Branchenpolitik
IHK Kassel hat aufs falsche Pferd gesetzt
von Silke Liebig-Braunholz
KASSEL. Es waren auch die Mitgliedsbeiträge von Gastronomen und Hoteliers. Die Gemüter schlugen hoch als bekannt wurde, dass die Kasseler Industrie- und Handelskammer (IHK) im Zuge der Finanzkrise mit einem Verlust von rund 621.000 Euro rechnen muss.
Vor allem das Mitglied der Wahlgruppe Gastgewerbe, Reisebüros und -veranstalter, Kultur, Sport und Unterhaltung, Kai Boeddinghaus, suchte die breite Öffentlichkeit, um über die Vorgänge zu informieren. Im Internet war auf der von ihm verantworteten Seite www.ihk-so-nicht.de von einem Skandal zu lesen. Unter der Überschrift „Verzockt oder unglücklich verloren?“ kritisierte er vor allem auch die IHK in ihrem mangelnden Umgang mit der Öffentlichkeit. Am 5. März beschäftigte sich nunmehr eine Sondersitzung der Vollversammlung mit den verlorenen Finanzanlagen bei der Isländischen Kaupthing-Bank.
„Wir möchten damit jede Kritik aufnehmen, die Strukturierung von Finanzanlagen überprüfen und daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen, so IHK-Hauptgeschäftsführer Lohmeier. Ausdrücklich werde hier auch dem Wunsch des Vollversammlungsmitgliedes Kai Boeddinghaus gefolgt, der eine gesonderte Sitzung der Vollversammlung gefordert hatte“, war im Vorfeld der Sitzung auf der IHK-Internetseite zu lesen.
In der Sitzung dann der Schritt nach vorn: Lohmeier entschuldigte sich und stellte klar, dass er sich der Belastung des Rufes der IHK durch den Verlust von Mitgliedsbeiträgen bewusst sei. Die Kaufentscheidung für die Wertpapiere im Jahre 2005 stellte er jedoch als richtig hin. „Zum damaligen Zeitpunkt war sie gut begründet. Die Anleihe versprach eine Verzinsung von 6,25 Prozent, war mit A 1 geratet und damit keineswegs spekulativ“, betonte er.
Dies bestätigte auch der Chef der Rechnungsprüfungsstelle der Industrie- und Handelskammern, Peter Spengler: Eine Kammer sei verpflichtet Beiträge auch finanzstark anzulegen. Dies gehe aus dem Finanzstatut hervor. Die Vollversammlung habe deshalb mit ihrer Anlagestrategie zu keinem Zeitpunkt gegen die Satzung verstoßen. Allerdings müsse reagiert werden, wenn eine Anlage im Rating stürzt. Dies sei bei der IHK Kassel jedoch nicht mehr möglich gewesen, da der Finanzmarkt bereits kollabiert war.
Dass der Verlust des Geldes die Mitglieder erzürnt, verwundert jedoch nicht. Schließlich zahlen die meisten ihren Zwangsbeitrag widerwillig. Hoga-Vorstandsmitglied Jörg Waßmuth aus Wolfhagen etwa sprach von einer Schande, dass man zur Mitgliedschaft gezwungen werde. Der Vorsitzende des Hoga-Verbandes Waldhessen, Hanns K. Madelung, nannte es einen Skandal, wie mit den Zwangsmitgliedsbeiträgen umgegangen werde.
Kai Boeddinghaus forderte deshalb stellvertretend für die Branche, Rücklagen der IHK nur noch ohne Verlustrisiko bei im Kammerbezirk ansässigen Regionalbanken anzulegen. Ferner sollten die Rücklagen von rund 7,5 Mio. Euro auf 1,5 Mio. Euro abgeschmolzen werden. Im Gegenzug wollte er die Mitgliedsbeiträge senken. Beide Anträge wurden jedoch abgelehnt. Dazu Vollversammlungsmitglied Günther Koseck, der auch im Haupt- und Finanzausschuss sitzt: „Wir können überhaupt nicht willkürlich über die Beiträge unserer Mitglieder bestimmen. Ich führe zudem keine Debatte um Dinge, die geltendes Recht sind“.
Letztendlich wisse er als geschäftsführender Gesellschafter der Dornröschenschloss Sababurg GmbH in Hofgeismar, dass in seiner Branche viele Unternehmen familiengeführt seien und nur einen geringen Beitrag zahlen, teilweise sogar freigestellt sind. Verabschiedet wurde letztendlich eine neue Richtlinie für Geldanlagen, nach der die IHK Kassel ihre Rücklagen künftig nur noch in Fest- und Tagesgeld oder in Sparbriefen anlegt.


Schiffner
11.03.2009 um 10:40
Betreff: IHK - Ich Habe Keineahnung
Guten Morgen, ich bin selbstständig, zahle an die IHK meinen Beitrag und bekomme dafür... nichts außer einmal im Monat eine schlecht gemachte Broschüre. Gut erinnere ich mich auch an meine Beratung vor der Existenzgründung vor einigen Jahren: ein selbstgefälliger Mann, der nicht zuhörte und am Ende auf die Idee kam wir wollen eine Druckerei aufmachen ... Geld von inländischen Unternehmen im Ausland anzulegen - das nenne ich mal Patriotismus ... aber schön für die IHK, dass die Rücklagen wachsen. Gibt dann wieder schöne neue gläserne Gebäude, in denen auch am Wochenende die TVs im Vorzimmer laufen! Eine Frechheit ist der Satz von Koseck ... was motzen die Leute rum, die zahlen ja eh fast nix ein - als wenn es um die Summe und nicht um die Sache an sich ginge. Grüße