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Toleranz in Raucherfragen: Restaurantleiter Denis Nocken von der Brauerei-Gaststätte Zum Hirschchen unterstützt die Petition Foto: Regina Goldlücke

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen Kulturgut Kneipe in Gefahr

NRW plant das absolute Rauchverbot / Gastronomen rechnen mit Umsatzrückgängen / Petition zeigt Gästemeinung

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/9 vom 25. Februar 2012
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DÜSSELDORF/REMSCHEID. „Mit dem generellen wird systematisch ein demokratisches Grundrecht unterwandert“, empört sich Susanne Plätzer. „Ich setze mit meinen bescheidenen Mitteln alle Hebel in Bewegung, die Bevölkerung mobil zu machen, so lange es noch nicht zu spät ist.“ Die Remscheiderin ist seit 25 Jahren Wirtin der 68-Quadratmeter-Kneipe Marktplatz, in der nach der momentanen Regelung geraucht werden darf. Sollte es der rot-grünen Landesregierung gelingen, ab Sommer das angepeilte totale Rauchverbot gesetzlich zu verankern, sieht Susanne Plätzer schwarz.

„Ich rechne mit einem Umsatzrückgang von 10 Prozent, und das ist noch niedrig gegriffen. Diese Einbuße würde mich dazu veranlassen, meinen Laden zu schließen“, versichert sie. Warum nicht alles lassen wie es ist? Das bestehende Nichraucherschutz-Gesetz hält Susanne Plätzer für ausreichend. „Jeder, der lesen kann, ist geschützt, indem er eine Raucherkneipe eben nicht betritt, wenn er das nicht will. Der Regierung geht es in Wahrheit um ein Verbot des Tabakkonsums. Warum wird das nicht ehrlich zugegeben?“

Rückhalt vom Verband

Die einzige Chance zur Umkehr sieht die Gastronomin in einer erfolgreichen des Vereins BFT – Bürger für Freiheit und Toleranz www.openpetition.de ), die von vielen Wirten unterstützt wird. Sie hofft darauf, dass bis zum Ablauf der Frist am 8. März möglichst viele Stimmen zusammenkommen. „Ich schicke Mails durch ganz NRW“, sagt Pältzer. „Leider sind die Leute oft nicht genügend informiert. Auch die Medien halten sich sträflich zurück und kommen ihrer Pflicht zur Aufklärung nicht nach.“

Ganz einsam an der Front sind die Gastronomen allerdings nicht. Auch die CDU bezog Stellung gegen das Verbot, ebenso die FDP, die sogar reimte: „Grün-rotes Rauchverbot ist der sichere Kneipentod“. Vor allem aber gibt der DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
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starken Rückhalt. Er setzt alles daran, das „gesetzlich verordnete Kneipensterben“ in dem bevölkerungsreichsten Bundesland abzuwenden. In einem offenen Brief an die Mitglieder der Landesregierung spricht sich der Verband für einen „Nichtraucherschutz mit Augenmaß“ aus und warnt vor den Folgen eines absoluten Verbotes: Einschränkung der ohnehin begrenzten Entscheidungsfreiheit von Gästen und Unternehmern, Stigmatisierung einer bestimmten Gästegruppe, Ungleichheit des Wettbewerbs, Verlust des Kulturguts . Es drohe die Zerstörung von bis zu 3000 Betrieben, 9000 Personen könnten davon direkt betroffen sein.

Und ähnlich wie Susanne Plätzer und andere Gastronomen hegt auch der den Verdacht, es ginge bei dem Gesetzesentwurf „nicht mehr nur um den Schutz von Nichtrauchern, sondern darum, ganz bestimmte Lebensweisen zu sanktionieren und unmöglich zu machen.“ Vor allem ist die Enttäuschung über Ministerpräsidentin Hannelore Kraft groß, die bereits befand: „Das Nichtraucherschutzgesetz soll trotz Widerständen deutlich verschärft werden. Die Schlacht ist längst geschlagen.“

Zu voreilig, meint nicht nur der DEHOGA. Marc Benden, Betreiber der Düsseldorfer Cigarworld, prangert „ein gewisses politisches genussfeindliches Gehabe“ an. Auch er legt das generelle Rauchverbot als Bevormundung aus. „Als seien Raucher bemitleidenswerte Wesen, die man zwangsbeglücken muss“, wettert er. „Mal ensthaft gefragt: Wen bitte stört ein abgegrenzter Nebenraum für Raucher im Speiselokal oder eine Zigarren-Lounge?“ Es sei doch geradezu absurd, das Gesetz auf einen Betrieb wie den seinen auszudehnen. „Wir verkaufen Zigarren und bieten in unserer Lounge Getränke an, wenn sich jemand eine Weile bei uns aufhalten möchte. Diesen Service müsste ich im Sommer einstellen und die Hälfte meiner neun Mitarbeiter entlassen“, sagt Benden.

Friedliches Nebeneinander

In der Brauerei-Gaststätte Zum Hirschchen gibt ein Schild an der Tür einen eindeutigen Hinweis: „Im Jagdzimmer darf geraucht werden.“ Der Raum, von der Schlösser-Brauerei 2008 modernisiert, wird mit seinen maximal 70 Plätzen gern genutzt. „Bei uns herrscht ein friedliches Nebeneinander von Rauchern und Nichtrauchern“, bestätigt RestaurantleiterEndverantwortlicher für die gesamten Abläufe des Servicebereichs im Hotel oder Restaurant.
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Denis Nocken. „Die Raucher sind froh über das Refugium und schätzen es, sich zum Kartenspielen oder auf ein Bierchen zurückziehen zu können.“

Dramatisch würde sich ein Verbot zwar nicht auswirken, räumt Nocken ein. „Unser Betrieb wäre in seiner Existenz nicht bedroht. Aber wir haben sehr wohl Signale, dass sich die Verweildauer unserer Gäste stark verkürzen würde. Umsatzeinbußen hätten auch wir zu fürchten. Schon deshalb plädieren wir für Toleranz und schließen uns der Petition aus voller Überzeugung an.“ Regina Goldlücke




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