Thüringen
Neue Geschäftsidee: Kellner auf Abruf
Dirk Stelter wurde mit „Theos Gastro-Service“ vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft zum „Ich-AG-ler des Monats“ gekürt
ILMENAU Es ist normal, dass ein Kellner auf Bestellung kommt. Die Regel ist aber gewiss nicht, dass er auf eine telefonische Bestellung hin kommt. Das tut Dirk Stelter seit wenigen Monaten und der Verlag für die Deutsche Wirtschaft hielt die Idee des Existenzgründers für so gut, dass er ihn unlängst zum „Ich-AG-ler des Monats“ kürte.
Den Beschluss, eine Ich-AG zu gründen, fasste der inzwischen 39-jährige gelernte EDV-Facharbeiter, der sich zur politischen Wende in Ostdeutschland neu orientieren musste, als ihm 2003 als Kellner im Musik-Café in Ilmenau aus betrieblichen Gründen gekündigt wurde und nach zwei Monaten kein neuer Job in Aussicht war. Geschäftsinhalt der „Aktiengesellschaft“: Als Kellner auf Abruf springt er in Gaststätten oder bei Events mit gastronomischer Versorgung ein, wenn Not am Mann ist. Er habe Handzettel mit Infos über seine Geschäftsidee in Kneipen verteilt, erklärt er, und Resonanz gefunden. Mittlerweile nähmen vier verschiedene Lokale des Ilmkreises seine Dienste in Anspruch. Dazu gehört auch das Ilmenauer Musik-Café. Martina Pohl, die Chefin des Lokals, begründet lakonisch, warum sie das tut: „Das ist eine absolute Vertrauensperson für mich, er ist zuverlässig und fleißig...“ Und als früherer Mitarbeiter auch insofern erste Wahl, als so gut wie keine Einweisung nötig ist, wenn es Arbeit auf Zeit gibt.
Also sozusagen Brutto-Arbeitszeit = Netto-Arbeitszeit. In Bezug auf diese Zeiten muss Stelter freilich flexibel sein. Allerdings ist es nicht nur Glück für den „Springer“, dass es bisher mit den Einsätzen geklappt hat. Denn als Ex-DDR-Bürger baut er auch auf eine Art Planwirtschaft: Vorsorglich hat er sich einen persönlichen Dienstplan mit den möglichen Einsatzzeiten und den wünschenswerten Einsatzorten erstellt und dann mit den potenziellen Arbeitgebern abgestimmt. An dieser Stelle kamen natürlich auch die Kontakte mit der umliegenden Gastronomie zum Tragen, die seit Jahren bestehen. Das heißt, Dirk Stelter hat sich mit Dienstleistungsangeboten an die Gastwirte gewandt, die am voraussichtlichen Bedarf orientiert waren, also insbesondere in Kenntnis der Spitzenzeiten entstanden. Also Dienstag- bis Sonntagabend mit Open end. Daraus folgen zeitliche Reserven „tagsüber“ – deshalb bemüht er sich für solche Zeiten um Jobs bei Festlichkeiten, Messen oder dergleichen. Die gute Arbeit, die der freiberufliche Kellner leistet, scheint ihre positive Wirkung nicht zu verfehlen: Inzwischen liegt ihm beispielsweise auch schon das Angebot vor, einen Gastwirt über mehrere Tage zu vertreten.
Dirk Stelter wird übrigens in der „Szene“ Theo genannt. Das soll etwas mit einem Song zu tun haben, in dem es heißt: Da, wo andere aufhören, fängt er an. Der Kellner auf Abruf entschied sich quasi dem Ruf folgend, sein Unternehmen „Theos Gastro-Service“ zu nennen.


