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Konstanz: Solidarität mit dem ausgewiesenen Schweizer

Branchenpolitik

Schweizer Raucher aus Konstanz abgeschoben

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/42 vom 20. Oktober 2007

KONSTANZ. Mit dem Schweizer Stammgast Hanspeter Müller haben sich vier Kneipen in der Konstanzer Altstadt Kreuzlinger Straße sowie Döbele solidarisiert. Im „Täuble“, der Ruppaner- Beize, hatte er wie jeher sein Bier getrunken und eine Zigarette geraucht. Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen und zwei Polizeibeamte und zwei Mitarbeiter von der Gewerbeaufsicht kontrollierten die Gäste nach dem rechtskräftigen Nichtrauchergesetz von August 2007. Während sich ein Gast am versteckten Aschenbecher verbrannte, paffte der 66-jährige pensionierte Fuhrunternehmer aus Kreuzlingen weiter und steckte sich demonstrativ eine zweite an. Für die deutschen Beamten eine bewusste Provokation, sie verbrachten den Raucher zur Schweizer Grenzwacht, wobei sie eine Sicherheitsleistung in möglicher Höhe des Bußgeldes wegen Verstoß gegen das Rauchergesetz sowie wegen Personalverweigerung einbehielten.

Der 51-jährige Konstanzer Täuble-Wirt Georg Hermanutz: „Meine Gäste sind zwischen 50 und 80. Sie kommen mit der Gehhilfe und Dialysegerät. Es ist ihr Zuhause, wo sie alte Klassenkameraden und Freunde treffen. Von diesen sind 95 Prozent Raucher. Ich kann sie nicht für unmündig erklären und ihnen das Rauchen verbieten. Über 50 Prozent von ihnen sind Schweizer“. Bei strikter Durchsetzung des Antirauchergesetzes sieht der Beizenwirt Georg Hermanutz seine Existenz gefährdet. Seine Einraum-Beize lässt nach seinen Worten keine Trennung zu. Er weiß nicht, ob er dieses Jahr existenziell überlebt. Er überlegt, die Traditionskneipe aufzugeben und nach Kreuzlingen zu gehen.

Der Sachbearbeiter der Stadt Konstanz Klaus Holzer, zuständig für die Gastronomien: „Wir haben im August sämtliche 250 Gastronomien in der Stadt bezüglich dem Antirauchergesetz angeschrieben. Auch waren die Kontrollen zur Umsetzung angekündigt. Der Eklat mit dem Schweizer Gast im Täuble ist uns peinlich. Wir bieten den Einraum-Gastronomien, wie in diesem speziellen Fall, Lösungsmöglichkeiten von Rechts- und Planungssicherheit an. Der Inhaber soll keine Fehlinvestition leisten. Wir möchten keine Existenz gefährden“.

Die Beizenwirte aus dem „Bermuda-Dreieck“ Kreuzlinger Straße sowie Döbele,Georg Hermanutz (Täuble), Chantal Kimmer (Zimbristube), Walburga Imola (Schnetztor) und Brunhilde Janernig (Schweizer Eck) haben für das Bußgeld des Schweizers Hanspeter Müller gesammelt, wobei sie nicht für sein Verhalten gegenüber den Beamten aufkommen wollen. 400 Euro sind zusammengekommen. Davon soll die Strafe wegen Verstoß gegen das Antirauchergesetz bezahlt werden und der Rest geht an einen Kreuzlinger Kindergarten. Das Geld übergaben die Beizenwirte dem anstößigen Schweizer Raucher Hanspeter Müller am Konstanzer Hauptzoll. Für den Protest hatten sie zehn Minuten ihre Kneipen geschlossen, wobei ihnen die Gäste unaufgefordert folgten. Mit der Aktion „Fünf vor Zwölf“ wollen die Wirte zudem auf ihre existenzielle Situation aufmerksam machen. Sie fordern vom Gesetzgeber eine Korrektur des Antirauchergesetzes, hierbei soll ihnen die Entscheidung mit Kennzeichnung, wie in anderen europäischen Ländern, überlassen bleiben. Bei weiterer Umsetzung sehen sie ein Beizensterben in Deutschland, wobei es Ländersache ist.

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Leser-Kommentare zum Artikel (4)

Hella Ludwig
Hella Ludwig

20.10.2007 um 12:49

Betreff: Kommentar zum Artikel

Ist es nicht schlimm in unserer Republik, sich alles und jedes vorschreiben lassen zu müssen
Es gibt nun mal die Raucher und dies nicht erst seit dem Rauchverbotserlass.
Ob gesund oder nicht, Belästigungsempfinden hin oder her, jeder ist nun mal seines eigenes Glückes Schmied und lebt für seine eigene Lebensqualität. Wo bleibt das Recht auf seine persönliche Entscheidung über sich selbst
Dabei gibt es doch eine so einfache Lösung:
Nur ein Schild an die Türe
"Raucher" oder "Nichtraucher".
Bei der Gestattung zum Führen eines Gastronomiebetriebes könnte der Zusatz lauten: Rauchen gestattet, oder Nicht-Raucher-Gaststätte. Somit weis jeder "Einkehrer", was ihn erwartet. Der Gastronom sorgt für die Be- und Entlüftung sowie den Brandschutzvorschriften.
Es liegt ja auch im Interesse des Wirtes dafür Sorge zu tragen, daß sich seine (Raucher)-Gäste bei ihm wohl fühlen können, ohne sich selbst und seine Gäste strafbar zu machen.
Noch eine Anmerkung:
Solange es Gaststätten gibt, gibt es Raucher und solange ich mich auch zu meinem Raucher-und auch Nichtraucher-Nachbar anständig benehme, kommen keine Probleme auf. Nur ein bischen Höflichkeit und und Anstand ausüben, dann könnten die Nicht-Raucher und Raucher gut miteinander auskommen.
Gibt es eigentlich noch Toleranz Oder ist nur der tolerant, der sein eigenes Gedankengut vehement verwirklicht
hl



HP Göbel,Peja
HP Göbel,Peja

17.10.2007 um 02:11

Betreff: Kommentar zum Artikel

Dem Kommentar ist nichts hinzu zu fügen.
Außer das Rauchen zwar ungesund ist, aber die Bevormundung des Staates und dies nicht nur beim Rauchen, allmählich ganz schön auf den Nerv geht.

Würden sich die Regierenden einmal auf wirkliche Probleme konzentrieren (Gesundheitsreform, Pflegeversicherung, Schulbildung,etc), dann könnte man das Raucherproblem ja noch akzeptieren.

Aber anscheinend sind Nebensächlichkeiten wichtiger.

HPG

Andreas Butz, Seebad Heringsdorf
Andreas Butz, Seebad Heringsdorf

16.10.2007 um 20:03

Betreff: Kommentar zum Artikel

Unser Hotel und Restaurant wurde mit Beginn 2007 komplett auf "Nichtraucher" umgestellt. Ohne Proteste - ganz im Gegenteil. Die Restaurantgäste z.B. loben die rauchfreie Luft und genießen die Abende. Raucher gehen, so Sie möchten, für eine Zigarette an die frische Luft. Ganz ohne Probleme. Und das Schöne daran: es sind nicht weniger Gäste als vorher.
Die gesetzliche Grundlage bietet eine ideale Voraussetzung zur Umsetzung einer Nichtrauchervorgabe. Ohne diese wäre es nur sehr schwerlich umsetzbar gewesen. Und die Gäste werden deshalb nicht ausbleiben. Denn es ging noch nie jemand "zum Rauchen" sondern schon immer "zum geselligen Beisammensein" in die Kneipe, zum "Essen" ins Restaurant u. ä. und es wird sich zeigen, dass dieses rauchfreie System wunderbar funktionieren wird (wenn die Gastgeber es konsequent "nutzen"), denn der Stammgast einer gemütlichen Kneipe (und deren bekannter Gesichter), wird sicherlich nicht in ein Großraumrestaurant mit separatem Rauchraum abwandern.
Nur wenn Gastronome gegen dieses System arbeiten, wird die Diskussion ewig weitergehen. Und es ist so einfach: ein freundliches "denken Sie bitte daran, dass hier nicht geraucht werden darf" wird leicht akzeptiert und hat mit Entmündigung beim besten Willen nichts zu tun.
Mut-machende Wünsche Andreas Butz

viviane shabanzadeh
viviane shabanzadeh

16.10.2007 um 18:42

Betreff: Kommentar zum Artikel

Der Artikel macht mich betroffen, weil er die Tragik kleinerer Wirte offen ans Licht bringt.
Das provokante Verhalten des Schweizer Gastes ist sicherlich nicht nachahmenswert, zeigt aber auf wie sehr der einzelne in seinem Persönlichkeitsrecht eingeschränkt wird, wenn die neuen Gesetze konsequent geahndet werden.
Ich empfehle wie im Strassenverkehr wohl gang und gäbe (Radar-Frühwarnsystem) eine Polizeikontrollen-frühwarnsystem für Gaststätten mir hoher Raucher dichte.

Mit besten Wünschen Viviane Shabanzadeh, Saarbrücken

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