Brandenburg
Hommage an die Kartoffel
Brandenburger Landgasthöfe machen sich seit Jahren für die Region und regionaltypische Produkte stark
POTSDAM. Seit sich die Markenkooperation „Brandenburger Landgasthöfe“ im Jahr 2000 gegründet hat, ist die Mark für Ausflügler noch interessanter geworden. „Grundidee war, die ländliche Gastronomie aus dem Schatten ins Licht zu holen“, sagt Kooperationssprecher Torsten Kleinschmidt. Die 19 Mitgliedshäuser agieren unter dem Dach von Pro agro, dem Verbandes zur Förderung des Ländlichen Raumes in Brandenburg.
Strenge Kriterien
Angefangen hat alles mit zehn Betrieben, die nicht nur rund 130 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr zahlen, sondern sich vor allen zu den strengen Kriterien der Kooperation bekennen. Diese besagen, dass es sich um familiengeführte Häuser handeln muss, die die dörflichen Traditionen pflegen. Die Gasthöfe müssen zu 80 Prozent Produkte von Bauern aus der Region verarbeiten, regionaltypische Gerichte anbieten, auf den Speisekarten die Gästen über Geschichte des Hauses informieren sowie Tipps zu Sehenswürdigkeiten des Ortes und der Region geben können. Zusätzlich müssen die Mitgliedsbetriebe Erlebnisse wie Radtouren, Bootsfahrten, Wanderungen, Hofbesichtigungen, Kochkurse oder Kinderspielplätze anbieten. Und letztlich muss jedes Mitglied ständig auf die Qualität achten und nach dem Grundsatz „Wirte prüfen Wirte“ sich zur freiwilligen Selbstkontrolle verpflichten.
Nicht alle, die sich vor sieben Jahren dem Statut unterwarfen, hielten auch tatsächlich die strengen Kriterien ein, sie verließen die Kooperation wieder. Aber immer mehr wollten und wollen Mitglieder werden, weil sie überzeugt sind, dass nur im Miteinander der Erfolg für jeden einzelnen und für alle liegt. Und der hat sich inzwischen eingestellt. Die Brandenburger Landgasthöfe sind für viele Besucher zu einem Begriff für Qualität. Die Gäste wissen, dass hier auf den Tisch kommt, was hier in der Umgebung auch wächst und gedeiht.
Oberstes Prinzip der Köche ist: Unser Handwerkszeug ist das Messer und nicht die Schere. Gekocht wird mit frischen Produkten vom Bauern nebenan. Und so bekommt man auch Gerichte, die man eben nur in einer bestimmten Region essen kann, weil sie von dort stammen. Wie zum Beispiel Teltower Rübchen oder Knieperkohl.
Vier Mal im Jahr treffen sich die Mitglieder zu Arbeitsberatungen, wo unter anderem auch gemeinsame Aktionen festgelegt werden. Da gibt es zum Beispiel alljährlich die Spargel- oder Gänsewochen. Gemeinsam tritt man mit Aktionen auf Messen auf. Auf der jüngsten Grünen Woche reichten die Mitgliedsbetriebe den Kochlöffel im Pro-agro-Kochstudio fast täglich weiter. Unter dem Funkturm präsentierte jeder Wirt nicht nur sein Haus mit speziellen Gerichten, sondern immer auch die Kooperation. Gemeinsam gaben die Mitglieder zur Grünen Woche erstmals eine Broschüre heraus, in der sie sich vorstellen und jeder ein typisches Gericht zum Nachkochen präsentiert.
Im Jahr 2008, das die Unesco zum internationalen Jahr der Kartoffel erklärt hat, legten die „Brandenburger Landgasthöfe“ den Kartoffelbefehl vom Alten Fritz neu auf. Sie tun damit nicht nur den Gästen, sondern auch Kindern in der Dritten Welt Gutes. So wird jeder Mitgliedsbetrieb ein Kartoffelgericht als „Unesco-Teller“ extra auf der Speisekarte auszeichnen. Zehn Prozent des Preises gehen auf ein Spendenkonto für die SOS-Kinderdorf-Klinik in Togo.
Auf Mitgliedersuche
Nach sieben Jahren gibt es Überlegungen, auch neue Wege einzuschlagen. „Wir wollen den Kreis der möglichen Mitglieder erweitern. Angesprochen sind alle, die sich in Sachen gesunde Kost engagieren“, sagt Pro-agro-Sprecherin Brigitte Hohnstädter. Dazu werde man sich auf der nächsten Zusammenkunft verständigen. Aber eines wird sich auf keinen Fall ändern. Wer Mitglied in der Markenkooperation werden will, muss sich kompromisslos zur Regionalität bekennen. Heidi Diehl
