Berlin
Ohne Plakette nicht in die City
Ab 2008 sind in der Innenstadt nur noch umweltsaubere Fahrzeuge zugelassen / BTM fordert Leitlinien für Ausnahmeregelungen
BERLIN. Ab 1. Januar 1008 gibt es in der Berliner Umweltzone kein Pardon mehr: Autos von Berlin-Besuchern ohne Umweltzonen-Plakette oder nicht mit Rußfilter ausgerüstete Reisebusse müssen am S-Bahn-Ring abgestellt werden. Das letzte Stück zur Unterkunft oder den Sehenswürdigkeiten der Stadt haben die Gäste dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per pedes zurückzulegen.
„Ausnahmen sieht die Kennzeichenverordnung, die das Fahrverbot regelt, nicht vor“, wird der zuständige Referatsleiter der Umweltverwaltung, Martin Lutz, in der Berliner Zeitung zitiert. „Auch Reisebusse sind kein Härtefall.“ Man könne erwarten, dass sich in- und ausländische Busunternehmen und Speditionen über die rechtlichen Regelungen am Zielort Berlin informieren, sagte Lutz.
Bezüglich des Geltungsbereichs von Ausnahmegenehmigungen in verschiedenen Städten und Regionen Deutschlands halten sich die Behörden noch bedeckt. So ist es unklar, ob Fahrzeuge mit einer in München ausgestellten Erlaubnis auch in der Hauptstadt fahren dürfen. Keine Sorgen müssen sich dagegen die Nutzer der Berliner Stadtautobahn machen. Für diese Bundesstraßen, die die Umweltzone teilweise tangieren, gibt es keine Einschränkungen.
Nach dem kürzlich gefassten Senatsbeschluss, in den Innenstadtbereichen ab Januar 2008 nur umweltsaubere Fahrzeuge zuzulassen, fordert insbesondere die Tourismusbranche schnellstmögliche Umsetzungsmodalitäten.
Natascha Kompatzki von der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) sprach sich mit Blick auf den Reisebusverkehr dafür aus, zügig die detaillierten Leitlinien für Ausnahmen vom Fahrverbot festzulegen. „Für Reisebusse brauchen wir eine verträgliche Regelung“, sagte sie. Vorsorglich informiert die BTM Reisende im Internet über die künftigen Bestimmungen.
Im Vergleich zu anderen Destinationen zählte Berlin mit seinen 80 innerstädtischen Busparkzonen bisher zu den busfreundlichsten Metropolen Europas. In Spitzenzeiten sind in diesem Areal bis zu 300 Touristikbusse unterwegs.
Der Hotel- und Gaststättenverband hat beim runden Tisch Tourismus den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ebenfalls auf das Problem der Erreichbarkeit der Cityzone für Besucher hingewiesen. „Besonders die zahlreichen Ausflügler sind betroffen“, gab HoGa-Vizepräsident Hans Eilers zu bedenken. Der Tagestourismus, eine bedeutende ökonomische Größe mit erheblichem Potenzial, ist in den letzten zehn Jahren um 64 Prozent gewachsen.
Jährlich besuchen derzeit mehr als 123 Mio. Tagesgäste die Spreemetropole. Ihr Anteil am touristischen Gesamtaufkommen liegt bei etwa 90 Prozent. Pro Kopf geben sie 33,80 Euro für Shopping, Gaststättenbesuche, Kunst, Kultur und Eventbesuche aus. Das ergibt einen Gesamtumsatz von rund 4,2 Mrd. Euro und sichert in den verschiedensten Dienstleistungsbereichen 90.000 Vollarbeitsplätze.
Marion Schlag
www.berlin-tourist-information.de

