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Mecklenburg-Vorpommern

Hotellerie lässt Federn

Stagnation im Gastgewerbe schweißt zusammen / Mitgliederzahlen steigen wieder leicht an

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/49 vom 9. Dezember 2006

GÖHREN-LEBBIN. Stühle waren Mangelware im Saal des Radisson SAS Schlosshotels am Fleesensee. Rund 230 Hoteliers und Gastronomen zählte Hauptgeschäftsführer Uwe Barsewitz, vom DEHOGA
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-Landesverband. „Weit mehr als noch im letzten Jahr“, erinnerte er sich.

Das Engagement des Gastgewerbes für Lobbyarbeit wächst wieder. Und auch die Mitgliederzahlen erholen sich: 1470 lautet der aktuelle Stand. Zwölf weitere Neuzugänge von Betrieben müssten nur noch bestätigt werden, freute sich Barsewitz. Das gesteigerte Interesse wird auch aus der Not gespeist, ergänzte Guido Zöllick (36), Präsident des Landesverbandes seit gut einem Jahr.

Der Hotelier aus der Nähe von Warnemünde präsentierte mit Witz den Vorstandsbericht. Obwohl die Branche nicht allzu viel zu lachen hat. Die Umsatzzahlen stagnieren seit Jahren. Im Schnitt sinken die Renditen. Die Preise müssten eigentlich erhöht werden. Geht aber nicht so einfach, sagt er. Die Gäste machen nicht mit.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres stiegen die Umsätze im Gastgewerbe bundesweit um real 0,5 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern nur um magere 0,3 Prozent. „Allerdings sackte diesmal die Gastronomie nicht erneut ab, sondern profitierte vom guten Konsumklima“, so Zöllick. Dagegen ließ die Hotellerie Federn. Zwar weniger als nach Vogelgrippe und spätem Saisonstart befürchtet. Doch Stagnation will Zöllick nicht als Erfolg deuten: „Wir sind auf den Auslastungsstand von 2002 zurückgeworfen. Für mich ein Alarmzeichen.“

Aus Sicht des Verbandes sind viele Probleme nicht hausgemacht, sondern von der Politik aufgedrückt. Gesetzesdschungel, Regulierungswut, Nichtrauchergesetz, Mehrwertsteuererhöhung, Gebührenwust. DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges wusste von bürokratischen Hürden zu berichten, die zügig abgeschafft gehörten. Und Regionalchef Zöllick illustrierte: „In Behörden betritt man als Hotelier ein Minenfeld und auch die Banken verhalten sich als hätte unsere Branche die Pest.“

Auf frisches Geld sind aber viele Betriebe angewiesen, um nötige Investitionen anzuschieben. Allen voran die getränkeorientierte Gastronomie und Discotheken. Zudem gelte generell, dass sinkende Haushaltseinkommen, die demografische Entwicklung und der Wertewandel das Nachfrageverhalten der Gäste dramatisch verändern. Ziel des Verbandes müsse es sein, gesellschaftliche Prozesse stärker mitzugestalten, so Zöllick. Überleben könne nur, wer jetzt die richtigen unternehmerischen Entscheidungen fälle. Egal ob im Hotel oder in der Gastronomie (siehe nebenstehender Kommentar).

Im Detail soll die Fachgruppe Hotels besser für die Interessensvertretung positioniert werden. Auch die neue Fachgruppe Gaststätten, Sprachrohr für die größte Gruppe im Verband, werde sich zukünftig stärker für einen attraktiven Mix an Restaurants, Kneipen, Bars und Discotheken einsetzen müssen. Dreh- und Angelpunkt bleibe dabei die Qualitätsoffensive, betonte die Versammlung. Über 200 Betriebe hätten sich bislang daran beteiligt. Insgesamt habe man über 600.000 Euro an Fördergeldern für Projekte einwerben können. Ein großer Erfolg der Lobbyarbeit, so Zöllick.

Dennoch fühlt sich das Gastgewerbe, wichtigster Wirtschaftszweig an der Ostsee, von der Politik zu wenig ernst genommen. Als Beleg dafür wertete man auch die Absage des neuen Wirtschafts- und Tourismusministers Jürgen Seidel wegen des CDU-Parteitages. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vertrat die Landesregierung. An der Diskussion nahm statt Ex-Tourismusverbandschef Seidel Ministerialdirigent Wolfgang Rühle vom Wirtschaftsministerium teil.

Der versprach, dass künftig Klasse statt Masse von der neuen Koalition gefördert werde. „Allerdings“, so Rühle, „müssten sich die Tourismusbetriebe und -verbände endlich selbst besser vernetzen statt auf die Politik zu hoffen.“ Welche Rolle der DEHOGA-Landesverband dabei spielen kann, will das Präsidium auf einer Klausurtagung im Januar festlegen.

Bernhard Mehnke


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