Tourismus
Mehr als nur ein Industrieland
MINDEN. Zwei Kernthemen bestimmten die Delegiertenversammlung des DEHOGA Nordrhein-Westfalen: DEHOGA-Präsident Olaf Offers stellte in Minden die Lage und die Entwicklung des Gastgewerbes im Land vor. Außerdem präsentierte Barbara Loth von der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants den Hoteliers und Gastronomen die ersten Details des Masterplans. Mit diesem Plan will sich das Tourismusland NRW neu auf dem Markt aufstellen.
Offers sieht den Masterplan als dringend notwendig an, weil die Wachstumsschätze der Region nicht effektiv genug gehoben würden. „Der Masterplan wird die Grundlage sein, mit deren Hilfe wir hoffentlich den Tourismus aus seinem Nischendasein herausholen können“, betonte der DEHOGA-Präsident. „Nordrhein-Westfalen wird bis jetzt mehr als Industrieland gesehen denn als touristische Destination.“ Mit dem Masterplan wolle man neue Chancen aufzeigen.
In Gegenwart von Christa Thoben, NRW-Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, machte Olaf Offers den Delegierten Mut: „Wir haben keine Alpen, keine Nordsee. Trotzdem müssen nicht 82 Prozent der im deutschen Tourismus erwirtschafteten rund 60 Mrd. Euro in andere Regionen fließen“, meinte Offers und rät: „Lassen Sie uns mit unseren Pfunden wuchern: 2010 ist Metropolen-Jahr im Ruhrgebiet, der Mix aus Kultur- und Naturangebot sucht seinesgleichen.“ Man müsse Anlässe schaffen, nach NRW zu kommen. Für den vor vier Monaten gestarteten Masterplan liegt bisher aber nur ein erstes Zwischenergebnis vor, berichtete Barbara Loth von der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants, die vom Land den Zuschlag bekommen hat, den Plan auszuarbeiten. Doch der Masterplan ist bisher nur Theorie: Einer ersten Analyse zufolge erfährt der Tourismus im Land Nachteile aufgrund seiner kleinteiligen organisatorischen Struktur, die koordinierte Reaktionen erschwert.
Der Masterplan will die bisherigen Werbeaktivitäten durch konsequentes Zielgruppen-Marketing begleiten. Bei Roland Berger gibt man sich optimistisch. Professor Dr. Björn Bloching: „Damit wird die Reisedestination NRW an Bedeutung gewinnen und zusammen mit einem strukturellen und organisatorischen Lifting auch für andere Bundesländer Maßstäbe setzen können.“
Auch die Situation des Gastgewerbes zwischen Aachen und Minden beschäftigte die Delegierten des DEHOGA. „Mehr als 185.000 Menschen und 15.000 Auszubildende erwirtschaften in 44.000 Betrieben zusammen mehr als elf Milliarden Euro im Jahr“, sagte Olaf Offers. Allerdings fällt es ihm in Zeiten der Finanzkrise schwer, bei den gegenwärtigen Zahlen nicht beunruhigt zu sein. Es gehe nicht darum Panik zu machen oder Horrorszenarien zu malen, betonte Offers.
„Abwiegeln und Leugnen hilft auch nicht weiter. Die Übernachtungszahlen gehen zurück, der Gastronomie bleiben die Gäste aus. Verbraucher und Firmen drücken die Sparbremse“, klagte der Präsident.