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Seltene Sorte: Marius Wittur (links) stellt mit Quitten von eigenen Plantagen Wein und Prosecco her. Über die Frucht weiß er so gut wie alles

© Armin Leberzammer

Bayern

Keine Erdbeeren aus Chile

Salon der Genüsse: Regionale Erzeuger beweisen, dass heimische Produkte schmecken

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/26 vom 28. Juni 2008
 Alexandra Leibfried

BAD WINDSHEIM. Der Biss in eine Quitte ist bitter. Besser schmeckt sie gekocht, als Kompott oder Marmelade. Marius Wittur, Liebhaber dieser heimischen Frucht, entlockt ihr weitere Gaumenfreuden: Unter der Marke Mustea stellt er Quittenwein und einen Prosecco nach eigenem Rezept her.

Qualität zahlt sich aus. Er beliefert unter anderem das Weingut Stachel in Würzburg und „einige Münchner Gastronomen“. Die Nachfrage aus der Gastronomie sei mittlerweile größer als seine Kapazitäten, erzählt der braungebrannte Quittenfan, während er Kostproben ausschenkt. Er präsentierte mit weiteren, rund 50 regionalen Erzeugern seine Produkte beim „Salon der Genüsse“ im Freilandmuseum der mittelfränkischen Kleinstadt Bad Windsheim.

Köche auf der Showbühne

Das Gourmet-EventInszenierte Veranstaltung in meist außergewöhnlicher Umgebung , die Gäste durch ihre emotionale Ansprache aktivieren soll.
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war Auftakt einer MesseIm wirtschaftlichen Sinne eine zeitlich begrenzte, wiederkehrende Veranstaltung auf einem bestimmten Gelände, die es Produzenten oder Verkäufern einer Ware bzw.
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, die von nun an einmal pro Jahr in einem der bayerischen Regierungsbezirke stattfinden soll. Veranstalter waren der Bayerische Hotel und Gaststättenverbandes (BHG), die Bayerischen Staatsregierung, Slow Food und regionale Tourismusverbände. Das Ziel: „Eine Plattform schaffen, damit heimische Produkte leichter den Weg auf die Teller in der Gastronomie finden“, betonte der Präsident des BHG, Siegfried Gallus.

Vier Tage lang drehte sich alles um Geschmack und Genuss. Besucher kosteten die heimischen Produkte und beobachteten deren Verarbeitung. Jürgen Beyer, Inhaber des Roten Ochsen in Nürnberg-Rückersdorf, Stefan Rottner vom Romantik Hotel Gasthaus in Nürnberg und Andrée Köthe vom Nürnberger Essigbrätlein bereiteten auf der Showbühne fränkische Produkte zu, die zum Teil direkt vom Museumsgelände stammten. Karpfen und Saiblinge schwammen zuvor im Weiher der Fischzucht, das Gemüse wanderte aus den Gärten der historischen Bauernhäuser auf die Arbeitsplatte. Wer es lieber rustikal und deftig mochte, beobachtete die Herstellung heimischer Wurstsorten und kostete sie mit einem Stück Holzofenbrot und frischem Meerrettich. Die passenden Getränke boten Winzer, Brauereien und Schnapsbrenner aus Franken an ihren Ständen.

Auch Aussteller und Lieferanten bekamen beim vierten Marktforum der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zum Thema „Regionale Vermarktung – So schmeckt Bayern“ Fachwissen vermittelt. Die Gastronomie sei dankbarer Abnehmer ihrer Produkte, versicherte Siegfried Gallus und spornte zu höherer Produktion und offensivem Marketing an. „Wir müssen doch keine Erdbeeren aus Chile verarbeiten“, appellierte er an die Zuhörer aus dem Gastgewerbe.

Die Umsetzung scheint noch Zeit zu brauchen. Nach Meinung der Aussteller waren „viel zu wenige Wirte und Köche“ auf der Messe. Vielleicht dringt die Botschaft von Wirtschaftsminister Josef Miller im Nachhinein durch: „Bayern ist ein Spezialitätenland. Vor allem in der Gastronomie sollten mehr heimische Gerichte angeboten werden.“ Alexandra Lindinger


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