Mecklenburg-Vorpommern Jungspund wird Vapiano-Wirt
Will sein eigener Chef sein: Der 23-jährige Benny Müller stürzt sich begeistert in das Abenteuer Gastronomie
ROSTOCK. Benny Müller scheint vor Energie zu bersten. Gut gelaunt wuselt er durch ein vermeintliches Chaos aus halbfertigen Küchenzeilen und werkelnden Handwerkern. Und doch bewahrt der 23-Jährige die Ruhe. „Mittlerweile muss ich doch schon wieder etwas hinterher sein, dass die Bauleute nicht nachlassen“, sagt Benny Müller, der am 23. März am Neuen Markt in Rostock die erste Vapiano-Filiale offiziell eröffnen will.
Dafür hat er ein Eckgebäude bezogen, das schon vor mehr als 150 Jahren als Hôtel de Russie zum ersten Haus am Platze gehörte. „Ich möchte den Markt wieder lebendiger machen“, sagt Müller, der durchaus stolz auf die Geschichtsträchtigkeit der Hülle seines neuen Restaurants ist. Als Vapiano-Franchise-Nehmer habe er natürlich Vorgaben, diese würden ihn allerdings zu keiner Zeit daran hindern, Ideen durchzusetzen. „Ab dem ersten Tag werden hier 50 Leute arbeiten“, sagt der gebürtige Rostocker. „Die meisten sind aus der Stadt. Es sind Mitarbeiter, die eine positive Lebenseinstellung besitzen. Bei Vapiano muss man kein gelernter Koch sein, um gutes Essen zuzubereiten. Hier zählt vor allem die Fähigkeit zum Entertainment.“
Nicht umsonst ist das Kernstück des Lokals die Showküche, die von Michael Ott, Planer beim Franke Food Service, entworfen wurde. Hinterm Tresen werden junge Leute vor den Augen der Kunden die Gerichte kreieren und dabei für Unterhaltung sorgen.
Benny Müller ist ein klassischer Seiteneinsteiger. Nach dem Abitur interessierte er sich zuerst fürs Bauwesen. Vier Semester studierte er diese Fachrichtung, nachdem er den Exklusiv-Vertrag als Vapiano-Franchise-Nehmer für Rostock bereits in der Tasche hatte. Denn eigentlich gehörte seit seinem 17. Lebensjahr dieser ganz besonderen Form der Gastronomie sein Herz, nachdem er in Hamburg erlebt hatte, wie ein Vapiano-Restaurant funktioniert. Also begab er sich in der Hansestadt auf die Suche nach einem geeigneten Standort, was sich als weitaus schwieriger erwies, als anfangs von ihm angenommen. Rückschläge blieben nicht aus. Allerdings gaben die ihm Zeit, bei Vapiano drei Jahre lang sämtliche Arbeitsbereiche zu durchlaufen und sich so zu einem Spezialisten des Unternehmens zu entwickeln. „Ich habe an der Abwäsche gestanden, war im Service tätig, arbeitete im Management und war dabei, wie europaweit Filialen eröffnet wurden.“
Als er glaubte, beim Rostocker Rathaus die perfekte Lage gefunden zu haben, nahm er rund 1,5 Mio. Euro in die Hand und legte los. „Das wird alles ganz sauber über Banken finanziert“, sagt Benny Müller ohne Scheu. Für die Zukunft ist er zuversichtlich. Die Rostocker brauchen ein Restaurant wie Vapiano, glaubt er. „Außer Brot (Leseprobe und weitere Informationen zum Buch "Brot") und Eis produzieren wir im Restaurant alles selbst“, versichert der junge Mann. Sein Lokal soll ein Haus für jedermann sein. „Keine Reservierungen, kein Dresscode – aber ein Platz für vielfältige Kommunikation.“ Lange Tische sollen die Leute zusammenbringen. Und das fast ohne Pause. „Geöffnet haben wir täglich von 10 bis 0 Uhr“, sagt Müller. Und bald wird der Gastronom auch ins Freie gehen. Derzeit sind 60 Plätze vorgesehen, 100 sollen es aber einmal werden. Jens-Uwe Berndt



