Hessen
Potenzial für das Tagungsgeschäft
Frankfurt profitiert als Messestadt vom geplanten Kongresscenter / Internationale Vermarktung als Städtereisenziel
FRANKFURT. Die Messen seien schon lange nicht mehr, was sie mal waren, stöhnen die Hoteliers. „Messe in Frankfurt“ bedeutet für sie heute keineswegs mehr „ausgebucht“. Profitierte früher selbst das Umland bis Fulda, Wiesbaden und Mainz vom Übernachtungsaufkommen der Messebesucher, hat sich die Lage dramatisch verändert. Angesichts eines guten Dutzends neuer Hotelprojekte sehen die Hoteliers der Zukunft „mit Sorge entgegen“. Nach ihrem Dafürhalten reicht das vorhandene Geschäftsaufkommen für neue Hotelkonzepte nicht aus.
Deshalb ist es „ein absoluter Knaller“, dass im Europaviertel zwischen Messe und City ein neues Kongresscenter realisiert wird. „Eine große Chance für Frankfurt“, kommentiert Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus + Congress GmbH Frankfurt (TCF), das Projekt.
„Es gehen derzeit große Veranstaltungen an uns vorbei, weil wir zu wenig große Räume haben“, weiß Feda. So muss etwa die europäische Produkt-Präsentation von Microsoft mit insgesamt 5000 Teilnehmern aus aller Welt in Frankfurt auf mehrere Messehallen verteilt werden. Das Messegeschäft befindet sich in einem Veränderungsprozess. Die Messe Frankfurt etwa musste in den vergangenen Monaten einige herbe Schlappen einstecken. Die umkämpfte Spielemesse Games Convention kommt nicht an den Main, die Hair and Beauty wurdeabgesagt und auch die Fine Art Fair gibt es nicht mehr. Damit nicht genug, melden etablierte Messen wie die Heimtextil einen leichten Ausstellerrückgang, ein Trend, der sich beiPaperworld und Beautyworld noch verstärkt bemerkbar macht. Zwarhat Frankfurt mit Ambiente und Tendence weiterhin Konsumgütermessen von Weltrang, und Gastmessen wie die Internationale Automobil-Ausstellung IAA und die Buchmesse locken noch immer Hunderttausende Besucher in die Stadt. Doch mit Blick auf die Zukunft sind die Absagen alarmierend.
Auch in Gesprächen zwischen Hoteliers und ihren Gästen, den Messebesuchern und -ausstellern, wird Kritik laut. Viele Aussteller halten die hohen Preise für Ausstellungsflächen für inakzeptabel, die die Messegesellschaft verlange. Deshalb stehen längst weniger die Übernachtungspreise der Hotellerie im Fokus der Kritik, zumal sie im internationalen Vergleich anderer Messestädte wie Mailand oder London ohnehin moderat ausfallen, sondern die Preise der Messe an sich. Sollte das Geschäft mit den wichtigen Leitmessen auch nur ansatzweise wegbrechen, sei kein Ersatz in Sicht, heißt es auf Hotelseite.
Neue Standbeine müssen her. So haben auch die Stadtoffiziellen entdeckt, dass es innerhalb der Stadtgrenzen einige Pfunde gibt, mit denen sich zu wuchern lohnt. Etwa das Museumsufer mit seinen 26 Museen am Main. Ausstellungen wie Cranach im Städel oder die Impressionistinnen in der Kunsthalle Schirn ziehen Hunderttausende Besucher an, bevor die Schauen weiter in Städte wie London oder San Francisco wandern. Die Hoteliers freuen sich, dass nun offenbar die Kritik der Hotellerie an der Vermarktung der Mainmetropole fruchtet, nachdem man seit Jahren auf das touristische Defizit aufmerksam gemacht hat. Frankfurt habe eben nicht nur Banken und Hochhäuser vorzuweisen, sondern auch der Städtetourismus müsse eine wichtige Rolle für die Stadt spielen.
Doch mit der nationalen Vermarktung allein ist es keineswegs getan, meinen die Frankfurter Hoteliers. „Es muss auch international etwas passieren“, bringt Horst Mayer, der Vizechef der Frankfurter Hotel-Allianz, die Meinung seiner Kollegen auf den Punkt. Frankfurt verlange als Attraktion für Touristen und Wochenendgäste nach einem einzigartigen Event wie ein Musical oder Disney-Park. Nur das könne dauerhaft Gäste von außerhalb in die Stadt bringen. Barbara Goerlich

