Baden-Württemberg
Green-Hotel wird noch grüner
Freiburger Hotel Victoria investiert 2,7 Millionen Euro in ökologische Stromproduktion / Umweltkonzept lockt Besucher
FREIBURG. Als Astrid und Bertram Späth damit begannen, ihr Hotel Victoria in Freiburg ökologisch umzurüsten, dachten die meisten Menschen beim Wort Öko-Tourismus noch an karge Zimmer auf dem Biobauernhof: Grün, aber ungemütlich. „1985 haben wir mit einem verpackungsfreien Frühstücksbuffet angefangen“, sagt Astrid Späth. Heute kommen Journalisten und Besucher aus aller Welt in das Freiburger Best Western Victoria, um sich das Umweltkonzept des Hauses vorführen zu lassen. Und merken dann, dass sich Komfort und Umweltschutz nicht ausschließen.
Jetzt hat das jahrelange Umweltengagement eine Krone bekommen, im Wortsinn: Auf dem Dach des 4-Sterne-Hauses ist ein Energiegarten entstanden, mit vier Windturbinen und einer großen Solarmodulfläche zusätzlich zu den dort bereits bestehenden Modulen. Das Dach ist begehbar, auch um den Gästen die ökologische Stromproduktion sinnlich begreifbar zu machen, wie Bertram Späth erklärt: „Andere bauen goldene Türgriffe ein, wir eben vier Windturbinen.“ Mit dem Unterschied aber, dass der Energie-Dachgarten jedes Jahr rund 20.000 Kilowattstunden Solar- und Windstrom erzeugt, eine Menge, die ausreicht, um alle Zimmer mit Strom zu versorgen. Den restlichen Strombedarf bezieht das Hotel den Zukauf von Ökostrom und seine Beteiligung an einem Windpark.
Wärmedämmung angebracht
Zusätzlich wurden 30 der insgesamt 67 Zimmer des Hauses nach Passivhausstandard renoviert, sechs komplett neue Zimmer kamen hinzu, außerdem ein Sauna- und Wellnessbereich. Zwei der drei Hotelgebäude sind jetzt mit einer 24 Zentimeter dicken Wärmedämmung versehen, dank der Klimaanlage müssen die Gäste nicht mehr lüften: „Dadurch sinkt der Wärmeenergiebedarf um 66 Prozent“, sagt Bertram Späth. Kostenpunkt für die gesamte Investition: 2,7 Mio. Euro. „Wir schauen ständig, wo man Energie einsparen kann, ohne dass die Gäste einen Komfortverlust haben“, sagt der engagierte Hotelier.
Für den Umbau kam dem Ehepaar die Wirtschaftskrise und deren Folgen für die Hotellerie zupass. „Eigentlich war das letzte Jahr für unsere Verhältnisse verheerend“, sagt Astrid Späth. Man habe stark mit Firmen kooperiert, die im Zuge der Krise ins Straucheln geraten sind: „Plötzlich haben uns 2500 Übernachtungen gefehlt.“ Das allerdings war, so paradox es klingen mag, ein Vorteil: „Wenn man ein volles Haus hat, kann man natürlich nicht umbauen.“
Jetzt erhoffen die Eigentümer, vermehrt Städtereisende in ihr emissionsfreies Innenstadt-Hotel zu locken, um den Einbruch bei den Geschäftsreisenden zu kompensieren. Jetzt schon checken etwa 10 Prozent der jährlich 20.000 Gäste aus „ökologischen Gründen“ im Hotel Victoria ein.
AufwandDer Einsatz oder die zu erbringende Leistung, um einen bestimmten Nutzen zu erzielen .
weiter mit Mausklick... rechnet sich
Bereits im Jahr 2000 wurde das Pionierhotel als das „umweltfreundlichste Privathotel der Welt“ ausgezeichnet. Zwei Jahre darauf wurde die Ölheizung durch eine Holzpellets-Heizung ersetzt, eine erste Solaranlage auf dem Dach folgte, zudem sind sämtliche Fenster wärmegedämmt und der Müll wird nach einem ausgeklügelten Recyclingverfahren getrennt. Stromsparlampen gibt es im Hotel Victoria schon lange – und nicht erst, seit die herkömmlichen Glühbirnen verboten worden sind. Für die Späths ist Umweltschutz zuerst eine Frage der Überzeugung, aber dann auch eine des Geldbeutels. „Die Lebensmittel werden teurer, ebenso die Lohnkosten. Da kann man nur noch an den Energiekosten etwas drehen.“ Patrick Kunkel


