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Kommt ohne Subventionen aus: Falk Walter. Fotos: Leue

Falk Walter ist Eigentümer etlicher bekannter Veranstaltungs- und Vergnügungsstätten

In der „Arena“ treten regelmäßig Stars auf

Der 39-Jährige nimmt jetzt den legendären Admiralspalast in Angriff / Die Geschichte des ehemaligen DDR-Flüchtlings ist filmreif

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2004/13 vom 27. März 2004

In Hollywood lieben sie spannende Geschichten und die von Falk Walter — der die vielleicht längste und abenteuerlichste Flucht aus der DDR beging – ist spannend. Fünf Monate war er quer durch Polen, Russland, die Mongolei und China unterwegs, ehe er wieder in Berlin (im Westteil) landete. Genau deshalb wollten die Oscar-preisgekrönten Coen-Brüder („Fargo“, „The Big Lebowski“) die Walter-Story verfilmen. Dass nun erst mal doch nichts daraus wird, liegt nicht an den amerikanischen Filmemachern.

Vielmehr hat der 39-jährige Deutsche schlicht keine Zeit. „Wenn das Filmprojekt verwirklicht worden wäre, hätte ich mich natürlich daran beteiligt, leider finde ich in den nächsten zwei Jahren absolut keine Zeit dafür. Deshalb habe ich abgesagt, das Projekt ist allerdings nur aufgeschoben.“

Der Grund für diesen Schritt, der dem gelernten Schauspieler Falk Walter nicht leicht fiel, ist ein verfallenes Haus in der Berliner Friedrichstraße. Anfang des Jahres hat er das seit Jahren leerstehende Metropol-Theater für rund eine Million Euro gekauft, um es für zehn Millionen Euro wieder zu jenem Amüsiertempel umzubauen, der er in den goldenen 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts schon einmal war.

Spaß in Bars und Bädern

Damals hatte der legendäre Admiralspalast das weltberühmte Berliner Nachleben mit Revuen bereichert. In der DDR wurde das Gebäude durch den Einzug des Metropol erneut eine Heimstatt der leichten Muse. Im Herbst 2005 soll das über 100 Jahre alte Haus als Admiralspalast wieder eröffnen und erneut Revue- und Theateraufführungen bieten.

Bereits etwas früher will Walter schon ein Café zur Friedrichstraße hin eröffnen. Nach der kompletten Fertigstellung des Objekts können sich die Besucher außerdem in den originalgetreu sanierten Bädern, in Bars und Clubs amüsieren. Mit Nostalgie habe das nichts zu tun, sagt der Bauherr und Besitzer, sondern mit einem „respektvollen Umgang mit der Vergangenheit“.

Damit hat Falk Walter sein kleines Imperium an hauptstädtischen Ausgehstätten mit rund 100 Mitarbeitern um eine Traditionsadresse erweitert. Basis ist die Arena, eine 9000 Zuschauer fassende Mehrzweckhalle am Ufer der Spree, in der regelmäßig Stars auftreten. Im März fand hier erstmals der deutsche Grand-Prix-Vorentscheid statt, nachdem im Dezember 2003 zur Verleihung des Europäischen Filmpreises bereits den Filmstars der rote Teppich ausgelegt worden war.

Lehrgeld bezahlt

1994 hatte Falk Walter das ehemalige Bus-Depot im einstigen Grenzgebiet zwischen Ost- und Westberlin entdeckt. Kurz darauf organisierte er mit Freunden ein buntes Festival mit Technopartys, einer Fotoausstellung und einem Musical aus Südafrika. „Am Ende gab es für uns nur riesige Schulden^ Verbindlichkeiten.
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und die Erkenntnis: Entweder war’s das jetzt, oder wir gehen die Sache noch einmal professionell an.“

Die Fähigkeit, „Fehlschläge schnell zu verdrängen“, bewog Falk Walter und einen Mitstreiter zum Weitermachen. Man einigte sich mit den Schuldnern, mietete die Halle an und schrieb ein Konzept für die Banken und den Berliner Senat, wer in seiner „Industriehalle für Rock’n’Roll“ auftreten könnte. Darin standen Namen wie Nick Cave und Die Toten Hosen. „Viele hielten mich damals für bekloppt, weil ich Kultur ohne Subventionen veranstalten wollte.“

Für einen unternehmerischen Abenteurer hält Falk Walter inzwischen niemand mehr. Ziemlich solide und peu à peu hat er rund um das — mit Bankkrediten und EU-Fördergeldern sanierte — Flaggschiff Arena eine Flotte kleinerer Veranstaltungsorte aufgebaut: das Glashaus, wo Theaterstücke aufgeführt werden, das Fluss-Restaurant Freischwimmer, der Club der Visionäre und das Restaurantschiff Hoppetosse.

Auf diesem Salon-Schiff aus den 30er Jahren finden Lesungen, Konzerte, Cabaret und Partys statt. Auch das Big Eden am Ku‘damm gehört Falk Walter. Den von Playboy Rolf Eden übernommenen legendären „Diskoschuppen“ gedenkt er in einen anerkannten Club umzuwandeln. Schwarze Zahlen schreibt er immerhin schon.

Die Ansammlung ist kein Ausdruck von Expansionswahn, sondern Teil des Plans. Die Klubs ergänzen sich – nach einem Konzert in der Arena können die Gäste beispielsweise gleich in den Freischwimmer zur After-Show-Party gehen — und ermöglichen die FinanzierungBeschaffung von monetären Mitteln für unternehmerische Aktivitäten.
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von Projekten, die Falk Walter noch wichtig sind: Eigene Theaterproduktionen wie „Die Vagina-Monologe“ oder fremde wie Peter Steins Mammut-Inszenierung von „Faust“, die zehn Monate exklusiv in der Arena lief.

Richtig kalkuliert

„Dafür haben wir auch in Kauf genommen, dass die Halle für große Konzerte und lukrative kommerzielle Events blockiert war.“ Gemeint sind umsatzträchtigen Veranstaltungen wie die weltweit erste Präsentation der S-Klasse von Mercedes. Diese Mischkalkulation ist die Grundlage des erfolgreichen Wirtschaftens von Falk Walter, der vor Jahren auch Mitinitiator der Club Commission war. In dem hatten sich etliche Clubbetreiber zusammen geschlossen, um ihre Locations besser gegen Bürokratenwillkür zu schützen und ihnen auch mehr Ansehen als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Berlin zu verschaffen. Auch deshalb, vor allem aber, weil er alle seine Veranstaltungsunternehmen ohne Subventionen betreibt, gilt Falk Walter heute in der Hauptstadt längst als Vorzeigeunternehmer.

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