Niedersachsen Ein Wirt spricht Klartext
Michael Möss beherrscht in seiner Gaststätte Mittelhaus das Gastro-Einmaleins perfekt
NORDEN. Der Ostfriese an sich mag nicht der redseligste Geselle im Land sein, aber wenn er etwas sagt, meint er es auch so! Zum Beispiel Michael Möss, Inhaber der Gaststätte Mittelhaus in Norden: Er kein Drumherum-Redner, er ist ein Klartext-Mann – auch und gerade, wenn es um seine Branche geht.
„Gastronomie stirbt an Kleinigkeiten!“, lautet etwa eine Überzeugung des 46-Jährigen. Man könne den tollsten Laden am besten Standort eröffnen, ohne das Gastro-Einmaleins werde sich kein Erfolg einstellen. Servicekräfte, die das Bierglas oben anfassen? Ein Graus! Tische, die nicht umgehend abgeräumt werden, wenn die Gäste gehen? Schlimm! Eine Kaffeetasse, deren Henkel aus Sicht des Gastes nicht auf halb fünf zeigt? „Da könnte ich mich aufregen“, sagt Möss und räumt ein, dass der Konjunktiv überflüssig ist. „Über so etwas rege ich mich auf!“
Ebenso darüber, wie einfach es geworden ist, eine Kneipe oder ein Café zu eröffnen. „Da denken dann irgendwelche Leute, die in anderen Jobs gescheitert sind, dass sie mal eben nebenbei Gastronomie machen können“, sagt er. Und genau in solchen Läden werde Gästen häufig vor Augen geführt, wie Gastronomie gerade nicht aussehen soll. „Nebenbei geht es in unserer Branche nicht, da sind immer 100 Prozent gefordert.“
100 Prozent würde sich Möss auch vom Gesetzgeber wünschen. „Stattdessen – immer wieder halbe Sachen!“ Beispiel Hygieneampel: „Was soll eine gelbe Plakette?“ Wenn er sein Auto zum TÜV bringe, falle es entweder durch oder eben nicht. „Da gibt es kein Zwischending, so sollte es auch in der Gastronomie sein.“ Beispiel Nichtrauchergesetz: „Erst hieß es, gar keine Zigaretten mehr, dann gab es plötzlich Sondergenehmigungen für kleine Kneipen“, sagt Möss und fragt ärgerlich: „Eigentlich war das doch ein Mitarbeiterschutzgesetz – sind etwa nur Mitarbeiter größerer Betriebe schützenswert?“ Er schüttelt den Kopf. So sehr sich der 46-Jährige bei diesen Themen ärgern kann, vom eigenen Betrieb spricht er ganz ruhig. Geöffnet ist sieben Tage die Woche ab 10 Uhr, fast immer bis Mitternacht, häufig bis 2, manchmal bis 4 Uhr. Die Gäste kommen mittags zum Eintopf, nachmittags für selbstgebackenen Apfelstrudel, abends auf ein Bier, ein Baguette – oder einen „Jägermeister zum Selbstzapfen“ (1 Euro), auf den ein rotes Schild über der Theke hinweist. Café, Bistro und Kneipe in einem, das Konzept funktioniert, auch in die Zukunft blickt Möss dank vieler jüngerer Gäste optimistisch (siehe Interview).
Damit der Erfolg im Mittelhaus beheimatet bleibt, agiert Möss in seinem Haus selbstverständlich nach seiner „Gastronomie stirbt an Kleinigkeiten“-Überzeugung – und achtet penibel auf die Einhaltung von Standards. Schließlich kaufte seine Familie das Traditionshaus, in dem seit 1877 die Bürger des Ortes bewirtet werden, nicht nur im Jahr 2000, sondern musste es für entsprechend viel Geld komplett abreißen und wieder aufbauen. Dass ein Kaffee nur halbvoll an den Tisch geht, weil ein Angestellter die Tasse nicht sofort richtig auf der Maschine platziert hat, kann Michael Möss da einfach nicht akzeptieren: „Gute Gastronomie darf nicht von der Tagesform der Mitarbeiter abhängig sein“, sagt der Klartext-Mann der AHGZ zum AbschlussBezeichnung für die letzte Stufe im Verkaufsprozess.
weiter mit Mausklick.... „Wir müssen jeden Tag höchste Qualität abrufen, das erwartet der Gast – und das darf er auch erwarten.“ Alexander Schmolke

