Baden-Württemberg
Hoffen und Bangen vor der Saison
Am Bodensee stellen sich Gastronomen und Hoteliers auf umsatzstarke Monate ein / Pfiffige Ideen zur Fußball-EM
KONSTANZ. Von der in den Seenanrainerländern Österreich und Schweiz ausgetragenen Fußball-EM erhoffen sich in diesem Jahr auch die Hoteliers und Gastronomen am deutschen Bodenseeufer mehr Gäste und Synergieeffekte. „Wir müssen uns sowohl die positiven als auch die negativen Erfahrungen der Fußball-WM 2006 zunutze machen“, empfiehlt der Vorsitzende des DEHOGA Schwarzwald-Bodensee und Konstanzer Hotelier Dieter Wäschle.
Branche hat investiert
„Das Realeinkommen der Menschen sinkt oder stagniert, was zur Folge hat, dass wir alle bewusster mit unserem Geld umgehen und genau abwägen, wofür wir es ausgeben“, sagt Dieter Wäschle, der das Hotel Petershof in Konstanz betreibt. Selbst zu Ostern laufen dort die Buchungen nur schleppend an. Seit Jahrzehnten war Ostern allerdings nicht so früh wie in diesem Jahr. Das bedeutet: Die Gäste warten ab, buchen kurzfristiger und stellen höhere Ansprüche, so die Resonanz aus einigen Betrieben am See. „Wer nicht top aufgestellt ist, der wird in diesem Jahr zu den Verlierern gehören“, ahnt Wäschle. Viele Hoteliers und Gastronomen hätten in den vergangenen Jahren enorme Summen investiert und ihre Betriebe in Form gebracht. Diejenigen, die das versäumt hätten, würden nun zwangsläufig die Quittung dafür bekommen. Der zwei- oder dreiwöchige Urlaub sei am See endgültig passé (siehe Kasten).
Die Touristiker am deutschen, österreichischen und Schweizer Bodenseeufer haben die Saison 2008 unter das Motto „Schlösser, Parks und Gärten“ gestellt. Der größte Tourismusbetrieb am Dreiländersee, die in der Saison 2007 über 1,2 Mio. Besucher zählende Blumeninsel Mainau, widmet sich in diesem Jahr dem Mythos Garten. Ab Mai werden auf dem 45 Hektar großen Eiland in 13 verschiedenen Szenen Gartenkultur aus 3500 Jahren gezeigt. Die Insel-Gastronomie setzt traditionell auf saisonale Themenwochen und Themen-Soireen.
Natürlich ist Wassersport und Bootscharter ein auch für die Auslastungen der Hotels immer wichtiger werdendes Thema am See: Die rund 40 Segel- und Motorbootschulen am 64 Kilometer langen und 16 Kilometer breiten Bodensee, dem größten Binnengewässer Deutschlands, arbeiten schon an der neuen Saison. Rainer Schattmayer von der gleichnamigen Segelschule in Kressbronn-Gohren hat vor seinem gepachteten Yachthotel mittlerweile 42 zu vercharternde Segelyachten und Motorboote liegen. Dieses Angebot will er weiter ausbauen. Für Firmen oder Events will er nach dem Motto „Alles aus einer Hand“ Hotel, Segeltörn und Rahmenprogramm anbieten. Der Eigentümer der Marina Ultramarin, die Meichle + Mohr GmbH, lässt derzeit das 22-Zimmer-Hotel um 25 Appartments und einen 170 Quadratmeter großen Wellness-Bereich erweitern. Auch bei der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH, in der die grenzüberschreitenden Aktivitäten gebündelt werden, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Touristiker stellen kürzere Verweildauer und höhere Ansprüche fest. Man hofft, dass die Saison so gut verläuft, wie im vergangenen Jahr. 2007 wurden in der Region Bodensee und Oberschwaben über 6,4 Mio. Übernachtungen registriert, 5 Prozent mehr als 2006. Dass die Zahl der Ankünfte erneut um5,8 Prozent gestiegen ist, beweist, dass die Gäste kürzer bleiben.
Public Viewing in Bregenz
Mit pfiffigen Ideen will man Urlaubern und Fußball-Fans die Bodensee-Region in diesem Jahr schmackhaft machen. Im Vorfeld der EM treten deutsche, österreichische und Schweizer Jugendmannschaften auf schwimmenden Fußballfeldern gegeneinander an. Während der EM verwandeln Riesenleinwände auf der Bregenzer Seebühne das Tosca-Bühnenbild in einen spektakulären Fußball-„Schau“-Platz. Von dort aus überträgt auch das ZDF Fußball live. Die Kommentatoren und Analysten werden mit dem See im Hintergrund für die Region werben.Sylvia Herr
