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Pfiffiges Duo: Kreative Rezepte sind das Markenzeichen von Jörg Raufeisen (links) und Ole Plogstedt Foto: Helmut Heigert

Hamburg

Kochen für die Toten Hosen

Essen auf Rädern: Die Rote Gourmet Fraktion geht mit Rockbands auf Tournee / Kochkurse als Zusatzgeschäft

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/38 vom 22. September 2007
von

HAMBURG. „Kohllaschnikow“, „Granatasmati“ und „Schahschlick mit Jubelpersersauce“ – solche Rezepte sind das Markenzeichen der Roten Gourmet Fraktion (RGF). Seit 1993 kochen Ole Plogstedt und Jörg Raufeisen für Rockstars. „Wer normales Catering sucht, wendet sich nicht an uns“, sagt Ole Plogstedt.

Kennengelernt haben sich der Koch und der Patissier im Hotel Steigenberger in Berlin. Als es beiden nach dem Mauerfall in der Bundeshauptstadt zu unruhig wurde, zogen sie an die Elbe. Während Plogstedt in den Restaurants Nil und Cölln’s Austernstuben kochte, arbeitete Raufeisen als Patissier im Hamburger Marriott Hotel. „Irgendwann ging es nicht mehr weiter in unseren Jobs“, fügt Plogstedt hinzu.

Provokante Menüs

Erste Kontakte zu Musikern hatten sie während nächtlicher Kneipenbummel in der Hansestadt geknüpft. Die Gruppe The Cult gab ihnen den ersten Auftrag, während ihres Konzerts im Docks an der Reeperbahn für 30 Personen zu kochen. Auf der Karte standen „Ratte in Rollsplitt“ und „Huhn in Mohn paniert“. Es folgten Tourneen mit den Ärzten, den Toten Hosen und Philip Boa & The Voodoo Club. „Wir waren damals neun Monate im Jahr auf Tournee“, erzählt Plogstedt. Zwischendurch kochte das Duo auf Festivals und Einzelveranstaltungen. Auch wenn zurzeit ihrer Namensfindung die Rote Armee Fraktion (RAF) schon Geschichte war, wählten sie oftmals politisch provokante Namen für ihre Gerichte. So servierten sie als Anspielung an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking „Rotkohlblüte mit Studentenfutter“. „Manche Gäste verstanden die politischen Anspielungen jedoch nicht“, fügt Plogstedt hinzu.

Catering für Bands ist ein Knochenjob. Die Arbeitstage dauern teilweise bis zu 19 Stunden. Frühstück gibt es meistens als Buffet. Anschließend fährt Jörg Raufeisen in den nächstgelegenen Großmarkt, um für bis zu 120 Personen einzukaufen. Um 12 Uhr gibt es meistens Suppe. Ab 14 Uhr bereiten die Köche Lunch für die Crew zu. Abends kocht RGF zwei oder drei warme Gerichte. Meistens ein Fisch-, ein Fleisch und ein vegetarisches Essen, die als volle Portionen serviert werden: „Die Leute wollen satt werden“, sagt Raufeisen. Die Bandmitglieder essen häufig erst nach dem Auftritt.

Dabei erfüllen die Köche auch Sonderwünsche für Veganer und gesundheitsbewusste Musiker. „Das Essen muss vor allem leicht verdaulich sein“. Anschließend entwickelt sich manchmal spontan eine After-Show-Party hinter der Bühne. Doch viel getrunken werde meistens nicht. Raufeisen: „Am nächsten Tag müssen alle wieder fit sein.“ (siehe Kasten)

In diesem Jahr ist die Rote Gourmet Fraktion nur noch vier Monate auf Tournee. „Wir machen inzwischen auch viele andere Jobs“, sagt Raufeisen. So haben beide in Pinneberg eine Produktionsküche aufgebaut, in der sie unter dem Motto „Kochen für Rockstars“ auch Kochkurse veranstalten. „Die laufen sehr gut“, sagt Raufeisen. Außerdem haben sie unter dem Titel „Schmatzen, schmecken, schmökern“ eine Kochshow mit Literaten für bis zu 150 Gäste entwickelt, mit der sie auf Tournee gehen wollen. Bei größeren Veranstaltungen arbeiten sie auch mit Köchen wie Tim Mälzer zusammen. Dabei werden die Speisen im Team entwickelt. Raufeisen: „Wir wollen nicht nur die Arbeitskraft der anderen Köche, sondern auch ihre Kreativität.“ Helmut Heigert

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