Nordrhein-Westfalen Eine, die anpackt
Astrid Lüpschen hat das Hotel Weilerhof zu einem 3-Sterne-Haus mit Perspektive gemacht
DORMAGEN. Mit welchem Pfund können Privathotels im Kampf mit den Ketten wuchern? Klar, mit der Persönlichkeit der Inhaber. Genau davon besitzt Astrid Lüpschen – rote Haare, ansteckendes Lachen, flottes Mundwerk, kann anpacken – jede Menge. Und deshalb vermag ihr Hotel garni Weilerhof in Dormagen auch am Markt zu bestehen.
Als die 39-Jährige nach ihren Wanderjahren – unter anderem Traube Tonbach, Parkhotel Gaggenau – 2003 das Hotel von ihren Eltern übernahm, war es Zeit für einen Umbruch. Mit Spitzengardinen, acht Zimmern und 2 Sternen wollte die staatlich geprüfte Ökotrophologin nicht weitermachen, zudem machten ständige Wasserschäden Renovierungen unumgänglich. Da die Banken ihr kein Geld geben wollten, kratzte Lüpschen ihr Erspartes zusammen und steckte auch sämtliche Überschüsse wieder in den Betrieb – insgesamt rund 150.000 Euro.
„Die Umbaujahre waren finanziell schwierig“, blickt die Inhaberin zurück. Auch die vielen Behörden-Vorgaben und die Versicherungen hätten ihr das Leben schwer gemacht. Aber die Mühen haben sich gelohnt: Mittlerweile bietet der Weilerhof zwölf Zimmer und vier Apartments, neben der Tür funkeln 3 Sterne.
Wie das geklappt hat? „Ich wollte nie ein spießiges Hotel führen, sondern es auf meine Art machen“, antwortet Lüpschen. Und diese Art schätzen viele Monteure und Geschäftsreisende. Dabei ist der Weilerhof nicht übermäßig günstig, zudem hält die Chefin wenig von Rabatten (siehe Interview). Aber ihr Einsatz ist den Gästen jeden Cent wert: Lüpschen serviert das Frühstück auch um 5 Uhr, wenn jemand früh los muss, näht Knöpfe an Oberhemden oder stellt ihren Grill zur Verfügung und macht Salate, wenn Gäste abends Lust auf Würstchen haben.
Diese Servicebereitschaft ist indes nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Da sehen Reisende eher das aufgesplitterte Pflaster in der Einfahrt oder die Scheune voller Krimskrams. Doch wer sein Zimmer betritt, atmet auf: Neue Matratzen, Flatscreens oder Regenduschen sorgen für Gästezufriedenheit. Die Erster-Eindruck-Baustellen können daher noch etwas warten. „Zumal ich lange nur investiert habe“, sagt Lüpschen, „die Vermögens- und Steuerberater sind zwar zufrieden mit mir, meinen aber, ich sollte mal kurz die Füße stillhalten.“
Was keineswegs bedeutet, dass die 39-Jährige nicht Pläne schmiedet. „Räumt man die Scheune leer, ist da massig Platz“, sagt sie vielsagend. Platz für ein Café oder einen Wellnessbereich etwa. Derzeit sei sie mit dem Hotel und als alleinerziehende Mutter von Sohn Jannes (9) aber bestens ausgelastet. Die Lust auf die Erweiterung ist ihr anzumerken – mit Blick auf ihr bisheriges Durchsetzungsvermögen dürfte es somit nur aufgeschoben sein, nicht aber aufgehoben. Alexander Schmolke
