Anzeige

Gibt die Richtung vor: Jens Burgdorf reagiert auf Kundenwünsche ganz besonders schnell

© Alexander Schmolke

Niedersachsen

Schlemmen hinter Klostermauern

Jens Burgdorf und seiner „Klosterschänke Hude“ dient eine jahrhundertealte Ruine als Kulisse / Alle sechs Wochen eine Karte

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/15 vom 14. April 2007

HUDE. Etwas viel Hauch der Geschichte: Majestätisch ragt die Ruine des alten Zisterzienserklosters in die Höhe. Hier, wo vor mehr als 700 Jahren Mönche beteten, kochen heute Jens Burgdorf und seine Mannschaft für ihre Gäste – in der „Klosterschänke Hude“.

Besucher fühlen sich unwillkürlich in vergangene Zeiten zurückversetzt. Nicht nur die Überbleibsel des 1232 erbauten Klosters, auch die uralten Bäume entlang der Auffahrt sowie das Herrenhaus des Adelsgeschlechts von Witzleben versprühen den Duft der Geschichte. Dazu plätschert der Huder Bach an der historischen Wassermühle vor sich hin, Schafe blöken von der angrenzenden Wiese aus zu den Gästen hinüber. „Das ist schon eine ganz besondere Atmosphäre hier“, findet Burgdorf. Und die nutzt der Pächter der Klosterschänke geschickt aus: „Schlafen und Schlemmen hinter Klostermauern“ lautet der griffige Slogan des Etablissements.

Auch im (täglich geöffneten) Restaurant – das in der früheren Brauerei des Klosters eingerichtet wurde – wird die Szenerie aufgenommen. Zum Beispiel mit dem beliebten „Klosterbräu“. Es wird zwar nicht mehr in Hude, dafür aber nach einem alten Rezept gebraut. „Allerdings ist unser Bier deutlich besser gefiltert“, betont Burgdorf schmunzelnd, „die braune Masse, die die Mönche einst getrunken haben, könnte man nicht mehr anbieten.“

Apropos Anbieten: In diesem Punkt kommen Burgdorf sowie seine Köchinnen Silvia und Silke Nöldner sehr variabel daher. „Unsere Karte hat sechs Seiten“, erklärt der Pächter, „eine davon wird Woche für Woche entfernt und durch eine völlig neue ersetzt.“ Somit gibt es in der „Klosterschänke“ alle anderthalb Monate eine neue Karte.

Sinn und Zweck der Aktion ist es, sowohl auf die Jahreszeiten als auch auf die Wünsche der Kunden reagieren zu können. Wenn zum Beispiel wie vor einiger Zeit plötzlich Asia-Essen im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde ist, kann die Klosterschänke darauf innerhalb weniger Tage mit eigenen Asia-Gerichten reagieren. „Damit sind wir deutlich flexibler als Kollegen, die für viel Geld eine aufwändige Speisekarte herstellen, die dann mindestens zwei Jahre Bestand haben muss“, erklärt Burgdorf. Doch auch bei einem steten Wandel darf so manches Gericht nie auf der Karte fehlen: Das Friesenschnitzel etwa erwarten die Gäste ebenso wie den Gemüsestrudel mit gebratenen Pilzen. „Da wir Ausflugslokal sind, müssen wir natürlich auch stets Klassiker wie Hirsch- oder Kalbsrouladen anbieten können“, so Burgdorf.

Egal, was gerade auf der Karte steht: Pflicht für das zwölfköpfige Team der Klosterschänke ist ein sehr breit gefächertes Angebot – denn die potenziellen Kunden könnten unterschiedlicher nicht sein: Im Umkreis weniger Kilometer können Reiter, Golfer, Angler, Kegler und Wanderer ihr Hobby ausüben. Aus der Kirche gegenüber strömen Hochzeits- und Beerdigungsgesellschaften in das Restaurant. Hinzu kommen Geschichtsbegeisterte, Kulturfreunde und Hobby-Fotografen, die sich die Klosterruine anschauen wollen. Und nicht zuletzt sind stets Hunderte Besucher bei den großen Theaterabenden zugegen, die im Sommer in der Ruine stattfinden. „Die möchten nett essen und trinken – was uns natürlich zugute kommt“, sagt Burgdorf zufrieden. Und übernachten. Mit neun Zimmern und drei Ferienwohnungen kann Burgdorf dienen. Die Zeit ist hier nicht stehen geblieben, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Alexander Schmolke


KommentierenDrucken
Auch interessant

„Wellnessiges“ St. Peter-Ording

Mit einem neuen touristischen Konzept startet das Nordseeheilbad in die Saison: Gesundheitsurlaub ist angesagt. mehr...

Weitere Artikel aus Regional und Lokal vom :

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige