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Neues Leben für die alte Kapelle: Irdische und himmlische Genüsse locken die Gäste in das Limburger Lokal Foto: Eckhard Krumpholz

Hessen

Speisen zwischen Himmel und Erde

In Limburg hat ein Restaurant in einer ehemaligen Friedhofskapelle geöffnet / Vermarktung über Küche und Events

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/13 vom 22. März 2008
von

LIMBURG. Ein in Deutschland wohl einmaliges Ambiente erwartet den Gast seit fünf Monaten in Limburg an der Lahn. Dort haben Dorothee und Andreas Strieder in einer sanierten Friedhofskapelle ihr Restaurant Himmel und Erde eröffnet.

32 Jahre lang stand das 1896 eingeweihte, im neugotischen Stil errichtete Gebäude leer, da die Stadt auf dem gegenüberliegendem Friedhof bereits in den Siebzigern eine neue Trauerhalle errichtet hatte. Das Ehepaar Strieder hatte ursprünglich ein Restaurant in Hadamar-Faulbach betrieben und dort den Architekten Andre Kram kennengelernt, der jahrelang die Idee der Umwidmung des denkmalgeschützten Gebäudes entwickelt hatte.

Nach vielen Vorgesprächen und Abstimmungen in den städtischen Gremien wurde mit dem Limburger Unternehmer Klaus Ludwig relativ schnell ein Investor gefunden, der das Projekt finanziell gestemmt und die Kapelle für einen symbolischen Euro von der Stadt übernommen hat. „Das alles ging nur in dieser einmaligen Konstellation und weil die Idee stimmte“, sagt Dorothee Strieder.

Neben den denkmalgetreuen Sanierungsarbeiten der historischen Bausubstanz wurde in einem neuen Anbau Platz geschaffen für die Küche, Lager- und Sanitärräume. Das Heizungsproblem wurde mit einer Wandheizung gelöst, die jetzt sogar den Granit-Fußboden auf angenehme Temperaturen bringt.

Die Umwidmung eines klerikalen Gebäudes zu einer säkularen Nutzung ging in der katholisch geprägten Region geräuschlos über die Bühne, was auch die jetzigen Pächter positiv überraschte. „Alle finden das Ergebnis toll und viele sind regelrecht begeistert“, stellen sie fest. Die bisher in Deutschland einmalige Raumsituation brachte ein dementsprechendes Medienecho und lockte die Gäste in Scharen an. Die ersten zwei Monate war das Restaurant jeden Abend ausgebucht, und auch das erste Quartal im neuen Jahr läuft nach Angaben Strieders prächtig.

Geboten wird eine leichte mediterrane Küche mit ein paar kräftigen regionalen Tupfern. Die Karte ist zweigeteilt in etwas preisgünstigere „irdische Genüsse“, wo vor allem der regionale Klassiker Himmel & Erde (Kartoffelbrei und Blutwurst) oft verlangt wird. Bei den etwas anspruchsvoller kalkulierten „himmlischen Genüssen“ kommen dann etwa Entenbrust und Lammfilet auf den Teller.

Um sich weiter zu profilieren und im Gespräch zu bleiben, werden regelmäßig Veranstaltungen angeboten. Drei Konzertabende mit klassischer Musik und warmem Buffet waren bereits ausgebucht, und in Zukunft wird es auch in Richtung Jazz gehen. Daneben sind Weinverkostungen mit französischen und italienischen Winzern geplant sowie Kochkurse, die schon jetzt ständig nachgefragt werden.

Dorothee Strieder ist überzeugt, dass vor allem das permamente, filigrane Feilen am Gesamtkonzept wesentlich für den Erfolg ist, wobei jedes noch so kleine Detail auf die besondere thematische Situation mit einem kleinen Schuss Ironie gestaltet wird. „Wir machen uns viele Gedanken und investieren viel Liebe in das Projekt. Das merken die Gäste offenbar und honorieren das.“ Dirk Baranek

www.kapelle-himmelunderde.de

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