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Gemischte Gefühle: Letzter Tag für Matthias Buchholz im First Floor (Foto: Carla Marconi)

Gastronomie

Sternekoch nimmt Auszeit

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/15 vom 10. April 2010
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BERLIN. Den Kopf freikriegen, Ruhe und Familie genießen und vor allem den normalen Alltag erleben, das möchte im nächsten Jahr machen. Der Küchenchef des Gourmetrestaurants im Hotel Palace, der seit 14 Jahren bereits für das Spitzenrestaurant des Hotel Palace Berlin zuständig war, hängt seine Schürze an den Nagel. Erst einmal.

Denn der 42-Jährige gönnt sich eine und hat seine Stelle im First floor Mitte 2009 gekündigt, Ende März war sein letzter Arbeitstag. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, ich gehe mit gemischten Gefühlen“, sagt Buchholz. Aber er habe sich bewusst für das Verlassen des Hauses entschieden, in dem er unzählige Erfolge gefeiert hat.

Der Sternesammler

Außer Titeln wie Koch des Jahres, Berliner Koch des Jahres, Berliner Meisterkoch und 18 Punkten im Gault Millau, bestand eine seiner herausragendsten Leistungen darin, immer wieder mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet zu werden – und zwar lückenlos, 14 Jahre in Folge. Da sei der Druck ganz schön groß gewesen, schließlich galt es, das Niveau zu halten, jedes Mal aufs Neue. „Doch nach einer Weile merkt man, dass es außer Sternen, Hauben, Punkten oder Kochlöffeln auch noch ein anderes Leben gibt“, erläutert Matthias Buchholz.

Und dieses „andere Leben“ will er jetzt in vollen Zügen auskosten. „Ich möchte meine Tochter von der Schule abholen, an einem Samstagvormittag einkaufen gehen oder auch abends vor dem Fernseher sitzen und eine Unterhaltungssendung anschauen“, sagt er. Das Alltägliche eben, auf das er, gerade bei den unregelmäßigen Arbeitszeiten in der Gastronomie, in den letzten Jahren verzichten musste. „Außerdem will ich auch mal Blumenkohl mit Kartoffeln und Schnitzel daheim zubereiten“, erzählt Buchholz weiter. Ganz einfache, profane Sachen eben.

Das heißt jedoch nicht, dass er nicht gern an den Glamour der letzten Jahre im First floor zurückdenkt, als er jede Menge Prominenz wie die englische Queen, Putin oder Clinton bekochte oder mit seiner Aromaküche einer der renommiertesten Sterneköche Berlins wurde.

Rückblickend seien ihm vor allem seine Gäste besonders ans Herz gewachsen. Mit einigen pflegt er mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis. „Es war eine schöne Zeit, die Trennung vom Palace verlief im Guten. Und ich werde dem Haus weiterhin verbunden bleiben“, betont der 42-Jährige. Ihm sei es auch wichtig gewesen nicht aus dem First floor gleich in einen anderen Job zu wechseln. „Es gibt kein Gezerre und keine Streitigkeiten. Ich nehme keine Leute in eine neue Küche mit, mein Nachfolger kann mit einem gut aufeinander abgestimmten Team weiterarbeiten“, erklärt er.

Und auch er möchte – Sabbatjahr hin oder her – nicht ganz der Branche fernbleiben: „Ich will Kollegen besuchen, mich auf dem Laufenden halten, bin ab und an noch beratend tätig.“ Im Sommer sei er noch unter First-floor-Flagge an Bord der Aida unterwegs, zudem soll er dem Haus auch als Gastkoch weiterhin erhalten bleiben.

Zeit zum Lesen

„Ich weiß nicht, was kommen wird, sondern lass mich einfach überraschen“, lacht Matthias Buchholz. Genau das sei ja das Schöne am Time-out. Eines sei jedoch sicher: Er wird auch in Zukunft im Gastronomiebereich arbeiten wollen. Und auf eine weitere Sache freut er sich besonders: „Endlich komme ich dazu, meine Kochbücher zu lesen.“

www.matthias-buchholz.de

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