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Der Spagat zwischen Geschichte und Moderne ist gelungen: Achim Fiolka (l.) und Innenarchitekt Heinrich Martin Bruns Foto: Marx

Nordrhein-Westfalen

Gotteshaus wird Gasthaus

Achim Fiolka zieht positive Bilanz / Gastronomisches Ganztageskonzept in einer Kirche sorgt bei Gästen für wohlige Gänsehaut

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/12 vom 25. März 2006
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BIELEFELD Immer für eine Überraschung gut ist Achim Fiolka. Sein jüngster Coup ist das Gastronomieobjekt in der ehemaligen Martini-Kirche. Knapp vier Monate nach der Eröffnung von „Glückundseligkeit“ zieht der Gastronom jetzt zufrieden Bilanz: „Ich habe in 28 Jahren Gastronomie vieles probiert, aber noch nie geschafft, dass Gäste auf mich zukommen und sagen: hier bekomme ich eine Gänsehaut.“

„Für mich war es vor allem wichtig, eine Nische zu finden und nicht die eigenen Läden zu kannibalisieren“, so Fiolka, der in Bielefeld außerdem das „Bernstein“, das mediterran ausgerichtete „Al Dente“ und das mexikanische Konzept „Peppers“ betreibt. Fiolka wollte vor allem auch die wachsende Zielgruppe der Gäste um die 50 ansprechen, die oft nicht mehr ausgehen, weil sie keine passenden Konzepte in der Gastronomie finden (siehe Seite 2).

„Ich bin 46, habe früher mehr Party-Kneipen gemacht und gehe jetzt von meinen heutigen Ansprüchen aus. Ich will mehr Service, habe mehr Anspruch an Getränke und Essen. Und Wellness! Auf Rückenschmerzen habe ich keine Lust.“

Trotz des Kinderbereiches, den der zweifache Vater einrichtete, sprach sein Konzept auf Anhieb überdurchschnittlich viele ältere Gäste an. Das mag auch an der behutsamen Art und Weise liegen, mit der Fiolka und sein Innenarchitekt Heinrich Martins Bruns den Umbau des Kirchenschiffs bewerkstelligten.

Herausgekommen ist ein Bar-Lounge-Restaurant-Allrounder, der der Geschichte des Ortes gerecht wird. „Wir wollten kein Kontrastprogramm wie die Lime-Light-Kirche in New York. Es gab Proteste wegen der Umwandlung der Kirche und da wollte ich nicht Öl ins Feuer gießen. Jeder Ort hat außerdem seinen Zweck und man spürt, was reinpasst. Die Mystik des Raumes hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen.“

Die besondere Kirchen-Atmosphäre wurde von Fiolka und Bruns durch die Einrichtung in warmen Grautönen, kombiniert mit Rot und Gold, aufgegriffen und durch ein Beleuchtungskonzept unterstützt. Auch das stimmungsvolle, eigens für dieses Objekt entwickelte Musikprogramm unterstreicht das Raumerlebnis. Fiolka freut sich, dass auch die einstigen Gegner der Restaurantpläne nun in „Glückundseligkeit“ einkehren. Respekt vor dem Ort und seiner Geschichte machten die Namensfindung aus über 60 Vorschlägen langwierig. „Mit diesem Namen signalisieren wir, dass jeder willkommen ist, und wir jedem Gast, fern des hektischen Alltags kleine Momente des Glücks bieten wollen.“

Dafür sorgt morgens ab 9 Uhr das Team mit 30 Festangestellten und 30 Aushilfen unter der Leitung von Juliane Holdt. Es gibt eine sehr umfangreiche Frühstückskarte und zwei verschiedene Speisekarten für den Restaurantbereich und das Bistro im Hauptschiff. Jörg Krölls bringt Erfahrungen aus der Hotellerie und als Ex-Chef-de-partie beim 3-Sterne-Koch Dieter Müller mit. Er bereitet eine aufregende Mischung aus asiatischen und mediterranen Gerichten zu. Aus dem Steinofen kommen Pizzas und andere Ofengerichte.

Demnächst sollen die Gäste auch im Freien glücklich und selig werden. „Ich hoffe, dass ich mit der Außengastronomie dem Erlebnis Kirche etwas entgegenhalten kann“, so Fiolka. Den Zusatzumwachs könnte er wohl gut gebrauchen. Der noch andauernde, harte Winter hat die Energiekosten für die alte Kirche deutlich in die Höhe getrieben. „Entgegen meiner Erwartung lagen aber auch die Umsätze höher.“

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