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Kopfarbeit und Virtuosität sind gefragt: Die beiden WM-Strand-Organisatoren, Harry Kläger (l.) und Oliver Widmann, sind am Ball Foto: Kuhnert

Baden-Württemberg

Marktplatz wird Fußball-Strand

Zwei Freudenstädter Gastronomen planen zur Weltmeisterschaft ein ambioniertes Groß-Event / Zahlreiche Kooperationspartner

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/18 vom 6. Mai 2006
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FREUDENSTADT Harry Kläger, Wirt des „Bierfässle“ in Freudenstadt, und Oliver Widmann, Chef der Discothek „Martinique“, haben schon einige Events gestemmt. Jetzt wagen sie sich an ihre bislang größte Herausforderung. Zur Fußballweltmeisterschaft wollen sie den Marktplatz in Freudenstadt vom 9. Juni bis 9. Juli zum WM-Strand machen.

Im Vorfeld wechseln sich Euphorie und Bammel vor der eigenen Courage ab: „So etwas haben wir noch nie gemacht. Andere Städte sagen ihre WM-Events wegen der davonlaufenden Kosten ab, unsers wird fast täglich größer“, meint Oliver Widmann. Er gesteht, deswegen schon ein paar schlaflose Nächte gehabt zu haben. Denn schließlich ist der Marktplatz in Freudenstadt der größte der Republik.

Ein WM-Strand mitten im Schwarzwald, wie hat man sich das vorzustellen? Zunächst einmal mit über 100 Tonnen feinkörnigem Sand, die auf den Marktplatz gekarrt und mit Baumstämmen eingegrenzt werden. Darauf entsteht ein riesiges Beach-Fußballfeld mit Strandatmosphäre, Palmen, Liegestühlen und Strandkörben. Dazu kommen ein anspruchsvolles VIP-Zelt und, in Zusammenarbeit mit einem Radiosender, ein WM-Biergarten. In Zelt und Biergarten werden die Spiele der WM auf Großbildschirmen übertragen, bewirtet wird täglich von 11 bis 23 Uhr. „Nicht in Ballermann-Manier“, beeilt sich Harry Kläger zu versichern: „Das wird Fußball mit Niveau, wir wollen auch kulturell und lukullisch etwas Besonderes bieten“. Spielen etwa bei der WM die Nationalmannschaften von Mexiko gegen Angola, gibt es auf dem Marktplatz eine mexikanische Nacht, beim Spiel Argentinien gegen die Elfenbeinküste Latin-Musik und Bullriding.

Seit gut einem Jahr basteln die Gastronomen an ihrem Konzept. Ihnen ist es dabei gelungen, zahlreiche gastronomische Betriebe, Firmen und andere Veranstalter als Partner zu gewinnen. So wird es während der WM eine feste Zusammenarbeit mit örtlichen Kollegen am Marktplatz geben, zwei Brauereien spannen sich erstmals zusammen, um ein Motorradtreffen auszurichten, der DEHOGA Freudenstadt will sich gastronomisch präsentieren. Außerdem wird mit Vereinen und landsmännischen Kulturvereinen kooperiert. Mehr noch: Ins Weltmeisterschafts-Programm wurden Traditionsveranstaltungen auf dem Marktplatz wie etwa der viertägige Hamburger Fischmarkt, ein zweitägiges Afrikafest oder das große Stadtfest der Freudenstädter Gastronomen integriert. „Das hat zwar einige Gespräche gebraucht, aber mit gutem Willen geht alles“, meint Harry Kläger zufrieden.

Das alles wäre nicht finanzierbar ohne die Stadt Freudenstadt und den Hauptsponsor Alpirsbacher Klosterbräu. Kläger und Widmann hatten zunächst gar nicht gewagt, für ihre Pläne Freudenstadts „heiligen“ oberen Marktplatz überhaupt in Erwägung zu ziehen, da kam ihnen die Stadt in Person von Veranstaltungsleiterin Corinna Helfrich entgegen. Jetzt sitzt die städtische Kurverwaltung als Mitveranstalterin im Boot. „Der Stadt haben wir sehr viel zu verdanken“, so Kläger.

Rund 20.000 Euro, schätzt Oliver Widmann, werden an Vorleistungen in das Projekt fließen. Am meisten Sorge bereitet ihm das Personal. Bis zu vier Saisonkräfte sollen fest angestellt werden, bis zu 20 Kräfte werden an Spieltagen der deutschen Mannschaft benötigt. Und noch etwas will bedacht sein bis zum WM-Finale am 9. Juli, wenn Vize-Grill-Weltmeister Thomas Völpel seinen Riesengrill aufstellt: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir die Werbe-Bestimmungen der Fifa nicht verletzen“, so Widmann.

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