Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Die letzten ihres Standes: Bärbel und Detlev Grunewald Foto: Alexander Schmolke

Niedersachsen

Jede Sorte ein Abenteuer für die Zunge

Detlev Grunwald überrascht in seiner Oldenburger „Senfonie“ Kunden schon mal mit Senfpralinen nach Art des Hauses

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/15 vom 14. April 2007

OLDENBURG. Das schmeckt bestimmt nicht. Schokolade, Ananas und Senf. Ja, Senf! Alles gemischt in einer Praline. Aber okay: Mund auf, Senfpraline rein, schmecken, das Schlimmste befürchten und – Überraschung: Lecker! „Sag ich doch“, lächelt Detlev Grunwald. Der Mann weiß eben, wovon er spricht. Kein Wunder: Er ist einer der letzten Senfmüller des Landes.

Der 59-jährige Oldenburger blickt auf ein bewegtes Arbeitsleben zurück: Zunächst war er Dekorateur, nach einem Autounfall schulte er zum Zahntechniker um, später machte er sich mit einer Druckerei selbstständig. Und jetzt ist er Senfmüller, einer von lediglich acht in ganz Deutschland. „Ich bin einer der Glücklichen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben“, sagt er der AHGZ.

Was ist denn bitte Senf für ein Hobby? Detlev Grunwald schmunzelt, lehnt sich in seinem Stuhl zurück und streicht sich durchs grau-schwarze Haar. „Mich fasziniert einfach die Vielseitigkeit von Senf“, sagt er schließlich. Leidenschaftlich geht es weiter: „Zum Beispiel süßlicher Senf. Da sind nur Weinessig, Senfpulver, Honig und Zimt drin“, sagt er, „bei Altdeutschem dagegen Essig, Senfmehl, Majoran, Salbei, Thymian, Estragon, Nelken, Zimt, Koriander, Petersilie, Schnittlauch und Salz.“ Diese Unterschiede zu entdecken, neue Sorten zu kreieren – das sei seine Leidenschaft.

Rückblende: Vor rund 30 Jahren verbrachte Grunwald mit seiner Ehefrau Bärbel einige Urlaubstage an der Mosel und lernte in Monschau den letzten Senfmüller Westdeutschlands kennen, einen gewissen Herrn Breuer. Der erzählte Grunwald alles über seine Tätigkeit – und weckte dessen Interesse. Aus Interesse wurde Begeisterung, aus Begeisterung erwuchs Wissensdrang: Immer weiter vertiefte sich der Oldenburger in das Thema, las sich mehr und mehr Wissen an, wurde schließlich zum Experten.

Um die Jahrtausendwende dann der Entschluss: Sohn Timmo führt die Druckerei weiter, er selbst wird Senfmüller. Gemeinsam mit Partnern baute er in Oldenburg eine Senfmühle und stellte eigenen Senf her. Dass er den Betrieb ein paar Jahre später abgeben musste, war ein Rück-, aber kein K.o.-Schlag. Heute betreibt Grunwald gemeinsam mit seiner Ehefrau in Oldenburg die „Senfonie“. In dem kleinen, gemütlichen Ladenlokal bekommen die Kunden neben unterschiedlichsten Senfsorten auch Senfbrot oder Senfpralinen. Auch „SoSeDa“ – die neue Soja-Senf-Dattel-Mischung – und der „Oldenburger Pinkel-Mostrich“ sind im Angebot.

Ob ihm denn nicht die Ideen ausgehen? „Nö“, sagt der 59-Jährige und deutet auf einen dicken Ordner: „Alles voller Rezepte.“ Demnächst plant er Senf mit Kapern und Sardellen. Ob diese Mischung einst verkauft wird, hängt allein vom Ehepaar Grunwald ab: „Wir bieten nur an, was uns selber schmeckt.“Alexander Schmolke

www.senfmuehle-oldenburg.de

Kommentieren Drucken
Auch interessant

„Wellnessiges“ St. Peter-Ording

Mit einem neuen touristischen Konzept startet das Nordseeheilbad in die Saison: Gesundheitsurlaub ist angesagt. mehr...

Weitere Artikel aus Regional und Lokal vom 14.04.2007 :

Schleswig-Holstein: „Wellnessiges“ St. Peter-Ording (14.04.2007)
Brandenburg: Preis als Motivation (14.04.2007)
Berlin: Feiern im Palast (14.04.2007)
Bayern: „Qualität hat ihren Preis“ (14.04.2007)
Hessen: Vier Fragen an (14.04.2007)
Sachsen: Ex-Regierungssprecher nun Hotelier (14.04.2007)
Thüringen: Mitarbeiter fordern Geld (14.04.2007)
Bayern: Gastro-Augsburg im Internet (14.04.2007)
Mecklenburg-Vorpommern: Jugend forscht mit Brunch (14.04.2007)
Bremen: Ruhig schlafen hinter Panzerglas (14.04.2007)

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel