Niedersachsen Last but not least kommt das Hotel
Mit der Tennishalle fing es an: Hotel Novum hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte / Gästewünsche sind Triebfeder
Hinte. Noch nie hat ein privater Bauherr zunächst die Sandkiste für die Kinder angelegt, dann Kartoffeln angepflanzt, eine Terrasse errichtet und zum Schluss das Haus zum fertigen Garten gebaut. Übertragen aufs Hotelwesen gibt es aber eine solche Entstehungsgeschichte: Bühne frei für das Hotel Novum in Hinte bei Emden.
Vor 30 Jahren baute die Industriellenfamilie Ihnken eine Tennis- und Squashhalle. Als der Wunsch der Gäste nach Essen und Trinken immer größer wurde, kam ein 80-Plätze-Restaurant hinzu. Auf die Frage nach Besprechungszimmern reagierte man mit dem Bau von Tagungsräumen. Und vor 20 Jahren dachten sich die Ihnkens: Nun können wir auch gleich ein Hotel bauen. So entstanden hinter roten Backsteinmauern 33 Zimmer mit 60 Betten sowie ein Swimmingpool, sechs Kegelbahnen, vier Saunen und ein weiteres Restaurant.
„Diese Reihenfolge beeinflusst noch heute die Arbeit“, sagt Karl-Heinz Ottowitz, Hoteldirektor und Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft Treugast, die das Hotel seit März 2011 vor allem im Marketing unterstützt. Beispiel Familienfeiern: „Gerade in Ostfriesland haben viele Menschen Probleme, zum Geburtstag in ein Hotel einzuladen“, so der 53-jährige Ottowitz.
Diese Hemmschwelle gibt es im Novum nicht. Denn vom Gefühl her feiern die Leute nicht in einem Hotel, sondern dort, wo sie Tennis spielen – was Verkaufsgespräche sehr vereinfache.
An die Entstehungsgeschichte erinnert auch das Gastronomieangebot. So trägt das hoteleigene Restaurant den Namen Tennis-Treff und ist nur durch bodentiefe Fenster von den grünen Courts entfernt. Sprich: Fünf Meter entfernt von den Krabben auf dem Teller schlagen die Aktiven auf. „Als ich hier ankam, wollte ich das Restaurantgeschäft in unseren Frühstücksraum verlegen“, erzählt Ottowitz. Nachvollziehbar: Einrichtung und Ambiente des Raums sind einem 4-Sterne-Hotel „würdiger“. „Aber ich wäre für diesen Vorschlag fast durch die Emder Fußgängerzone gejagt worden“, erzählt der Direktor. „Die Leute lieben die Atmosphäre im Tennis-Treff – und das ist ja das Entscheidende.“
35 Angestellte arbeiten in Voll- und Teilzeit in den verschiedenen Geschäftsbereichen, von denen keiner ausgelagert ist. „Vom Tenniscourt über die Küche bis zum Pool haben wir alles selbst in der Hand“, sagt Ottowitz, „wir sind also alleinverantwortlich für Kritik und Lob.“ Glücklicherweise höre man meistens Lob, unter der Woche von Geschäftsleuten, am Wochenende von Sportlern und Radlern, die die Lage des Hotels schätzen: „In fünf Minuten sind sie in Emdens Innenstadt, in 15 Minuten an der Nordsee“, so der Direktor.
2011 sei ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr gewesen, so Ottowitz, auch 2012 laufe gut. Das bedeute freilich nicht, dass man sich zurücklehnen dürfe. „Wir müssen an die Zukunft denken“, sagt der Direktor, „und da ist es sicher denkbar, dass eines Tages das vorhandene Potenzial für eine Vergrößerung erschlossen wird.“ Mehr Zimmer fürs Hotel? Das wäre dann mal eine ganz konventionelle Art der Weiterentwicklung. Alexander Schmolke


