Anzeige

Ihr Lieblingsplatz: Conny Weiss inmitten ihrer Bücherschätze

© Carla Marconi

Mecklenburg-Vorpommern

Leseratten droht schlaflose Nacht

Stöbern, tauschen und sich erholen: Im Gutshotel Groß Breesen warten mehr als 100.000 Bücher auf Gäste und Leser

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/24 vom 14. Juni 2008
 Carla Marconi

GROSS BREESEN. Jede Ritze des Bücherhotels atmet Geschichte und Geschichten. So handelt es sich beim Hotel nicht nur um ein restauriertes Gutshaus von 1833. Zusätzlich finden sich überall im Haus erzählträchtige Bücher – auf Regalen, Tischen, Fenstersimsen, auf der Toilette, im Wintergarten, in der gemütlichen Bibliothek und sogar in einer langgestreckten Scheune. Mittlerweile sind es rund 100.000 Exemplare. In diesem Jahr feiert das erste Bücherhotel Deutschlands, das Gutshotel Groß Breesen (bei Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern sein zehnjähriges Bestehen. Direktorin Conny Weiss blickt auf die wechselvolle Geschichte ihres Anwesens zurück.

Start mit Hindernissen

Seit Conny Weiss 1992 mit dem Umbau des alten Gutshauses zum Hotel angefangen hat, ist in den Ort etwas mehr Leben eingekehrt. Wanderer, Biker, Paddelfans und nicht zuletzt Bücherfreunde finden nun den Weg nach Groß Breesen in das Hotel, in dem sie mit offenen Armen von Conny Weiss und ihrem Team empfangen werden. Sie sei so etwas wie die gute Seele des Hauses, schließlich sei das Hotel quasi um sie herum gebaut worten.

Doch bis das Gutshotels 1998 eröffnen konnte, musste die heute 45-Jährige noch einige Probleme aus dem Weg räumen. Nach Baubeginn 1992 – neben der Renovierung des alten Gutshauses mit dem Hauptgebäude, wurde auch mit dem Neubau von zwei weiteren Gebäuden begonnen – mussten die Arbeiten 1994 auf Grund einer Fehlkalkulation des Architekten für einige Zeit gestoppt werden. „Ich zog mit meinem damaligen Mann und schwanger in einen Wohnwagen nebenan, denn wir mussten in der Nähe unserer halbfertigen Baustelle bleiben“, erinnert sich Weiss. 3,5 Jahre später konnte die Familie, der nun ein weiterer Nachwuchs ins Haus stand, in den vorderen Teil des Baus ziehen, während im hinteren Teil des Haues kräftig gehämmert und gebohrt wurde. 1998 schließlich waren die großen Bauarbeiten beendet und das Hotel nahm den Betrieb mit 26 Zimmern auf. Vier weitere Zimmer, der Tagungssaal und der Wintergarten kamen später hinzu.

Idee aus der Fachpresse

Im Laufe dieser Zeit entstand auch die Idee mit dem Bücherhotel. „Ich hatte damals in der AHGZ von dem ersten Bücherdorf Hay-on-Wye in Wales gelesen und war begeistert“, erinnert sich die 45-Jährige. Sie sei sofort nach Wales geflogen, um sich ein Bild von dem Dorf vor Ort zu machen. Schließich besaß sie unzählige Bücher. Zum einen konnte sie Bücher nicht nur einfach ausleihen sondern musste diese auch besitzen. Zum anderen rettete sie den Bestand der Bibliothek ihrer alten Hochschule, die nach der Wende aufgelöst wurde. So begann sie den Betrieb des Bücherhotels mit einem Grundstock von etwa 5000 Exemplaren. Später kam ihr noch ein Einfall: „Wie wäre es, wenn die Gäste hier einfach ihre alten Bücher gegen noch nicht gelesene aus dem Hotelbesitz tauschen könnten?“ Gesagt, getan. Bis heute heißt es im Gutshotel Büchertausch 2:1. „Wir haben sogar Gäste, die am Wochenende nur zum Stöbern und Tauschen herkommen“, erläutert Conny Weiss.

Die Hauptkundschaft kommt jedoch meist für ein langes Wochenende, hauptsächlich in den Wintermonaten, oder für länger als eine Woche im Sommer. Bei Letzteren handelt es sich um die aktivere Klientel, die die Umgebung erkunden, um die Seele baumeln zu lassen. Jahreszeitenbedingt sind auch die zahlreichen Veranstaltungen, die Conny Weiss anbietet. Diese reichen von Packages wie „Vollmond-Serenaden für Verliebte“ bis hin zu Arrangements für Großeltern und Enkeln. Carla Marconi


ThemenalarmKommentierenDrucken

Weitere Artikel aus Regional und Lokal vom :

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige