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Einladendes Ambiente im Glashaus: Die Heimat ist nicht nur bei Szenegängern beliebt Foto: Christian Schmidt

Hessen

Neue Heimat für Frankfurts Szene

Die Betriebe des Designers Philipp Degenhardt bilden ein gastronomisches Dreieck im Zentrum der Bankenstadt

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/10 vom 8. März 2008
von  

FRANKFURT. Die Berliner Straße trennt die Altstadt Frankfurts von der City, doch in Sachen Gastronomie war sie vernachlässigt. Dass sich etwas getan hat, ist dem Designer Philipp Degenhardt zu danken. Seine drei Betriebe Riz, Mood und, ganz neu, die Heimat bilden dort nun ein gastronomisches Dreieck.

Degenhardt ist in der Frankfurter Szenegastronomie kein Unbekannter. Vor gut zehn Jahren eröffnete er mit einem Partner das Bistro Lüster in Bornheim. Zwei Jahre später zog es ihn in die Innenstadt. Er landete in der Berliner Straße, wo er 1999 die Astor-Bar eröffnete. Später kamen das Riz Café und die Mood Bar dazu. Die beiden im Retro-Stil eingerichteten Lokale liegen im Großen Hirschgraben, fast Rücken an Rücken mit Degenhardts neuem Baby, der Heimat.

Retro-Schick im Glaspavillon

Nebenher findet der beschäftigte Gastronom noch Zeit für Konzept- und Gastronomieberatung, die er gemeinsam mit dem Architekten Christian Schröder mit der Firma Gastraum Plan anbietet. Auch die Heimat haben sie gemeinsam konzipiert. „Der Name passt perfekt zu den Fünfziger Jahren und unserem Konzept“, findet Degenhardt.

Neun Jahre stand der 50er-Jahre-Pavillon leer, mittlerweile ist er denkmalgeschützt. Einst Heimstatt für legendäre Jam-Sessions internationaler Jazz-Größen, ist aus dem ovalen Glas-Pavillon eine gastronomische Perle im Retro-Schick entstanden. Das Lokal kommt ganz ohne volkstümelndes Dekor aus. Trotz der klaren, modernen Linien und viel Glas wirkt es warm und einladend. Naturstoffe wie Kupfer und Holz wurden sparsam aber effektvoll eingesetzt. Im Sommer kommt eine Terrasse hinzu.

Transparenz ist Teil des Konzepts. Die Gäste können an der Theke zuschauen, wie das Essen zubereitet wird. Von den Tischen geht der Blick durch raumhohe Scheiben zur Paulskirche gegenüber. Auch „nur einen Wein“ trinken ist in der Heimat drin. Degenhardt hat die Erfahrung gemacht, dass Gäste nur etwas Kleines wollen, dann aber durch die Speisen angeregt werden, doch ein großes Gericht zu bestellen.

Offene Küche wirkt anregend

Die Speisekarte ist klein: knapp zehn Positionen, darunter drei Tagesgerichte. „Es ist immer eine Suppe dabei, ein Salat, ein oder zwei Zwischengänge haben wir oft, bei den Hauptgängen meistens ein Fischgericht, sowie ein Dessert oder zwei“, erläutert der Inhaber. Herzhafte Bistro-Qualität entfaltet die geschmorte Kaninchenkeule mit Quitten und Speckknödeln. Fein der pochierte Skrei mit grasgrünem Kräuterrisotto. An der konstanten Qualität der Gerichte feilen die Betreiber indes noch. Der Beliebtheit tun die dienstplanbedingten Küchendurchhänger keinen Abbruch: Kaum eröffnet, ist die Heimat schon der neue Ausgeh-Liebling. Die Tapasteller, die dort nach 23 Uhr offeriert werden, sind von hoher (Bio-) Güte, auch die Brotsorten sind eine Erwähnung wert.

Vor allem Weinliebhaber finden hier eine neue Heimat im Wortsinn. Ganzer Stolz des jungen Teams ist die durchdachte Weinauswahl – die ja oftmals bei Gastronomen, die aus der sogenannten Szene kommen, eher nachlässig behandelt wird. Restaurantleiter Oliver Donnecker ist ein ausgewiesener Weinkenner. Der Sommelier hatte schon im ehemaligen Literaturhaus in der Bockenheimer Landstraße seine Fangemeinde. Mit gutem Grund: Die gut 100 Flaschenweine für 18 bis 75 Euro sind handverlesen und nachvollziehbar kalkuliert. Barbara Goerlich

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