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Strenges Auge: Philipp Brokamp prüft die Qualität seines Bieres Foto: Karin Rieppel

Berlin

Selbst ist der Mann

Braumeister Philipp Brokamp betreibt in Friedrichshain eine Gasthausbrauerei / Drei Sorten Selbstgebrautes im Angebot

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/38 vom 20. September 2008
von

BERLIN. Die Großbrauereien in Deutschland sind derzeit vor allem mit Mix-Experimenten beschäftigt. Leichter, süßer, mit Fruchtflavor und Aromaflash. Hauptsache, es schmeckt nicht einfach nur wie Bier. Vielleicht ein guter Zeitpunkt für die Gründung von kleinen Gasthausbrauereien, die den Ehrgeiz haben, vor allem ein gutes Bier zu machen. Wie das Hops & Barley in Berlin-Friedrichshain.

Kneipen und Bars gibt es in dieser Gegend schon wie Sand am Meer, aber eine Gasthausbrauerei, das ist ein Novum. Philipp Brokamp, ein junger Diplombraumeister hat das Hops & Barley (Namensgeber ist der Song einer englischen Punkrockband) im Februar 2008 eröffnet.

Gemischtes Publikum

Und was er sich für sein Brauhaus erhofft und gewünscht hat, ist tatsächlich eingetreten. Das Publikum ist gemischt, es kommen Junge und Alte zwischen 20 und 70. „Hier“, sagt Philipp Brokamp, „ist jeder willkommen.“ Das ist in einem Stadtteil wie Friedrichshain, in dem überwiegend junge Leute leben, keine Selbstverständlichkeit.

Zur Zeit bietet Brokamp drei Sorten Selbstgebrautes an: Friedrichshainer Pilsner (0,3 für 1,90 Euro, 0,5 für 2,80 Euro), Weißbier und Dunkles. Und wie jeder Braumeister hat er an den Rezepturen wochenlang getüftelt und natürlich sind sie, wie bei jedem Braumeister, geheim. Mit seiner jetzigen Anlage kann er 200 Liter pro Tag brauen, doch das reicht ihm nicht mehr. Demnächst wird er eine zweite, größere Anlage anschaffen, mit der er 500 Liter pro Tag brauen kann.

Philipp Brokamp kommt aus dem Münsterland, hat sein Handwerk in einer Brauerei in der Nähe von Weihenstephan gelernt und anschließend an der TU in Berlin sein Diplom gemacht. Er gehört zu der neuen Generation junger Brauer, für die Trendbewusstsein darin besteht, ein gutes, reines Bier zu brauen. Und schon während der Zeit, in der er als angestellter Braumeister arbeitete, war eine eigene Hausbrauerei sein Traum. Das Startkapital für die Brauanlage hat er während der Berufstätigkeit gespart. Schließlich war nur noch die Frage, in welchem Teil von Berlin macht man ein solches Gasthaus auf: „Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Friedrichshain, diese drei Stadtteile kamen für mich in Frage.“ Alle drei sind keine im traditionellen Sinne bürgerlichen Stadtteile. Den Ausschlag gab schließlich das jetzige Ladenlokal, eine frühere Fleischerei in der die alten Fliesen noch erhalten sind, mit ausreichend Kellerraum für die Kühlung und Aufbewahrung der Bierfässer. Das Herzstück ist natürlich das kleine Sudhaus in einer Ecke des Gastraums. Hier wird alles zusammengebraut.

Auch Cider vom Fass

Nach dem Vorbild vieler britischer Pubs, in denen der Zapfhahn für Cider vom Fass neben dem für Bier selbstverständlich ist, bietet auch Philipp Brokamp einen selbst hergestellten Cider an. In Großbritannien ist Cider heutzutage sehr populär und Brokamp bezieht seinen Apfelsaft von einem britischen Lieferanten. Zum Cider und zum Bier gibt es Stullen, eine Scheibe Brot mit (verschiedenen Sorten) Aufstrich für 1 Euro.

Noch macht Philipp Brokamp das alles allein. Er hat einen Praktikanten, der demnächst seine Ausbildung beginnt. Und er hat sieben Mal die Woche einen 15-Stunden-Tag. Aber er hat auch ein eigenes Bier, auf das er sehr stolz ist. Karin Rieppel

info@hopsandbarley-berlin.de

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