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Heimatverbunden: Tanja-Nicole Ludwig

Viola Katemann

Landgasthöfe – Was uns bewegt

Ihr Herz hängt an der Heimat

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/25 vom 16. Juni 2012
von

WOLFSHAGEN. Wenn Tanja-Nicole Ludwig über den Harz redet, geht ein Strahlen über ihr Gesicht. „Dabei kann ich nur froh sein, dass ich nicht im Mittelalter in dieser Gegend geboren wurde, sonst hätten sie mich vermutlich als Hexe verbrannt“, sagt die Rothaarige lachend. Hexen, Harz, Hotel – das sind drei große Themen in ihrem Leben. Letzteres ganz besonders, denn schließlich lebt mit ihrer Übernahme des Berghotel Wolfshagen ein Stück Familiengeschichte weiter.

Von der Pike auf gelernt

„Unser Haus ist schon immer in Familienhand gewesen“, erzählt die 42-Jährige. Erbaut wurde es 1913 von ihren Urgroßeltern Heinrich und Martha Klingebiel zunächst als Mehrfamilienhaus. Als Wolfshagen 1923 dann ein KurortGemeinde, der aufgrund ihrer besonderen Eignung für eine medizinische Therapie ein entsprechendes Prädikat verliehen worden ist.
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wurde, eröffnete Martha Klingebiel hier eine kleine Kaffeestube. Hier kehrten Wanderer ein. Es folgten acht Fremdenzimmer.

1952 übernahm dann ihr Sohn, der Konditormeister Walter Klingebiel das Haus, das mittlerweile zu einem mittelgroßen Hotel ausgebaut worden war. Seine Frau Helene, Tanja-Nicole Ludwigs Großmutter, hat bis vor kurzem mit ihren 94 Jahren immer noch hier und da mit Hand angelegt.

1980 übernahmen dann in dritter Generation Joachim Klingebiel und seine Ehefrau Angela die Geschäfte im Berghotel. Sie erweiterten das Hotel auf 100 Betten. 1994 eröffnete Klingebiel in Blankenburg zusätzlich das Berghotel Vogelherd, während seine Frau die Geschäfte in Wolfshagen weiterführte. Bis zum Jahr 2000. Seitdem führen ihr Sohn Sascha Klingebiel und ihre Tochter Tanja-Nicole Ludwig mit ihrem Mann Oliver Ludwig das Familienunternehmen. „Dabei wollte ich eigentlich mal Kindergärtnerin werden“, sagt die 42-Jährige.

Doch weggezogen hat es sie nie. „Wer in einem Hotel aufwächst, kommt früh mit dem Betrieb in Kontakt. Mit 13 Jahren habe ich schon Bier gezapft in der Ballsaison. Als ich mit 16 dann eine Ausbildung im Maritim Hotel Braunlage machen wollte, sagten sie, dass ich noch zu jung sei“, erzählt sie. Mit 18 soll sie sich noch mal melden. Doch dazu kommt es nicht, denn das Geschäft der Eltern läuft so gut, dass man auf ihre Arbeitskraft nicht verzichten kann.

„Also habe ich hier gelernt, von der Pike auf“, sagt sie. Nur ihr Bruder Sascha macht seine Ausbildung zum Koch fernab des Wolfshagener Familienbetriebs. „Aber ich konnte nicht gehen. Damals hatte man Schwierigkeiten, PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
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zu bekommen“, sagt sie. Davon kann die Hotelfachfrau auch heute ein Lied singen. „Das ist ein großes Problem im Harz. Viele Azubis, die bei uns anfangen, überkommt schnell das Heimweh. Vor allem Jungs halten oft nicht durch“, fügt sie hinzu. Egal, ob sie nun erst 16 oder schon 18 Jahre alt wären. „Wir finden keine Jugendlichen mehr, die das machen wollen, obwohl man bei uns viel lernen könnte“, seufzt die Harzerin.

CateringLieferung, Versorgung oder Bereitstellung von Speisen und Getränken durch einen Caterer.
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ist wichtig

Sie selbst hätte sich nie vorstellen können, etwas anderes zu machen. Heute gehören 50 Zimmer zum Familienhotel. Dazu kommt ein Restaurant, das sich mit 250 Plätzen über vier Bereiche ausdehnt sowie ein Cateringservice. Doch auch ihre beiden Töchter werden wohl nicht in ihre Fußstapfen treten und das Hotel übernehmen. „Das muss jeder für sich entscheiden. Unser Betrieb läuft gut – wir haben viele Gäste aus Dänemark und Holland –, aber natürlich ist auch immer viel zu tun“, sagt sie. Von April bis Oktober sei das Haus voll. Der Harz sei eben eher ein Wander- als ein Skigebiet, meint die Hotelfachfrau.

In der Saure-Gurken-Zeit behelfen sich die Eigentümer mit besonderen Angeboten für ihre Gäste: „Wir sind zum Beispiel in regionalen Gutscheinbüchern vertreten. Auch im Internet bei Facebook & Co. mischen wir mit.“

Dieses Jahr hat eher schlecht begonnen, doch Tanja-Nicole Ludwig hofft aufs Wetter. „Es kann nur besser werden“, orakelt sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Sie wissen ja, ich bin eine verkappte Hexe und die haben einen siebten Sinn.“ Viola Katemann




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