Rheinland-Pfalz
Nächste Ausfahrt Hocheifel
Von der 12-Zimmer-Pension zum gefragten 4-Sterne-Haus: Ein Hotel erschließt sich durch Investitionen neue Zielgruppen
WERSHOFEN. Am Anfang stießen die Jungunternehmer nur auf Zweifel: Als sich Helma und Günter Caspary 1980 entschlossen, rund 1,2 Mio. Mark in den Umbau ihres kurz zuvor übernommenen Restaurants zu stecken, zeigte sich nicht nur die Hausbank skeptisch.
„Irgendjemand ließ uns sogar eine Langspielplatte mit dem Titel ‚Wer soll das bezahlen’ zukommen“, schmunzelt Helma Caspary heute. Zu gewagt erschien vielen die Vision des jungen Ehepaars, im österreichischen Einrichtungsstil etwas Außergewöhnliches in der Eifel etablieren zu wollen. Zu abgelegen schien das verkehrstechnisch ungünstig angebundene Wershofen, um selbst die zwölf Gästezimmer der angeschlossenen Pension wirtschaftlich auslasten zu können.
Doch die Skeptiker sollten irren: Gäste aus dem Beneluxraum und aus Nordrhein-Westfalen sorgten in den Folgejahren für eine kontinuierliche Auslastung von Pension und Restaurant. Es folgten Investitionen: Die Rezeption und die Küche des Hotels Kastenholz wurden vergrößert, ein Weinkeller und ein 12 Hektar großes, frei begehbares Wildgehege entwickelten sich zu neuen Anziehungspunkten für die Gäste. 1999 entschied sich das Unternehmer-Ehepaar für einen Hotelneubau. Zwei Jahre und 9 Mio.
WEITERE BILDER ZUM ARTIKEL
Mark später hoben 38 neue Doppelzimmer, ein Wellnessbereich, zwei Konferenzräume für bis zu 80 Personen und ein Frühstücksrestaurant das Kastenholz in die 4-Sterne-Kategorie.
Gäste vom Nürburgring
„Mit dem Neubau hat sich auch unsere Klientel gewandelt“, bemerkt Günter Caspary. Rund ein Drittel des Jahresumsatzes bringen im Kastenholz heute noch die Urlaubsgäste ein. Den gleichen Anteil machen Kongress- und Motorsportgäste aus, die es vom nahen Nürburgring nach Wershofen zieht.
Sie haben das ruhige Umland und das Ambiente des 4-Sterne-Hauses schätzen gelernt: „Zwei Jahre nach dem Neubau waren wir auch in der Formel eins bei den Rennteams etabliert“, stellt Günter Caspary fest. Mit dem Bau eines Heliports richtete sich das Hotelierehepaar 2006 nach den Anforderungen der Hochpreisklientel, die sieben Flugminuten von Wershofen entfernt den Sekunden nachjagt. Auf das 215-Mio.-Euro-Großprojekt „Nürburgring 2009“ schaut man in Wershofen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Aussicht auf mehr Gäste an der Rennstrecke steht im Kontrast zu einem dort geplanten Hotelneubau (AHGZ vom 8. Dezember 2007) und der hieraus entstehenden Konkurrenz.
Insgesamt sieht man sich jedoch im Kastenholz nach dem Umbau und der Aufwertung von zwölf Doppelzimmern auf gut gerüstet für die Zukunft. Nicht zuletzt, weil mit Carla Caspary bereits die nächste Hoteliergeneration in den Startlöchern steht. Die Diplom-Kauffrau ist seit 2007 Mitglied der Kastenholz-Geschäftsführung. Sie möchte in Zukunft über Kooperationen den Eventcharakter des Hotels und der Hocheifelregion stärker in den Blickpunkt rücken.
Neue Wege geht die Unternehmensnachfolgerin bereits im Vertrieb der Produkte, die die hauseigene Wildzucht hervorbringt. Seit einigen Monaten sind Wildprodukte aus der Kastenholz-Zucht nicht mehr nur auf der Speisekarte des eigenen Restaurants zu finden, sondern auch in mehreren Filialen einer großen deutschen Handelskette. Thorsten Keller


