Niedersachsen Selfmade-Koch und mehr
Sternekoch Ernst-August Gehrke hat sich die feine Gourmetküche selbst erschlossen
BAD NENNDORF. 249 Sternerestaurants gibt es aktuell in Deutschland. Und wie die anderen 248, so verfügt auch Ernst-August Gehrke über großartige Fähigkeiten am Herd. Erlangt hat sie der Küchenchef des La Forge im Bad Nenndorfer Romantikhotel Schmiedegasthaus Gehrke allerdings auf etwas andere Weise als die meisten seiner ausgezeichneten Kollegen.
Wo bei anderen Sterneköchen gerne mal sechs, acht, zehn Stationen in der Vita vermerkt sind, darunter mehrere Sternerestaurants, herrscht bei Gehrke Ebbe: Nach seiner Ausbildung im KurhotelVoraussetzung ist aber, dass im Bedarfsfall eine medizinische Versorgung gewährleistet sein muss sowie eine Diät angeboten werden kann.
weiter mit Mausklick... Hannover (1973-1976) ging er umgehend in den elterlichen Traditionsbetrieb zurück. Hat er sich manchmal ein paar Wanderjahre gewünscht? „Vielleicht wäre es einfacher gewesen“, antwortet der 54-Jährige. „Zwar wird überall mit Wasser gekocht, trotzdem hätte ich mir sicher hier und da etwas abschauen und mich so schneller verbessern können.“
Dass Gehrke es trotzdem zum Stern gebracht hat, liegt an seinem Ehrgeiz: „Will ich den Rest meines Lebens Steaks wenden?“, fragte er sich eines Tages in den 80ern – und verneinte. Stattdessen setzte er sich mit Bruder Andreas, heute SommelierBerufsbezeichnung für Mitarbeiter, der in einem Restaurant den Inhaber und die Gäste hinsichtlich des Weinangebots des Hauses berät.
weiter mit Mausklick... des Hauses, das hohe Ziel, einen Stern zu holen. Gehrke begann, sich intensiv mit Kochkunst zu befassen, las Bücher, probierte neue Zutaten aus, machte Fehler, lernte daraus, steigerte seine Fähigkeiten – und erhielt als Lohn 1988 schließlich den Michelin-Stern. Den trägt der Selfmadekoch bis heute.
Diese Leistung ist umso beachtlicher, da Gehrkes Aufgabenfeld größer als das manches Kollegen ist: So kümmert er sich neben dem La Forge auch ums Schmiede Restaurant und die Dorfstube Esse, die ebenfalls zum Schmiedegasthaus gehören (siehe Interview). Und dann sind da noch die vielen Feiern und Bankette, ab und an zudem ein CateringLieferung, Versorgung oder Bereitstellung von Speisen und Getränken durch einen Caterer.
weiter mit Mausklick.... Komplimente dafür, trotz der Mehrfachbelastung seit 24 Jahren Mitglied im Club der Spitzenköche zu sein, lehnt Gehrke dennoch ab. Gemeinsam mit seinem Team bringt der 54-Jährige regionale Gerichte auf die Teller, die modern interpretiert und um mediterrane Komponenten erweitert sind. Ein Klassiker auf der La-Forge-Karte ist zudem die „Torte von Rotwurst und Gänsestopfleber“, die es bereits seit 15 Jahren gibt. „Allerdings sieht der Teller heute ganz anders aus als damals“, berichtet Gehrke von Veränderungen. „Das Anrichten hat sich stark verändert. Heute möchten es die Gäste viel feiner und bunter.“
Jeden Trend macht er aber nicht mit: „Das Euro-Asiatische hat mich gar nicht interessiert, einfach weil es mir vom Geschmack nicht zusagt“, erläutert er, „und auch die Molekularküche ist nichts, womit ich mich ganz eingehend befassen müsste.“
Neben all seinen Aufgaben ist Ernst-August Gehrke auch noch (wie sein Bruder) zweifacher Vater, und die ältere Tochter Nina trägt das Gastgeber-Gen in sich: Sie wird Restaurantfachfrau. „Es kann schon sein, dass sie hier eines Tages übernimmt“, sagt der Selfmadekoch. Zuvor möchte er seinen 24 Sterne-Jahren aber noch ein paar weitere hinzufügen – im Gegensatz zum Vater kann sich die Tochter also ruhig noch einige Wanderjahre gönnen.
Alexander Schmolke

