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Holger in‘t Veld vor dem Logo seiner Bar.

© Leue

Hauptstadt Berlin

Im Zeichen der braunen Bohne

Schokoladen-Fan Holger in’t Veld betreibt in Berlin die Café-Bar Kakao

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2004/49 vom 4. Dezember 2004

BERLIN Die Einladung zum Rendezvous klingt verheißungsvoll und skeptisch zugleich: „Jetzt endlich lernen Sie sie kennen, die ewigen Genussmittel aus dem alten Europa und dem noch älteren Mittelamerika. Vielleicht sind sie zu kauzig und eigen, um wirklich Freunde zu werden.“ Die Rede ist von Wein und Kakao, deren Aufeinandertreffen mit besonderer Freude in der Berliner Café-Bar Kakao organisiert wird. Ihr Name sagt es schon: In diesem Lokal hat die braune Bohne ein Heimspiel. „Kakao ist Natur, Kultur und Technik wie Wein. Nur anspruchsvoller, milder, potenter“, heißt es lobend auf der Karte. Das „Kakao“ befindet sich im Szenebezirk Prenzlauer Berg, gleich neben der Confiserie. Beide gehören Holger in’t Veld, einem ehemaligen Musik-Journalisten, der drei Jahren jedoch vom flüchtigen Pop genug hatte und die Branche wechselte. „Ich wollte etwas eigenes aufbauen, etwas das sich entwickelt.“ Mit einer eigenen Band und einem eigenen Label hatte es nicht geklappt, also verließ er 2001 Hamburg in Richtung Berlin und eröffnete dort seinen Schokoladen-Laden. Womit der 37-Jährige sogleich auffiel, schließlich ist Deutschland im internationalen Vergleich eine Art „Schokoladen-Brachland“.

Wieso gerade er das bestellen wollte, erklärt Holger in’t Veld so, dass er schon als Kind auf den natürlichen süßen Geschmack gekommen, später aber auf die dunkle Seite des Kakao gewechselt sei. Die entspricht im Übrigen die wahren Tradition, denn Jahrtausende lang war der Kakao ein ungesüßtes Genussmittel. Erst nachdem die Spanier es aus Mexiko nach Europa brachten, wurde es allmählich anders. In seinem Laden bietet hatte der Norddeutsche gut 250 verschiedene Sorten Schokolade an, die er von 20 bis 25 kleinen Herstellern aus Europa, USA, Venezuela bezieht. Darunter eine eigene Hausmarke „in’t Veld“, deren Zutaten er selbst bei einem Besuch des renommierten italienischen Herstellers Domori in Genua zusammen gestellt hat. Von Anfang an konnten die Kunden im Geschäft auch an einer Anrichte eine Trinkschokolade schlurfen und zugleich etwas in der ausgelegten Schokoladen-Literatur lesen. „Das Interesse war enorm“, sagt Holger in’t Veld. „Viele Leute hatten Zeit mitgebracht, wollten gleich im Laden Schokolade ausprobieren, am liebsten aber in einem Café.“ So entstand die Idee für das „Kakao“. Als die Kneipe nebenan Pleite ging, hatte der Chocolatier eine Woche Zeit zum Überlegen, ob er die Räume übernimmt. Seit Juli ist Holger in’t Veld nun auch Gastronom, was er nicht bereut, auch wenn es „wirklich viel Arbeit bedeutet“.

Natürlich ist das „Kakao“ ganz im Zeichen der braunen Bohne eingerichtet – mit farblich abgestimmten Stühlen, Barhockern und Tischdecken. An der Wand hängt eine Karte von Südamerika, wo der beste Kakao der Welt herkommt.

Es gibt Trinkschokolade, Kaffeekakao, Schokotorte, Antipasti di Cacao und Eigenkreationen wie Maya-Pastete gefüllt mit Rindfleisch und Chili-Schokolade. Letztere gehört zu den zwei bis drei Eigenkreationen, die nur warm gemacht werden brauchen. Was wichtig ist, da es keine Küche gibt. Zu den Kakao-Gerichten passen besonders gut rote Süßweine aus Frankreich. Auf vielfachen Wunsch der Gäste ist aber auch Bier im Angebot, nicht irgendwelches, sondern süffiges und exklusives. In diesem Fall die bayerischen Sorten Andechser und Meckatzer. „Exklusivität ist ganz wichtig“, sagt der „Kakao“-Chef, denn seine Maxime lautet: „Nichts Standardisiertes, sondern was Neues fürs Auge und für die Sinne“.

Vor einiger Zeit hat der Schokoladen-Fan in seiner teilweise wie eine Lounge eingerichteten Café-Bar auch schon einen Vortrag über sein liebstes Genussmittel gehalten. Und manchmal legt er hier selber Platten auf. Holger in’t Velds Einstieg in die Gastronomie ist also geglückt. Etwas länger dauern dürfte es mit der Verwirklichung seines Traumes, dass der Begriff Kakao eines Tages auch mal so für sich steht wie Café und man überall sagt: Lass uns ins Kakao gehen.

Café-Bar „Kakao“, Dunckerstraße 10, täglich von 13 bis 1 Uhr, Tel. (030) 44035653


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