Hessen Bubble Tea erobert Frankfurt
Vom Mekong an den Main: Asiatische Tee-Bar-Konzepte gewinnen immer mehr Liebhaber / Auf Franchise ausgelegt
FRANKFURT/M. Die Frankfurter stehen auf Perlen. Die Menschen tragen sie in Bechern durch die Straßen, saugen sie durch Strohhalme, zerbeißen und schlucken sie. Die Perlen sind nicht aus Perlmutt, sondern aus Tapioka und schwimmen in Bubble Tea, dem neuen Trendgetränk der Stadt. Immer mehr Gastronomen verkaufen es.
Denise Tretter brachte Bubble Tea in die Mainmetropole. 2010 eröffnete sie die Micha Bubble Tea Station in der Nähe des Hauptbahnhofs. Im vergangenen Jahr eröffnete Tretter bereits eine zweite Filiale – in der Zeilgalerie in der Innenstadt. Ihr Erfolg inspirierte weitere Unternehmer. Jetzt gibt’s das Erfrischungsgetränk unter anderem auch im Nom Nom, im BubbleX, im Lilly & Willy und im Coy & Dan’s.
Molekulare Anleihen
Die Konzepte ähneln sich, die Unternehmensgeschichten auch. Die meisten Inhaber lebten in Asien oder bereisten den Kontinent. Dort lernten sie Bubble Tea kennen und lieben. Zurück in Frankfurt wollen sie auch die Deutschen auf den Geschmack bringen. Das scheint zu klappen. Das Coy & Dan’s eröffnete im Oktober 2011. Heute besuchen im Monat etwa 5000 Gäste die Tee-Bar – Schüler, Bauarbeiter, Touristen und Anwälte. Andere Bubble-Tea-Bars freuen sich ebenso über treue Anhänger – auch in der virtuellen Welt. Der Micha Bubble Tea Station folgen auf Facebook mehr als 3400 Fans.
Bubble Teas bestehen immer aus zwei Komponenten: Erstens der Flüssigkeit und zweitens den Perlen. Die flüssige Basis bilden unter anderem Milch-, Chai- oder Früchtetees. Erhältlich sind fast alle Geschmacksrichtungen, zum Beispiel Pfirsich, Litschi oder Blaubeeren. Einige Bars verwenden auch Kaffee oder Kakao als Grundlage. Hinzu kommen saisonale Angebote. Das Coy & Dan’s serviert im Winter Bratäpfelchentee und einen Lebkuchen-Macchiato.
Bei der Teeherstellung selbst gibt es zwei Möglichkeiten. Einige Läden verrühren Pulver mit Wasser, andere brühen täglich frischen Tee auf. In die Flüssigkeit kommen die Perlen. Wer es klassisch mag, bestellt schwarze Tapioka-Perlen. Die Angestellten kochen diese jeden Morgen in heißem Wasser frisch auf, danach legen sie die Perlen in Sirup ein. Das verleiht ihnen einen leicht süßlichen Geschmack. Wer das Besondere sucht, ordert Popping Bobas. Die Fruchtsaft-Perlen zerplatzen im Mund, wenn man darauf beißt – die molekulare Küche lässt grüßen.
Daniel Klein und Adrian Garcia sind die Inhaber des Coy & Dan’s. Sie setzen mit ihrem Laden nicht nur auf Bubble Tea, sondern auch auf Bio und Nachhaltigkeit. „Unsere Zielgruppe sind Kunden, die Qualität schätzen und dafür gerne etwas mehr zahlen. Wir kochen alle drei Stunden neue Tapioka-Perlen“, sagt Klein. Alte Perlen landen in der Tonne.
Damit der Wareneinsatz im Mülleimer möglichst gering ist, müssen die Unternehmer ihre Kerngeschäftszeiten kennen: vormittags ab 11 Uhr, nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr und abends zwischen 20 und 21 Uhr. Viele Kunden sind Stammgäste. Manche kommen mehrmals am Tag. Für einen Latte Macchiato aus Bio- und Fair-Trade-Kaffee zahlen sie inklusive Tapioka-Perlen 3,50 Euro. Ein Sencha-Tee mit Tapioka-Perlen kostet 3,00 Euro. „Jüngere Gäste bestellen auch gerne Popping Bobas, Kunden ab 25 Jahren bevorzugen normalerweise die Tapioka-Variante“, sagt Klein. Der Renner sei der Chai-Vanilla mit Tapioka-Perlen für 3,50 Euro.
In aller Munde
Betritt ein neuer Kunde das Coy & Dan’s, müssen Klein und Garcia oft Aufklärungsarbeit leisten. Asiatische oder amerikanische Touristen kennen und lieben Bubble Tea. Viele Frankfurter können sich unter dem Getränk jedoch trotz der vielen Bars in ihrer Stadt noch immer nichts vorstellen. Kostenlose Proben sollen die Gäste begeistern. Das gelingt nicht immer. „Bubble Tea polarisiert. Entweder man liebt ihn oder nicht“, sagt Klein. Den meisten Menschen scheint das Getränk jedoch zu schmecken. Wenn es so weitergeht, ist Bubble Tea also vielleicht schon in wenigen Jahren in aller Strohhalme und Munde.
Übrigens: Fast alle Konzepte haben eins gemeinsam. Sie sind als Franchise-Systeme ausgelegt. Die Ansprechpartner finden Interessierte auf den Webseiten der Unternehmen.
Sebastian Wenzel
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