Hessen Bio-Fastfood läuft nicht wie geplant
Das Greenline-Gastrokonzept ist gut, aber der Wiesbadener Standort macht Sascha Poklikay zu schaffen / Jetzt baut er um
WIESBADEN. Der Name passt. Sascha Poklikay betreibt in Wiesbaden das Fastfood-Restaurant Greenline. Doch er hat ein Problem: Es kommen zu wenig Gäste. Wenn sich das bis Ende des Jahres nicht ändert, wird der 39-Jährige sein Geschäft voraussichtlich schließen. Doch noch hat er nicht aufgegeben, schließlich ist Grün auch die Farbe der Hoffnung.
Poklikay kennt das Gastgewerbe. In Hamburg studierte er an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hotel- sowie Gastronomiemanagement. Er arbeitete in diversen Restaurants: im Service, hinter der Bar und als Schichtleiter. In einem Belgien-Urlaub entdeckte er das Exki-Konzept. Die Restaurantkette verkauft in Brüssel, Antwerpen, aber auch in Paris und Turin frisches, gesundes Essen auf die Hand, sozusagen Schnellkost auf hohem Niveau.
Vorbild aus Belgien
Poklikay ließ sich von dem Konzept inspirieren und eröffnete im September 2011 in Wiesbaden das Greenline. Etwa 20.000 Euro nahm er damals in die Hand: für Stühle und Tische, für Fotos und Bilder sowie die Technik. Eine Friteuse sucht man vergebens. Frittierte Speisen passen nicht ins Konzept.
Im Gastraum haben 14 Besucher Platz, auf der Außenfläche weitere 20. Auf der Speisekarte stehen genau wie beim belgischen Vorbild gesunde und schnelle Gerichte. Zum Frühstück gibt’s einen süßen veganen Dinkel-Pfannkuchen für 3,50 Euro, für den kleinen Hunger zwischendurch einen Schinken-Lauch-Muffin für 2,70 Euro. Wer mehr Appetit hat, bestellt einen Gemüse-Hackfleisch-Strudel für 4,20 Euro oder Quinoa-Brätlinge mit Apfelmus für 3,90 Euro. Zum Nachtisch gibt’s ein Schoko-Tofumousse für 2,90 Euro. Alle Gerichte sind, falls nötig, vorgegart und so verpackt, dass sie aus dem Kühlregal mitgenommen werden können. Wenn Kunden ihre Gerichte lieber vor Ort genießen wollen, dann muss Poklikay sie nur schnell erwärmen. Wann immer möglich, verkauft Poklikay Bio-Qualität beziehungsweise Spezialitäten aus der Region. Einige Lebensmittel muss er jedoch aus dem Ausland importieren. Das Inkakorn Quinoa kommt aus Südamerika.
Durchschnittlich besuchen 40 Gäste das Greenline pro Tag. „Das sind zu wenige“, sagt Poklikay. Eine Ursache für die geringe Frequenz ist die Lage. Das Lokal liegt in einer Nebenstraße in der Innenstadt, direkt hinter dem hessischen Landtag. Hier drängen sich viele Restaurant und Bars. Abends ist die Straße gut frequentiert, tagsüber nicht. „Das ist ein Problem“, sagt Poklikai. „Viele Wiesbadener kommen hierher, um nach Feierabend gemütlich in einem Restaurant zu essen. Das ist schlecht für mich, denn ich bin ja eher ein Bistro.“ Ein weiterer Minuspunkt: Poklikay hat keine Toilette in seinem Restaurant. Um den UmsatzWertmäßige Erfassung des Absatzes einer Unternehmung.
weiter mit Mausklick... zu steigern, suchte der Unternehmer ursprünglich einen kleinen Laden in der Fußgängerzone. Dort wollte er Speisen verkaufen, die er im Greenline produziert. Diese Idee ließ sich auf die Schnelle nicht umsetzen. Verkaufsflächen in 1a-Lagen sind begehrt und schwer zu kriegen.
Grün wie die Hoffnung
Doch so schnell gibt Sascha Poklikay nicht auf. Wenn das Greenline nicht zu den Gästen kommen kann, müssen die Gäste eben ins Greenline kommen. Damit das gelingt, baut er im Moment um und macht aus dem ursprünglichen Fastfood-Betrieb ein richtiges vegan-vegetarisches Restaurant – mit Gästetoilette, einem A-la-Carte-Service und Mittagstisch. Damit die Wiesbadener von den Änderungen auch erfahren, wird Poklikay schon bald Flyer in der Stadt verteilen. Das Layout und die Grundfarben stehen schon. Der dominierende Ton ist Grün.
Sebastian Wenzel
