations Manager, der sowohl hocharabisch als auch verschiedene Dialekte spricht und sich speziell um die Wünsche der arabischen Gäste kümmert. Übers Jahr 2007 gesehen, brachten die Arabischen Gäste im Hilton Munich Park etwa 4,2 Prozent des total House Income.
Auch im 5-Sterne-Haus Mandarin Oriental achtet General Manager Lars Wagner vor allem auf Diskretion: „Die Hotelzimmer der weiblichen arabischen Gäste werden lediglich von weiblichen Mitarbeitern betreut.“ Zudem offeriert das Mandarin Oriental ein Arabisches „se up“: Es beinhaltet einen Gebetsteppich und einen Kompass und auf Wunsch auch einen Koran. Die Gäste schätzten besonders die Nähe zur Nobel-Einkaufsmeile Maximilianstraße.
Im The Charles Hotel Rocco stammen in den Sommermonaten etwa 80 Prozent der Gäste aus arabischen Ländern. „Wir bieten einen separaten Gebetsraum, Gebetsteppiche und spezielle Öffnungszeiten für den Spa an“, sagt Hotel-Direktor Frank Heller. Er trainiere seine Mitarbeiter auf spezielle Umgangsformen. Gut angenommen würden auch die organisierten Shopping-Touren außerhalb der Laden-Öffnungszeiten in Nobel-Boutiquen.
„Viele unserer Stammgäste stammen aus den arabischen Staaten“, bestätigt auch Michaela Rosien, PR-Managerin vom ArabellaSheraton Grand Hotel in München. Room-Service-Karten lässt sie ins Arabische übersetzen. „Unser libanisischer Koch kennt sich mit den speziellen Gerichten aus.“ Das Küchenpersonal spricht teilweise ebenfalls arabisch. Im Wellnessbereich offeriert das 5-Sterne Haus für die arabischen Frauen jeden Dienstag eine Stunde Damenschwimmen, das gut besucht ist. Zudem gibt es auch dort einen Gebetsraum und ein spezielles Kinderspielzimmer.
